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Der Gastro-Blog: Essen, Trinken, Kochen und alles, was uns sonst bewegt.

Tenuewechsel

SI-Sportreporter Iso Niedermann bloggt direkt von der Fussball-WM 2010 aus Südafrika.

Zugegeben, nach diesem grossen Nachmittag für den schweizer Fussball fällt es schwer, das Haar in der Fansuppe zu suchen. Dabei würde man sich nun inmitten der einmütigen sporthistorischen Euphorie gerne ein bisschen abheben aus der Masse der Kommentatorinnen und Kommentatoren. Ganz schwierig heute.

Das hat gestern um 16 Uhr nachmittags noch ganz anders ausgesehen. Wer sich in Durban in Weiss-Rot zeigte, hatte bereits verloren. Zunächst mal gegen Rot-Gelb. Nicht nur, dass die spanischen Fans numerisch weit in der Überzahl waren. Sie waren auch weit fröhlicher, lauter, stolzer, ausgelassener. Und siegessicherer, selbstredend. Als ich am Mittag im Hotelrestaurant meinen Lunch verdrückte, sassen am Nebentisch drei in den Landesfarben bemalte und gekleidete Spanier. Und ich schwörs: Obwohl ich nicht mal zufällig etwas Rotes trug, meinen Mund ausser zum Abbeissen nicht öffnete und meines Ermessens auch sonst nicht irgendwie als Schweizer erkennbar war, haben die pausenlos über mich gelächelt. Mitleidig, wie mir schien.

Die Schweizer Fans dagegen, die sich als solche zu erkennen gaben, wirkten doch eher leicht peinlich. Kuhglocken im ursprünglichen Schellenursli-Format und Fan Sigi mit Schnauz und Fantrompete gegen rassige spanische Schönheiten und Manolos wuchtige Trommel (die zum Draufschlagen, meine ich). Dieser Match war für uns verloren, bevor er begonnen hatte. Was sollte da schon rauskommen? Es gab tausend Gründe, weshalb uns die Spanier einfach ratzfatz wegputzen.

Dachte ich. Dachten wohl alle Journalisten, die in ihrem Innersten spätestens nach einer Woche schwierigster Kommunikation zwischen ihnen und Hitzfelds Team mit einer frühen Heimkehr gerechnet hatten. Aber oha, jetzt kommts womöglich ganz anders. Und eigentlich haben wir's immer gewusst, dass da eine Überraschung lauert. Denn - hokuspokus - kaum war der eigentlich gar nicht mögliche Sieg gegen Villa und Co. im Trockenen, trugen plötzlich mehrere meiner Reporter-Kollegen auf der nächtlichen Rückreise von Durban nach Vanderbjilpark rot-weisse Schweizer Fanshirts.

Macht man das als Journalist? Macht man eigentlich nicht. Aber für einmal drücke man ein Auge zu. Sich mal so ein bisschen spanisch zu fühlen, wer möchte das selbst uns ewig nörgelnden Schreibern und Sprechern von den Medien nicht gönnen?
Herrlich, wie Manolo seine Riesenpauke (auch jene, die tönt) zu nächtlicher Stunde ziemlich bedröppelt durch den Flughafen von Durban schleppte. Freu dich, Kleingeist.

Und wenn ich nächstens ein paar Chilenen oder Honduraner im Restaurant treffe, setze ich mich einfach an den Nebentisch und lächle sie selig von der Seite an.