Renggli’s Top Ten

Das Morganella-Gewitter

Die Schweizer Fussballer treffen das Tor nicht, verfehlen neben dem Platz aber kein Fettnäpfchen. Deshalb hier eine Auffrischung der wichtigsten Benimmregeln im United Kingdom.

Zu behaupten, Michel Morganellas rassistische Twitter-Botschaft in Richtung Südkorea habe die olympische Welt aus den Fugen gebracht, wäre eine leichte Übertreibung.

Das Gewitter entlud sich vor allem über dem Autor selber. In den englischen Medien blieb der Sturm dagegen im Wasserglas. Die Boulevardzeitung «Sun» widmete dem Schweizer nur 96 Zeichen – also weniger als einen maximalen Tweet. Und auch der «Daily Telegraph» versenkte den rechten Verteidiger – entsprechend seiner sportlichen Referenzen – im Kleingedruckten.

Sollten sich Morganellas Teamkollegen auf dem Heimweg trotzdem noch nach London verirren -  hier die wichtigsten Tipps für einen sorglosen Aufenthalt in der englischen Hauptstadt.

  1. Mach einen Bogen um die südkoreanische Botschaft (sie liegt am Buckingham Gate 60 in London SW1E 6AJ – die genaue Lage bitte googeln).
     
  2. Probiere nicht, eine U-Bahn-Tür von Hand offenzuhalten. Das schafft nicht einmal David Beckham.

  3. Spucke nicht gegen den Wind – und schon gar nicht von hinten auf englische Sportkameraden. Seit der Euro 2004 gelten diesbezüglich alle Schweizer als Wiederholungstäter.
     
  4. Denk gut nach, bevor Du in ein Mikrofon sprichst. Im richtigen Leben ist es nämlich wie in einer dieser Gerichtsshows im Privatfernsehen: Alles, was Du sagst, kann gegen Dich verwendet werden.
     
  5. Halte Dich ans helvetische Protokoll. Nach Eveline Widmer-Schlumpf und Didier Burkhalter wird auch Sportminister Ueli Maurer in London erwartet. Zeige trotzdem nicht, dass Du ihm kollegial verbunden bist und begrüsse ihn nicht mit einem Schlag auf  den Hinterkopf.
     
  6. Sollte Dir das iPhone geklaut werden, wahre Ruhe und behalte die Nerven. Es gibt einen Ausweg: Die roten Boxen, die überall herumstehen, sind keine WC-Häuschen sondern Telefonkabinen.
  7. Lösche all Deine Facebook-Freunde, die im Verdacht stehen, Funktionäre, Journalisten oder südkoreanische Staatsbürger zu sein.
     
  8. Glaub nicht, dass Dir die Leute aus Freude zuwinken, wenn Du in der Schweizer Teamtracht durch die Strassen spazierst. Sie verwechseln unsere Nationalfahne mit dem Roten Kreuz.
     
  9. Vermeide es, über die Abschrankungen vor dem Buckingham Palace oder der Downing-Street 10 zu klettern. Sonst verpasst Du den Saisonstart und kriegst Deinen nächsten Lohn nicht pünktlich.
     
  10. Leg Dich weder mit der berittenen Polizei noch mit der royalen Horse Guard an. Englische Pferde beissen.
  11. (für die Zeit nach der Rückkehr in die Schweiz) Buche Deine nächsten Ferien in Nordkorea.