Renggli’s Top Ten

Gourmet-Alarm in London!

Grossbritannien gilt kulinarisch noch immer als Entwicklungsland – zu Unrecht. Die 6000 Londoner Restaurants und 5000 Pubs bieten eigentlich alles, was man sich wünscht. Auf dem Weg zum perfekten Dinner lauern aber einige fiese Fast-Food-Fallen. Auf was man in London bestens verzichten kann:
  1. Speck-Chips am «Gourmet»-Stand bei der Paddington-Station. Käme unter normalen Umständen nicht einmal auf den Menüplan, wenn die eigene Schwiegermutter drohen würde, dass sie in die Flitterwochen mitkommt.
     
  2. Frittierter Seafood – im «China Inn» in der kulinarischen Halbwelt des Soho. Tote Lebewesen aus dem Tiefkühlfach unter einer undefinierbaren braunen Sauce. Es könnten auch Insekten oder deren Larvengewesen sein.

  3. Fish and Chips im «Montagu Pyke Pub» bei Charing Cross. Vielleicht hatten wir ja auch nur Pech – und der Koch (falls er wirklich einer war) hatte schlechte Laune. Oder wir liessen uns von der Atmosphäre irritieren: Ein Interieur wie in einer Bahnhofwartehalle, Barfrauen, die Dich permanent ignorieren – und Kundschaft, der man nicht mal im Dschungel-Camp begegnen würde.

  4. «Ultimate Breakfast» bei Harry Ramsden’s in der Euston Station. Speck, Würstchen, Bohnen, Eier, Kartoffel-Irgendetwas. Ein Frühstück wie eine Niederlage im Penaltyschiessen gegen Deutschland (oder Südkorea).
     
  5. Schinkenstücke und «Mystery-Meat» bei einem notfallmässigen Zwischenstopp zwischen Covent Garden und Picadilly Circus.Mystery Meat. Nomen est omen.Ein Fall für die Lebensmittelpolizei. Vermutlich würde man in jeder Dopingkontrolle hängenbleiben.

  6. Baguettes bei «UpperCrust» an der Waterloo-Station.  Die französische Gourmet-Kultur in einem englischen Sauce-Bernaise-Plagiat ertränkt – und mit Specktranchen und Würstchen verprügelt.Spätestens hier hätte Napoleon kapituliert.
     
  7. Pommes Frites mit Hackfleisch – irgendwo an der Wardour-Street auf dem Heimweg vom Final im Schwergewichts-Gewichtheben. Eine besonders eklige Fiesheit der englischen Zwischenverpflegung. Bleibt lange in Erinnerung.
     
  8. Doughnuts mit Zuckerglasur an einem Imbiss in Camden Town. War auch eine idiotische Idee, im Revier der Alt-Punks und Retro-Hippies etwas zu essen. Liess sich immerhin an der U-Bahn-Station leicht entsorgen.
     
  9. «FreshFruits» im indischen Restaurant «Grand India 2» an der Villiers Street bei Charing Cross. Frische Früchte direkt aus der Büchse. Und der Service von konservierter Unfreundlichkeit -  sobald er realisiert, dass man sich nicht zum «Grand Dinner» für 28.50 Pfund nötigen lässt, gibt’s nur noch Verachtung, Ignoranz und böse Blicke.

  10. Gebackenes Poulet im «Kings Head Pub» an der Church Street – wurde (mindestens) dreimal getötet – und dann mit Mayonnaise einbalsamiert. Nur Jack the Ripper war grausamer.