Renggli’s Top Ten

Wimbledon wird entweiht!

Sport-Puristen und Tennis-Traditionalisten sind «not amused». Die Olympischen Spiele entweihen den heiligen Rasen von Wimbledon. Die schlimmsten Verstösse gegen den Wimbledon-Knigge.
  1. Wimbledon-Habitués können nicht hinsehen – statt im dezenten Grün sind die Courts in giftigem Olympia-Pink und -Lila ausstaffiert. Ohne Sonderbrille lässt sich das nicht ertragen.
     
  2. Auch auf dem Platz grassiert die farbliche Verluderung – statt im traditionellen Weiss treten die meisten der olympischen Racket-Arbeiter in ihren Landesfarben an. Es geht zu und her wie auf einem Kostümball.
     
  3. Entsprechend verhält sich das Publikum. Es orientiert sich eher  an den rauen Sitten in einem Fussballstadion als an der ortsüblichen Zurückhaltung. Die «Times» zeigt sich irritiert und schreibt von «Wimblympics».  
     
  4. Das olympische Schlamassel tangiert auch das Catering an der Church Road. Olympiakompatible Softdrinks und Hamburger dominieren das Angebot. Dagegen darf kein Pimm's, der Wimbledon-Kultdrink aus rotem Likör und Limonade mit Salatgurke und Minz-Blättern, ausgeschenkt werden. Immerhin: An einem Stand gibts die traditionellen Erdbeeren mit Schlagrahm.
     
  5. Die Mitglieder des «All England Lawn Tennis & Crocket Club» sind besonders hart betroffen. Sie werden vom IOK aus ihrem Clubhaus ausgesperrt und müssen ihr wichtigstes Grundnahrungsmittel (den Five-o-clock-tea) bei den Trainingsplätzen einnehmen.
     
  6. Auch die Wimbledon-Souvenir-Shops werden missbraucht. Wo sonst so nützliche Dinge wie Tassen mit Erdbeer-Motiven oder lilagrüne Regenschirme verkauft werden,  sind die Regale jetzt mit profanem Olympia-Merchandising vollgestopft.
     
  7. Die Grenzen zwischen Hauptdarstellern und Journalisten werden auf fahrlässige Weise aufgeweicht. Erstmals gibt es in Wimbledon eine «Mixed-Zone», wo Reporter die Tennisspieler für kurze Statements gleich nach dem Match abfangen können.
     
  8. Schon bei den Akkreditierungen herrschte ein gefährliches Jekami. Während beim Wimbledon-Turnier das Berichterstattungsrecht praktisch nur erblich weitergegeben werden kann, stolpern nun Hinz und Kunz auf der Pressetribüne herum – mit gravierenden Konsequenzen auf die sonst keimfreie Atmosphäre. Als vorläufiger Tiefpunkt wurden sogar Bierbecher auf den Medien-Tischchen abgestellt.
     
  9. Auch akustisch sind schmerzhafte Nebengeräusche festzustellen: Beim Einmarsch der Spieler wird Musik über die Lautsprecher eingespielt. Britische Filzball-Romantiker halten sich angewidert die Ohren zu.
     
  10. Der Bruch mit der Tradition beginnt schon vor den Toren des Geländes. Wo die Besucher sonst stundenlang anstehen – um dann vielleicht doch kein Ticket zu bekommen – schreiten die Olympia-Gäste zu den Eingangsbereichen, als wären sie an einem gewöhnlichen Sportanlass. Das darf doch nicht wahr sein!