Sale, pepe e pomodoro

Sale, pepe e pomodoro

Moderatorin Zoe Torinesi tauscht regelmässig Mikrofon gegen Kochlöffel.

«Local» und «Organic» - lass dich nicht reinlegen!

In New York wähnte sich Bloggerin Zoe Torinesi im Food-Paradies. Doch sie merkte rasch: Wo Bio drin steht, ist nicht unbedingt Bio drin.

Ich würde mich nicht als blöd bezeichnen, eher als leicht beeinflussbar. Wie bin ich rumgehüpft vor Freude und von einem Schaufenster zum nächsten gerannt - die Kamera immer im Anschlag -, als ich all die gesunden Geschäfte entdeckte: «Lueg, so geil, voll der Organic-Frucht-Lade!», «Hey neeei e ganzi Chetti, nur für früschi Säft!!». Ich war angekommen in der gesunden Bio-Organic-Alles-ist-gesund-City. Dachte ich zumindest.

An unserem dritten Tag im Big Apple machten ich und meine Canon-Cam uns auf, den riesigen Biomarkt in der Nähe des Hotels auszukundschaften. Menschen, die sich nicht so sehr fürs Essen interessieren, werden es kaum verstehen, aber ich war so begeistert vom Bioladen in Lower Manhattan, dass ich hätte heulen können. «Wenn die Amis schon so grossflächig beginnen, bewusst zu essen, das heisst was», dachte ich.

Dass sich viele Menschen auf der Welt immer mehr Gedanken zu ihrer Umwelt und zu dem machen, was sie in sich hineinstopfen, das stimmt ja schon. Es wird jedoch eben auch das ganz grosse Geschäft mit diesem «neuen Bewusstsein» gemacht.

Aber zurück zum riesigen Bio-Paradies: Neben ganz viel Früchten und Gemüse von lokalen Produzenten bietet die Kette auch Unmengen an vermeintlich gesunden Guetsli, Smoothies, Chips und so weiter an. Grundsätzlich eine ganz tolle Sache. Was mich aber verwundert hat, ist, dass es zwar feine Salate mit Organic-Saucen dazu und Gemüse mit Dips zu kaufen gibt, die Verpackungen aber so gar nicht umweltbewusst sind. Jeder Salat steckt in einer eigenen Plastikkiste, dazu gibts die Sauce im Pet-Fläschchen. Bei den Dips ist es genauso - viel Plastik für wenig Essen. Das sieht man ganz oft in New York: Vordergründig umweltbewusst, weil lokal produziert, nach absolutem Biostandard, vegetarisch oder vegan und am besten noch «gluten-free». Dann wird jedoch jeder Apfel separat eingepackt, und den Lunch gibts auf vier Plastiksäcke verteilt.

Als ich dann meine Sachen eingekauft hatte (Bio-Joghurt mit Granola, einen Becher Bio-Kafi plus einen grünen Smoothie), begab ich mich nach wie vor selig ins hauseigene Café. Während des Trinkens meines super-gesunden Smoothies, schaute ich mir die Inhaltsangaben an und spuckte dabei vor Schreck den Saft beinahe wieder aus. Nix, aber auch keine einzige der Ingredienzien war wirklich frisch! Alles nur aus Konzentrat und Püree hergestellt, und Geschmacksverstärker hatte es auch noch drin. Den Saft hab' ich stehen gelassen.

Dasselbe in einer Smoothie-Kette: Überall wird angepriesen, wie gesund die Getränke seien, wie frisch und Bio. In Wirklichkeit wird aber nix aus frischen Früchten hergestellt, sondern alles steht eingefroren zum Aufmixen parat. Also unter «frisch» versteh' ich etwas anderes.

Es gibt aber hier natürlich auch die andere Seite, die supertoll ist. New York ist in Sachen Kulinarik und gesundes Essen enorm inspirierend! Es gibt tausende kleine Bio-Cafés oder Restaurants, die wunderbar frisches Essen anbieten, mobile Saftstände an der Strasse, die die Juices vor den Augen der Kunden mixen oder Salatbars, die auf vernünftige Verpackung achten. In Zukunft schaue ich ganz genau hin, was ich mir auf den Teller hole und lasse mich von grossen grünen Werbungen nicht mehr so schnell blenden.

Mehr aus ihrer Kulinarik-Welt finden Sie auch auf ihrer Website cookinesi.com. Alle Koch-Blogs «Sale, pepe e pomodoro» gibts im SI-online-Dossier.