Sale, pepe e pomodoro

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Moderatorin Zoe Torinesi tauscht regelmässig Mikrofon gegen Kochlöffel.

Der Zeigefinger-Veganer

Veganismus bewegt. Und entzürnt: Auf Sozialen Medien fegte gerade ein Shitstorm, weil ZDF eine Sendung mit Vegan-Koch Attila Hildmann aus dem Programm kippte. Kochbloggerin Zoe Torinesi findet: Make food - not war!
Blog Sale pepe e pomodoro Zoe Torinesi über veganes Essen
© Getty Images

Vegan liegt im Trend: Restaurants deklarieren vermehrt Tierprodukte-freie Speisen - auch in der Schweiz.

Die Veganer machen momentan ordentlich von sich reden. Besonders in städtischen Gebieten wird immer mehr auf tierische Produkte wie Fleisch, Milch und Eier verzichtet. Auch in der Schweiz gibt es mittlerweile viele Restaurants, die vegane Speisen deklarieren, Gaststätten, die ausschliesslich veganes Essen anbieten, und sogar auf Glace müssen Tierfreunde nicht verzichten: dank Betrieben wie der «Vegelateria» in Zürich, die Eis anbietet, das frei von jeglichen Tierprodukten ist. Sogar bei der Migros gibts schon vegane Glaces!

Ich persönlich freue mich extrem über diesen Trend, der neues Bewusstsein schafft. Beim Verzicht auf Fleisch hört die ganze Problematik ja leider nicht auf. Bio-Eier für 1.50 Franken pro Stück können wir schon mit gutem Gewissen kaufen, aber was für Eier stecken in Teigwaren oder im Kuchen vom Bäcker? Wie sehr leiden Kühe darunter, dass sie jahrelang in kleinen Ställen für die Milchgewinnung ausgebeutet werden? Ich habe mich mit diesen Dingen lange nicht auseinandergesetzt, weil sie in meinem Umfweld praktisch nie Thema waren. In meinem Freundeskreis und auch im Internet stelle ich fest, dass gleichzeitig mit der Veganismus-Diskussion auch ein Kampf der Lager losgebrochen ist. Fleischfresser gegen Veganer, aber vor allem Veganer gegen Veganer!

Die Karnivoren (Fleischfresser)
Der Tenor vieler Karnivoren dem Veganismus gegenüber ist sehr ablehnend:

  • «So ein Seich, das Fleischessen hat schon immer zu uns Menschen gehört!»
  • «Was sind denn das für schräge Vögel, die auch noch keine EIER konsumieren, die sollen gleich ins Kloster!»
  • «Absolute Spassbremsen - mit denen kann man ja weder im Restaurant noch zu Hause etwas essen, viel zu extrem!»


Zum einen wird diese Abneigung wohl mit der Spezies des Zeigefinger-Veganers zu tun haben, die immer und überall ihre Überzeugung kundtun muss und anderen damit ordentlich auf den Senkel geht. Zum anderen zeugt diese Haltung wohl auch von einem schlechten Gewissen - schliesslich ist sich jeder bewusst, dass veganes Essen den Tieren und unserer Umwelt nur zugute kommt.

Der Zeigefinger-Veganer
Die Zeigefinger-Veganer nerven total. Auch ich habe auf meiner Food-Website schon bitterböse Kommentare auf ein Milchreisrezept erhalten. Ob ich eigentlich wisse, dass ich praktisch eine Mörderin sei, Kühe auf dem Gewissen habe - und noch viel Unschöneres wurde da geschrieben. Die meisten Veganer, die ich kenne, sind absolut entspannte und vernünftige Zeitgenossen, die ihre Überzeugung mit Freude und Positivität leben. Aber es gibt eben auch die militante Gattung, die alles und jeden verurteilt, der anders lebt - auf ihre Kappe gehen meiner Meinung nach viele Vorurteile gegenüber dem Veganismus.

Der Autor der Kochbücher «Vegan for Fun» und «Vegan for Fit» ist ein gutes Beispiel dafür. Attila Hildmann verdient mit seinen Rezepten eine ordentliche Stange Geld und verkörpert ein ganz neues Image der Tierprodukte-freien Ernährung. Jung, gutaussehend, mit Sixpack am Bauch und Porsche unter dem Hintern ist er liberal eingestellt und lässt den Zeigefinger stecken. Hildmann trinkt nicht-veganen Wein (oh Schreck!) und sagt im Vorwort seiner Bücher, jeder solle selber wissen was er für richtig halte. Wenn jemand nicht vegan leben wolle, dann sei zumindest ein veganer Tag pro Woche schon etwas Tolles. Wie der Mann im Internet angefeindet wird, fast ausschliesslich aus dem eigenen Vegan-Lager, schockiert mich. Er sei arrogant, weil er Porsche fahre und sich öffentlich über seine Erfolge freue, ihm ginge es ausschliesslich ums Geld und ein Hobby-Veganer sei er ausserdem. Dass Menschen wie Attila sehr viel mehr Leute mit ihrer positiven Message erreichen, scheint den Nörglern nicht bewusst zu sein.

Fakt ist doch, dass immer noch jeder selber entscheidet, wie er oder sie leben möchte. Das Problem von uns Menschen ist die Masslosigkeit. Ich esse Fleisch, Fisch und Milchprodukte, bin jedoch durch die Vegan-Bewegung sensibilisiert worden und versuche tierische Erzeugnisse immer mehr einzuschränken und vor allem solche von guter Qualität zu kaufen. Vegan zu leben ist momentan für mich keine Option. Nur noch ein- bis zweimal in der Woche Fleisch zu essen und einen tierproduktefreien Tag pro Woche einzulegen schon.

Mein abschliessendes Statement deckt sich mit dem, was kürzlich ein Schweizer Journalist auf Facebook zum Thema geschrieben hat: «Make food - not war.»

Mehr aus Zoe Torinesis Kulinarik-Welt finden Sie auf ihrer Website cookinesi.com. Alle Koch-Blogs finden Sie im SI-online-Dossier.

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