Sale, pepe e pomodoro

Sale, pepe e pomodoro

Moderatorin Zoe Torinesi tauscht regelmässig Mikrofon gegen Kochlöffel.

In der Fabelwelt des Ferran Adrià

Zoe Torinesi konnte ein Abend in Ferran Adriàs Restaurant verbringen. Ein Fest für die Sinne und ein einmaliges Erlebnis für die Foodbloggerin.

Es war die schönste Überraschung überhaupt: Mein Liebster hatte während unses Ibiza-Trips einen Tisch im «Heart» gebucht, dem neuen Restaurant von Ferran Adrià, einem der berühmtesten Köche des Universums und Koryphäe der Molekular-Küche - ich war ausser mir vor Freude!

Das «Heart» hat 2015, in seinem ersten Jahr, enorme Verluste erlitten - 3.5 Millionen sollen es gewesen sein und man kann sich ziemlich gut vorstellen, warum. Gäste erwartet im «Heart» ein 360-Grad-Erlebnis der Superlative, das Essen wird von Shows des «Cirque du Soleil» begleitet, die Räumlichkeiten sind imposant. Schon nur einer der vielen Scheinwerfer, die alle die Grösse eines Kleinwagens haben, muss ein Vermögen gekostet haben. Auf der Damentoilette steht nicht etwa eine einfache Reinigungskraft, sondern gleich drei perfekt gestylte Philippininnen in einem zirkusähnlichen Outfit, weisen einem den Weg zum WC und würden, falls gewünscht, auch das Make-up der Gäste auffrischen. 

Bei Ankunft im Restaurant wird jede Gästegruppe von mehreren Figuren aus «Alice im Wunderland» begrüsst, daraufhin durch einen Raum geführt, wo ihr weitere fünf Statisten applaudieren, als wäre jeder einzelne ein Superstar. Erst danach folgt das Apéritiv auf der wunderschönen Terrasse mit Blick auf die Altstadt Ibizas, das von molekularen Häppchen, Fabelwesen und leiser Musik begleitet wird. 

Beim Apéritiv gesellt sich der Manager des hauseigenen Clubs und Bekannter meines Freundes zu uns, der die Reservation für uns vorgenommen hat - es versteht sich von selbst, dass Adriàs Restaurant eigentlich über lange Zeit ausgebucht gewesen wäre. Nur um eine Idee des Ruhms dieses Spitzenkochs - übrigens Autodidakt, er hat nie eine Kochlehre gemacht - zu geben: Sein früheres Restaurant «El Bulli» im Norden Spaniens erhielt pro Jahr für 35 Stellen über 1500 Bewerbungen, bis zu einer Million (!) Reservationsanfragen gingen ein für nur 16'000 verfügbare Plätze. 

Wir sitzen also und trinken, lassen uns die molekularen Bloody Marys auf der Zunge zergehen und irgendwann entscheidet sich der Bekannte, den Abend mit uns zu verbringen. Und dann geht es los, ich sags Euch.

Wir werden nach unten in den Ess/Showraum gebracht, wo an niederen Tischen etwa 50 weitere Gäste sitzen. Normalerweise wählt man zwischen drei oder fünf kleineren Gerichten, der Bekannte bestellt das komplette Menu - 28 Gänge (!!) und eine Flasche wunderbaren Rotwein. Ich mache mir echt Sorgen, was das alles kosten wird, als der erste Gang, ein Gedicht von einer Avocado-Gazpacho gebracht wird, und ab da bin ich abgehoben. Ich schwelge in Geschmack, Konsistenz, Musik, lasse mich fallen und von dieser Fabelwelt immer wieder neu überraschen. Der Bekannte kommt langsam in Fahrt, er ist so, wie es ein guter Clubmanager sein sollte: sympathisch, offen, redet viel und laut, ab und an reisst ihn die Show mit, er steht auf, klatscht in die Hände, singt mit und schreit immer wieder : «Mas carne, mas carne!!» (Mehr Fleisch, mehr Fleisch...) Langsam macht sich auch mein Freund Sorgen um die Kosten - und auch um unsere Mägen, die sich anfühlen als würden sie bald platzen.

Der Höhepunkt folgt dann mit dem Zauberer (übrigens ein Schweizer namens Dekay). Er lässt persönliche Gegenstände verschwinden, führt absolut verblüffende Tricks vor und und plötzlich zieht er aus seinem Tuch eine GANZE WEINFLASCHE hervor! Unglaublich! Derweil bestellt unser Gastgeber immer mehr Desserts, mehr Popcorn, mehr Zuckerwatte, mas, mas! Bis wir um zwei Uhr morgens fix und foxi und aufs Schlimmste gefasst die Rechnung bestellen. 

Dann die letzte Überraschung: Wir sind eingeladen - einfach so. Und ein Foto mit Adrià gibt’s auch noch.  Zum Glück habe ich nicht noch mehr Wein getrunken, sonst wäre ich wahrscheinlich rührselig geworden. Kennt Ihr diese Momente, in denen man morgens erwacht und denkt: «Oh nein, hab ich das wirklich gesagt?!»... eben.

Dieser Abend aber war unvergesslich: Masslos, interessant, überraschend, berührend und einfach wunderschön. Gracias Ferran y Joseph!  

Im Dossier: Alle Food-Blogs von Zoe Torinesi