Sale, pepe e pomodoro

Sale, pepe e pomodoro

Moderatorin Zoe Torinesi tauscht regelmässig Mikrofon gegen Kochlöffel.

So isst die Welt - Russisch für Anfänger

Zu Besuch bei Freunden: Kochbloggerin Zoe Torinesi lässt sich diesmal von Russin Anastasia bekochen. Und liefert gleich noch ein Rezept für das traditionelle Gericht «Borschtsch».

Genau wie Anastasia stelle ich mir die typische Russin vor - blond, grüne oder blaue Augen, hübsch, noble Blässe. Wobei, ich war noch nie wirklich im Osten. Meine einzige Verbindung zu Russland ist Anastasia, die gerade ihren Master in Medien und Kommunikation macht, als Redaktorin beim «Blick am Abend» arbeitet und waschechtes «engadinerdeutsch» spricht, obwohl sie erst als zehnjähriges Meitli in die Schweiz gekommen ist. Kochen ist nicht ihr Spezialgebiet, das einzige aus ihrem Heimatland, das sie mir bisher verabreicht hat, ist Wodka. Deshalb habe ich mich ehrlich gesagt auch mehr auf den gemeinsamen Abend als aufs Essen gefreut. Zu unrecht, denn ich wurde positiv überrascht!

Sale, Pepe e Pomodoro: Was tischst Du mir heute auf, Anastasia?


Anastasia: Blinis mit Kaviar oder Lachs, Borschtsch, eine Randensuppe, die in Osteuropa sehr viel gegessen wird, und Zucchetti-Pancakes, die bei uns «Oladuschki» genannt werden.

Und was hats mit all dem Sauerrahm auf sich?
Wir lieben Sauerrahm! Er kommt auf die Blinis, auf die Pancakes und sogar in unsere Suppen geben wir einen Klecks.

Ist ja krass. Zum Glück mag ich das Zeug echt gern. Beginnen wir aber erstmal mit einem Klischee: Sind Russen wirklich so trinkfest und kippen Wodka bei jeder Gelegenheit?
Och nö, es ist nicht so, wie man denkt. Ich persönlich bin schon recht trinkfest (lacht), aber es ist auch schwer von «dem Russen» zu sprechen. Viele trinken überhaupt nicht und Frauen mögen oft lieber Cüplis - genau wie in der Schweiz. Natürlich gibt es auch solche, die sich den Wodka wie Wasser zuführen. Aber im Gegensatz zur Schweiz ist es in Russland sogar verboten, auf öffentlichen Plätzen zu trinken!

Du hast vorhin gesagt, in Russland kämen Apérohäppchen wie bei uns nie auf den Tisch?!


Niemals! Weil die so mickrig aussehen! Das käme in Russland fast einer Beleidigung gleich, die Gäste hätten den Eindruck der Gastgeber sei geizig. Wir tischen schon zu Anfang richtig auf.

Was isst man typischerweise in Russland?


Das ist recht schwierig zu sagen, da unser Land so riesig ist. In Sibirien isst man beispielsweise ganz anders als in Moskau. Grundsätzlich ist unsere Küche sehr vielfältig und eher fettig. Es werden viele Meeresfrüchte gegessen, Suppen, Gemüsesalate, Kartoffeln, Pelmeni (Teigtaschen, ähnlich wie Ravioli), Schaschlik (Fleischspiesse) und Mayonnaise essen wir auch sehr viel. Bei uns gibts zum Beispiel keine Salatsaucen, dafür tausende verschiedener Mayonnaisen, die sind aber viel leichter und schmackhafter als die, die wir kennen. Ausserdem trinken wir ganz viel Tee. Zum Beispiel Schwarztee mit Zitrone und wenn ein Kind krank ist, bekommt es vom Mami Tee mit Himbeergonfi verabreicht.



REZEPT
*Borschtsch*


Zutaten:

700 g Siedfleisch

2 Liter Wasser

2 Knollen Randen, geraffelt

3 Kartoffeln, gewürfelt

1 Weisskohl, in Streifen geschnitten

2-3 Tomaten, gewürfelt

3 Peperoni, in Streifen geschnitten

3 Rüebli, in Rädchen geschnitten

1 Knoblauchzehe, gehackt

1 Zwiebel

Lorbeerblätter, Petersilie, Paprika, Salz, Pfeffer

Zubereitung: Siedfleisch am Stück ca. 45 Minuten bis 1 Stunde im Wasser kochen (bis es durch ist). Das Fleisch herausnehmen, Kartoffeln und Weisskohl werden nun im selben Wasser etwa 20 Minuten gekocht. Währenddessen die Peperoni, Rüebli, Zwiebeln und die geraffelten Randen etwa 10 bi 15 Minuten in einer Pfanne dünsten. Tomaten und Knoblauch zum Schluss ebenfalls in die Pfanne geben. Das Fleisch in mittelgrosse Stücke schneiden und zum Schluss alle Zutaten zusammen in den Suppentopf geben. Salz, Pfeffer, Paprika, Petersilie und Lorbeerblätter ebenfalls dazugeben und 15 Minuten köcheln lassen. Jetzt kommt der Deckel auf die Pfanne, das Kochfeld wird ausgeschaltet und das Ganze sollte jetzt zugedeckt etwas ziehen (ruhen). Die Suppe wird mit Sauerrahm und dunklem Brot serviert und schmeckt am nächsten Tag sogar noch besser!

Mehr aus ihrer Kulinarik-Welt finden Sie auch auf ihrer Website cookinesi.com. Alle Koch-Blogs «Sale, pepe e pomodoro» gibts im SI-online-Dossier.