Saturday Night Fever

Saturday Night Fever

Trends und Tücken im Nachtleben - scharf beobachtet von DJ TapTap.

Berlin Calling

Eigentlich freute sich unsere Bloggerin Zoe Torinesi auf eine Party- und Shoppingreise nach Berlin. Doch die Geschichte holte sie ein - und alles endete anders als erwartet.

Ich wollte schon immer mal nach Berlin. Shoppen soll man da können - bis zum Abwinken. Schön essen gehen, Kultur und Geschichte erleben und Party machen vor allem - bis der Arzt kommt. Das wollte ich alles erleben und zwar dicke. Meine Freundin Jacqueline hat einen 6-jährigen Sohn, deswegen kann sie nicht einfach sagen: «So icke fa’ ma weg.»

Das muss alles von langer Hand geplant werden. Im Sommer haben wir gebucht, und dann wurden Pläne geschmiedet, von brennenden Kreditkarten im KadeWe und langen Nächten in den angesagten Clubs wie dem «Katerholzig» oder der «Panoramabar». Wir sahen uns schon inmitten der Berliner Hipster Gin Tonics schlürfen und total crazy rumdänzen. 

Es kam aber anders. Am ersten Tag schon gaben wir uns eine ordentliche Ladung Geschichte. Gänsehaut und Schocker inklusive. Als Erstes stand eine Besichtigung des früheren Stasi-Gefängnisses Hohenschönhausen an, wo uns ein ehemaliger Häftling erzählte, wie es damals lief in der DDR und mit den Spitzeln. Einfach furcht- und unvorstellbar! Ich kann mich noch sehr gut an die Unterrichtsstunden in der Oberstufe über den Zweiten Weltkrieg und den Nationalsozialismus erinnern, aber wo waren die Besatzungszeit und die DDR abgeblieben? Hatte ich 'nen Fensterplatz erwischt oder wurde dieser Teil komplett ausgelassen? Ich habe keinen Schimmer.

Spätestens nach dem Besuch des DDR-Museums waren wir psychisch etwas angeschlagen, und der Gedanke an Techno und Drinks war nicht mehr wirklich erquickend. Trotzdem: Kneifen is’ nich'! Heute, dachten wir, wird auf den Putz gehauen.

Wir zwei Landeier meinten zu wissen, dass man vor 24 Uhr in keinen Club muss, sonst kippt man die Gin Tonics alleine. Schon total geschafft fragten wir nach dem Essen im Restaurant nach dem Weg zur «Panoramabar» (es war 23 Uhr), worauf wir gewarnt wurden, man käme wegen des Andrangs vielleicht gar nicht rein und sowieso, am besten sollte man gegen 4 Uhr morgens anstehen, da wären die Chancen am besten.

Tschuldigung, aber wer bitte geht um 4 Uhr früh erst aus? Bis wann soll man denn da feiern? 2 Uhr nachmittags? Bis wir ausgeschlafen wären, müssten wir beinahe wieder an den Flughafen! After-Hour-Zeit war also keine Option, schlafen gehen auch nicht. Ich könnte hier jetzt noch ewig erzählen, wie die gefühlten 20 Stationen der nächsten Stunden ausgesehen haben, aber nur so viel: Um 3 Uhr gaben wir uns geschlagen. Die Bars hatten irgendwie alle zugemacht (obwohl überall steht, Berlin pulsiere 24 Stunden lang).

Schliesslich fanden wir uns in einer Kneipe mit Halli-Galli-DJ wieder, am Tisch neben uns quietschten Frauen, die aussahen wie die blonden Friseusen mit braun umrandeten Lippen, die normalerweise bei «Britt am Mittag» Lügendetektorentests machen. Das Publikum tanzte zu Songs wie «Coco Jambo» oder «Hier kommt Alex» - hätten wir in jedem Après-Ski auch haben können. Nightlifemässig war unser Trip ein Reinfall, der Rest war eindrücklich. Es ist einmalig, wie die Geschichte in der deutschen Hauptstadt spürbar ist. Und dass die DDR, eine für uns vollkommen fremde und unvorstellbare Welt, noch vor 25 Jahren existiert hat. Berlin, I’ll be back.

Alle «Saturday Night Fever»-Blogs von Zoe Torinesi finden Sie hier.