Saturday Night Fever

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Trends und Tücken im Nachtleben - scharf beobachtet von DJ TapTap.

Der Fall Badran: Politik vs. Nightlife

Blogger DJ Ray Douglas macht sich heute auch noch Gedanken zum Badran-Fall. Er findet, in unserer Regierung sollte es mehr Leute geben, die auf den Putz hauen können.

 Wer die vergangenen Wochen nicht in einer entlegenen Alphütte ohne Internetzugang  verbracht hat, kam nicht an dieser Story vorbei: der Rauswurf der Zürcher SP-Nationalrätin Jacqueline Badran aus dem noblen Club Aura, der tsunamiartige Wellen geschlagen hat. Das Scheinwerferlicht fiel damit auf eine Thematik, die mich immer mal wieder beschäftigt.

Natürlich, das steht wohl zweifelsohne fest, hat die Dame einen Fehler gemacht und das Rauchverbot missachtet, sowie, glaubt man den Medien, den Anweisungen des Security-Personals nicht Folge geleistet (was eigentlich immer eine schlechte Idee ist, da rede ich aus Erfahrung). Meiner Ansicht nach hätte Frau Badran auch gut daran getan, den Vorfall nicht noch medial zu transportieren, sondern ihn einfach in aller Stille mit den Clubverantwortlichen zu regeln. Und aus dem kolportierten Kommentar von Gastgeber Roger Schawinski zur Nationalrätin bei deren Verabschiedung («Hast mal wieder Ärger gemacht?») lässt sich erahnen, dass sie schon ein Heisssporn ist. 

 Dass in der Folge aber ein derartiger Shitstorm auf sie niederprasselte und gar Rücktrittsforderungen laut wurden, zeigt für mich einmal mehr, dass das Nachtleben und politische Aktivität sich hierzulande leider einfach schwerlich vereinbaren lassen.

 Viele Leute sehen nach wie vor Clubs pauschal als unseriös und halten es für ungebührlich, wenn Entscheidungsträger sich im Nightlife bewegen, was ich bedenklich finde. Mal ehrlich, wollen wir denn nicht Menschen am Ruder in unserem Land, die sich wie solche verhalten und auch mal die Sau rauslassen? Ist es für Meinungsführer ein No-Go, sich mal richtig schön die Kante zu geben? Ich meine nein. Apropos, dass Badran in der Folge sich überhaupt dazu äussern musste, ob sie getrunken habe, finde ich schon fast skandalös und so oder so irrelevant. 

 Sicherlich hat sie sich falsch verhalten, aber, Vorbildfunktion hin oder her, mir ist es doch viel lieber, Leute mit Ecken und Kanten an der Spitze unseres Landes zu wissen als farblose Schlipsträger, die zum Lachen in den Keller gehen. 

Aber sehen wir der Tatsache ins Auge: Das Gros des Volkes sieht das wahrscheinlich anders und würde wohl nie und nimmer jemandem mit einem «unseriösen» Job wie zum Beispiel mich in den Nationalrat wählen. Wobei ich die Idee gerade gar nicht so schlecht finde. Wer weiss, vielleicht würde meine Kandidatur ja dazu beitragen, dass ein Fall wie jener von Jacqueline Badran in einigen Jahren mit - Zitat Roger Schawinski - «who cares» abgetan würde.

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