Saturday Night Fever

Saturday Night Fever

Trends und Tücken im Nachtleben - scharf beobachtet von DJ TapTap.

Die Polizei, dein Freund und Helfer?

Blogger und DJ Ray Douglas kann nicht glauben, was einem Freund passiert ist. Er fordert mehr Respekt der Ordnungshüter gegenüber den Nachtschwärmern.

Kürzlich hat mir einer meiner besten Kumpels von einer recht unangenehmen Geschichte berichtet. Er und einige weitere Freunde von mir wollten an Auffahrt auf den Zürcher Hausberg, zum Uto Kulm, an die Beau-Temps-Party. Es kam eine ganze Weile keine Bahn, weshalb sie ein Taxi anhielten und mit dem Fahrer vereinbarten, dass er die Truppe so weit hoch wie möglich fuhr, für einen Pauschalbetrag von 20 Franken.  

Der Taxifahrer schien nicht allzu ortskundig und fuhr etwas im Kakao rum, sein Navi nutzte er nicht. Da die Jungs ja aber einen fixen Preis vereinbart hatten, machten sie sich nicht weiter Gedanken. Nach einer Weile hielt er irgendwo mitten im Wald und forderte die Gruppe auf auszusteigen. Mein Kumpel entgegnete, hier sei weit und breit kein Weg, und sie wüssten nicht, wo sie hier seien, er solle doch noch weiterfahren. Der Chauffeur weigerte sich - und forderte plötzlich den auf dem Taxameter angegeben Betrag von gut 50 Franken.

Das Unheil nahm seinen Lauf. Es kam zu einem Wortgefecht, und schlussendlich wurde der Taxifahrer einem der Jungs gegenüber sogar handgreiflich. Er zerriss dessen Halskette. Mein Buddy rief daraufhin die Polizei. Dass der Einsatzwagen erst nach über 45 Minuten erschien, war unangenehm, aber entschuldbar. Was in der Folge passierte, hingegen nicht: Die Beamten hörten sich kaum an, was geschehen war, und beschuldigten ohne zu Zögern meine Freunde, dass sie an dem Zoff schuld seien. Umgehend wurde ein Alkoholtest durchgeführt, der bei meinem Kumpel nicht mal 0.5 Promille angab (wobei ein solch tiefer Wert bei ihm einem Wunder nahekommt, dies am Rande und mit einem Augenzwinkern). Auch die anderen hatten wenig bis nichts intus.

Damit nicht genug. Der Chauffeur machte sich die Situation zunutze und erdreistete sich, nun nebst dem falschen Betrag für die Fahrt auch noch 70 Franken für seine Wartezeit zu verlangen. Die Beamten meinten lapidar, dass er dies schon dürfe.

Meinem Kumpel riss der Geduldsfaden. Er machte das einzig Richtige: Er forderte seinen Ausweis von der Polizei zurück, verkündete, dass sie keinen Rappen zahlen würden, wenn der Fahrer wolle, können er sie ja anzeigen, und die ganze Truppe verliess die Szenerie.

Dass Zürich ein Problem mit fehlbaren Taxichauffeuren hat, ist bekannt und muss dringend angegangen werden. Was mich aber richtig auf die Palme bringt, ist dieses Verhalten der Ordnungshüter, welches in ähnlicher Form schon viele meiner Bekannten im Ausgang erlebt haben. Dieses pauschale Verurteilen von Nachtschwärmern ist in Zürich gang und gäbe, und oft wird ziemlich grob und unangemessen vorgegangen, wie auch ein Beitrag des Schweizer Fernsehens zeigt.

Vor einer Weile führte die Zürcher Stadtpolizei eine Aktion durch, um sich «den Respekt zurückzuholen». Eine Grundhaltung, die gegenseitigen Respekt beinhaltet, ist meiner Ansicht nach eine Voraussetzung für den Umgang mit anderen Menschen, scheint doch jedoch manchem Polizisten abzugehen. Sie würde solche Aktionen unter Umständen überflüssig machen.

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