Saturday Night Fever

Saturday Night Fever

Trends und Tücken im Nachtleben - scharf beobachtet von DJ TapTap.

Absurde Verbote rund ums Nachtleben

Ramon Joss alias DJ Ray Douglas über Gesetze, die Clubbetreibern das Leben schwer machen - und über irrwitzige Beispiele aus dem Ausland.
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Was darf ein Türsteher, und was darf er nicht?

Regulierungen, Einschränkungen und Vorschriften so weit das Auge reicht - Clubbetreiber in der Schweiz müssen auf der Hut sein, um allen Vorgaben von Bund und Kanton gerecht zu werden. Viele dieser Massnahmen sind zum Schutze der Clubbesucher gedacht. Mit dem Urteil, dass der Lausanner Club «Buzz» künftig seine Gäste nicht mehr durch die hauseigenen Securities abtasten lassen darf, bewirkt das örtliche Verwaltungsgericht das Gegenteil und untergräbt die Anstrengungen des Lokals, seine Besucher zu schützen und potentiellen Störenfrieden ein Signal zu geben.

Eine Entscheidung, die Folgen haben könnte. Einige andere Absurditäten, die mir im Laufe der Jahre rund um den Ausgang begegneten, sind glücklicherweise nur lästig oder witzig.

In Basel beispielsweise musste bis vor einer Weile jeder Besucher eines Lokals, welches sich dem örtlichen Verein «Fümoar» angeschlossen hatte, einen Raucherpass erstehen, wenn er rein wollte - auch Nichtraucher. Selbst Touristen, die nur einen Tag in der Stadt verbrachten, bezahlten denselben Betrag, wie jemand, der täglich dort verkehrte.

Stockholm ist eine tolle und lebendige Stadt. Doch im hohen Norden weht ein rauer Wind, nicht nur im wahrsten Sinne des Wortes, sondern auch in Sachen Alkohol. Nach einer bestimmten Uhrzeit dürfen in den Clubs dort keine Flaschen mit Spirituosen auf den Tischen stehen. Kurz vor dieser Frist erscheinen also die Kellner und giessen einfach alles aus den Flaschen um in Gläser.

Getrunken werden darf aber noch. Schlechter geht es da Bewohnern und Besuchern des Emirats Schardscha am Golf von Oman. Hier ist Alkohol gleich komplett verboten.

Zum Ausgehen gehört aber nicht nur Trunk sondern vor allem auch Tanz - oder? Nicht so in Japan. Dort besagt ein Gesetz, dass Lokalitäten, die Tanz anbieten wollen, eine Bewilligung von den lokalen Behörden brauchen. Ausserdem müssen alle Clubs, die eine solche Lizenz besitzen, bis spätestens um 1 Uhr am Morgen ihre Tore schliessen. Das Gesetz stammt aus der Zeit nach dem zweiten Weltkrieg, die Regierung wollte damit die blühende Unterhaltungsindustrie regulieren. Heutzutage ist es einfach nur noch Unsinn. Zudem sind mit der Erteilung der Lizenz allerlei nicht umsetzbare Vorgaben verbunden, und natürlich macht es für keinen Club Sinn, nur bis 1 Uhr geöffnet zu haben.

So wurden viele Betreiber erfinderisch, um die Besucher pro forma davon abzuhalten zu tanzen und dies den Behörden glaubhaft zu machen. In Tokio war ich in einem Club, der auf dem Dancefloor lauter kleine Tische fix montiert hatte, um welche die Leute logischerweise herum tanzten. Was lustig klingt, ist eigentlich tragisch, denn seit vier Jahren führt die Polizei regelmässig Razzien durch und setzt das Tanzverbot rigoros durch. Verhaftungen von Clubmitarbeitern und sogar Schliessungen sind an der Tagesordnung.

Das wäre hierzulande glücklicherweise undenkbar. Wenn ein Verwaltungsgericht aber einem Club quasi den Schutz seiner Gäste verbietet, geht der Unsinn hier aber auch in eine gefährliche Richtung.

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