Saturday Night Fever

Saturday Night Fever

Trends und Tücken im Nachtleben - scharf beobachtet von DJ TapTap.

Ich bin ein Feminist

Die Rede von Emma Watson vor den Vereinten Nationen liess niemanden kalt. Auch Nightlife-Blogger Ramon Joss als DJ Ray Douglas hat sich Gedanken zum Thema gemacht. Auch wenn er erst eigentlich gar nicht wollte.
Saturday Night Life Blog DJ Ray Dogulas Feminismus
© ZVG

DJ Ray Douglas bekennt Farbe.

Eine DJ-Kollegin von mir hat unlängst auf Noisey davon erzählt,  wie schwer es ist, als Frau in der Clubszene ernst genommen zu werden, und dass ihr kürzlich jemand dazu gratulierte, dass sie saubere Übergänge hinkriegt. Eine andere Kollegin wurde kürzlich in einem Club angemacht. Sie ist lesbisch und war mit ihrer Freundin dort, der Charmeur, der sie angesprochen hatte, fand dann, sie sollten doch mal miteinander rummachen. Unbegreifliche Episoden wie diese und Emma Watsons Rede vor den Vereinten Nationen setzten in mir Überlegungen in Gang.

Vieles, was die Schauspielerin thematisierte, ist nicht neu. Ihr Bekanntheitsgrad und der Rahmen aber, in dem sie sagte, dass Feminismus heutzutage oft als Synonym für Männerhass wahrgenommen wird, und dass Gleichstellung nur möglich sein wird, wenn die Stereotypisierung der Geschlechter durch die Gesellschaft endet, können einen Unterschied machen.

Das klassische Bild des starken Mannes und der sanften Frau stammt aus einer Zeit, die noch gar nicht so lange vorüber ist, und in der diese Eigenschaften für das schiere Überleben oft unerlässlich waren. Die Gesellschaft hat sich innert weniger hundert Jahre derart verändert, dass dieses Bild der Vergangenheit angehören sollte. Müsste. Wir tun uns schwer damit. Ich denke aber ebenso wie Watson, dass nur die Befreiung davon Freiheit für Frauen bedeuten wird, denn sie bedeutet ebenso Freiheit für Männer.

Ich will ehrlich sein: Ich habe noch bei keinem meiner Blogbeiträge so lange mit mir gerungen, bis ich meine Gedanken zu Papier brachte. Dass man mir vorwerfen könnte, ich wolle dieses Anliegen nutzen, um mich in Szene zu setzen, aber auch der negative Beigeschmack des Begriffs Feminismus liessen mich zögern. Dieses Zögern an sich wiederum bestärkte mich dann darin, es zu tun.

Ich bin in jenen Jahren gross geworden, in denen Figuren wie Alice Schwarzer für Feminismus und Emanzipation standen. Worte wie «Mannsweiber» und «Männerhasserinnen» waren allgegenwärtig. Diese wichtige Bewegung macht vielen Männern Angst. Angst vor dem anderen Geschlecht.

Mir wurde als Kind und Jugendlicher beigebracht, Frauen zu idealisieren. Von meinem Umfeld, unabsichtlich, und, dieser Einfluss ist nicht zu unterschätzen, von Hollywood. Es brauchte Zeit und viele Erfahrungen, bis ich begriff, wie falsch dies ist.

Ich weiss, dass viele Männer immer noch dieses Bild haben, entsprechend leben - und aufgrund daraus resultierender Enttäuschungen bitter gegenüber dem anderen Geschlecht werden, wenn nicht gar ablehnend. Viele trauen sich nur noch mit irgendwelchen Sprüchen und Methoden, die sie in Aufreisser-Foren aufgeschnappt haben, an Frauen heran, und haben einen normalen Umgang verlernt.

Feminismus bedeutet, gleiche Chancen und gleiche Rechte für Frauen zu schaffen. Um dies zu erreichen, müssen wir solche Bilder ablegen, und lernen, tolerant, natürlich und entspannt miteinander umzugehen.

Für mich bedeutet, ein Feminist zu sein, nicht, keine Witze mehr darüber machen zu dürfen, dass Frauen nicht einparken können. Es bedeutet nicht, mich scheuen zu müssen, meinem sexuellen Interesse für eine Frau offen Ausdruck zu verleihen. Es bedeutet keinesfalls, mich zurückhalten zu müssen, eine weibliche Arbeitskollegin im Falle eines Fehlverhaltens auf dieselbe Weise zu kritisieren wie einen männlichen.

Es bedeutet für mich auch, von Frauen erwarten zu dürfen, dass sie sich für die Gleichstellung von Männern einsetzen. Dass sie sich dafür einsetzen, dass geschiedene Männer keine unsinnig hohen Alimente mehr bezahlen müssen, dass bei der Sorgerechtsthematik nicht mehr automatisch, wie so oft, die Mutter einen Bonus haben soll, dass sie sich hinter Männer stellen, denen in einer Beziehung Gewalt angetan wird.

Gleiche Rechte und Möglichkeiten sind möglich, wenn wir es schaffen, aufzuhören, dem anderen Geschlecht etwas darüber vorzumachen, wer wir sind, und uns trauen, zu unseren Schwächen zu stehen, wie auch zu unseren Stärken, egal, ob es sich um traditionell als weiblich oder als männlich angesehene handelt. Dann werden sie vielleicht eines Tages kein Wunschdenken mehr sein. Ich hoffe es. Denn sie sind eine Notwendigkeit.