Saturday Night Fever

Saturday Night Fever

Trends und Tücken im Nachtleben - scharf beobachtet von DJ TapTap.

Montagnächte

Mal früh, mal spät - der DJ und Blogger steht immer zu unterschiedlichen Zeiten auf. Das macht Ramon Joss nun schon mit einer gewissen Professionalität, vor allem das Programm für die Nacht auf Dienstag ist mittlerweile gut durchdacht.
Nightlife Blog Ramon Joss Montagnaechte
© Getty Images

Wenn es Nacht wird über Zürich, läuft DJ Ray Douglas zur Höchstform auf - das sieht allerdings unter der Woche anders aus als am Wochenende.

Mein Körper hat sich längst daran gewöhnt, wöchentlich seinen Rhythmus umzustellen. Während ich unter der Woche zu mehr oder weniger christlichen Zeiten zu Bett gehe, wirds freitags und samstags, manchmal schon donnerstags, schon so zwischen 4 und 7 Uhr. Montags zieht es mich deswegen meist erst gegen Mittag ins Office. Am Dienstag aber ist das Weekend definitiv zu Ende.

Montag auf Dienstag - das ist ein recht spannender Zeitraum für einen DJ, der an die 150 Gigs pro Jahr spielt und dennoch fast Vollzeit tagsüber arbeitet. Und das mit grosser Freude, das sei hier gesagt, ich liebe meinen «daytime job» fast so sehr wie mein Nachtleben. 

Meist sorge ich dafür, dass meine Termine montags nicht bis nach 19 Uhr dauern, und treffe auch selten Freunde. Es sind diese Abende, an denen ich philosophiere, hinterfrage, still geniesse, meine Gedanken sortiere. Montag ist mein Hobbykoch-Abend, mein «10vor10»-Pflichttermin, meine Zeit, um das Weekend Revue passieren zu lassen. 

Gegen Mitternacht verfliegt meist die Müdigkeit, die mich schon frühabends ergreift. Dann wirds Zeit für meine liebsten Shows, ich bin ein Serienjunkie. Manchmal ziehts mich auf die Terrasse, ich starre in die Nacht, lasse die Ruhe auf mich wirken, werde mir einmal mehr bewusst, was für ein enormes Glück ich habe, die Sache im Leben so oft tun zu können, welche ich am meisten liebe (und ich spreche hier nicht vom Austausch von Körperflüssigkeiten). 

Ein Glas Vodka, vom zimtigen, den es nur im Duty Free gibt. Das gute Gefühl zu wissen, dass ich mich je länger je mehr von allerlei gesellschaftlich alteingesessenen Vorstellungen und Konventionen entferne, mein Leben so lebe, wie ich es für richtig halte, und nicht andere, und dennoch verantwortungsbewusst durchs Leben wandle.  Zu einem gewissen Grad.

1.30 Uhr. Noch eine Folge «Family Guy» oder so, dann schlafen. Oder auch nicht. Die angenehme Hintergrundbeschallung vom nächtlichen Strassenverkehr. Lautes Lachen, ganz alleine, beim Gedanken an Episoden mit Freunden vom vergangenen Weekend, an all den Blödsinn, der uns so gut tut. Vielleicht einen Chivas Regal, das Knacken der Eiswürfel, wenn man ihn darüber giesst – eins meiner liebsten Geräusche.

2.30 Uhr. Ein paar Lieblingssongs hören. Neue, alte, 60er-Kultsongs, Deep House, 80er-Schinken. Noch eine Folge. Fenster schliessen (Scheissmücken). Mit dem wohligen Bewusstsein einschlafen, dass je länger je mehr alles genau so ist, wie es sein soll. Und dann trotz wenig Schlaf am Dienstag um halb zehn im Büro sein, denn auch das stimmt einfach. Vielleicht auch um zehn.

Weitere «Saturday Night Fever»-Blogs finden Sie im SI-online-Dossier.