Saturday Night Fever

Saturday Night Fever

Trends und Tücken im Nachtleben - scharf beobachtet von DJ TapTap.

Goodbye Indochine: Ein tränenreicher Abschied

DJ Ray Douglas musste sich am Wochenende ein Tränchen verdrücken. Ausgerechnet seine alte Wirkungsstätte, das Zürcher «Indochine», musste seine Tore schliessen. Dabei hat der Blogger hier die vergangenen elf Jahre so viel Prägendes erlebt.
Club Indochine Zürich Closing Night
© Usgang.ch

Das Zürcher Nachtleben ist oberflächlich? Da weiss DJ Ray Douglas vom Club «Indochine» ganz anderes zu berichten...

Das Nachtleben gilt allgemein als schnelllebig, manchmal auch als oberflächlich. Es ist ein hartes Business geworden, in dem sich nur die Besten lange halten können. Da ist es schon eine Leistung, wenn ein Club fast 13 Jahre alt wird. So wie das «Indochine», das vergangenen Samstag in Zürich zum letzten Mal seine Türen öffnete. Der Club wurde verkauft, Gerüchten zufolge soll im oberen Stock ein Restaurant und unten ein privater Memberclub entstehen. Der letzte Tanz war eine sehr emotionale Geschichte - für mich, aber auch für viele Gäste.

Vor über elf Jahren durfte ich zusammen mit meinem «Lehrmeister» DJ Alex Austin, als kurzfristiger Ersatz für einen internationalen DJ, der seinen Flug verpasst hatte, erstmals dort auflegen. Ein gutes Jahr später erhielt ich die Chance, mich regelmässig zu beweisen. Und von Herbst 2004 bis 2010 war ich im «Indochine» als Resident DJ bis zu sechs Mal pro Monat an den Decks.

Während dieser Zeit lernte ich von den technisch besten DJs aus aller Welt, wie Scene aus Las Vegas, dem legendären Cut Killer, DJ Mouss und unzähligen weiteren. Ich sah David Guettas Girls vom «Pink Paradise» in Paris ebenso unbekleidet wie Fatman Scoop performen, durfte an Afterpartys von Jay-Z, Beyonce und Kanye West auflegen, spielte mit einem ganz jungen Avicii und einem jung gebliebenen Armand Van Helden. 

Während dieser Zeit lernte ich auch einige meiner noch heute besten Freunde kennen, traf viele spannende Menschen aus aller Welt. Bekannte, die heute noch regelmässig vorbeikommen, wenn ich irgendwo auflege. Lernte so manche - unterdessen - Verflossene dort kennen. Hatte unzählige, unvergessliche Abende. Doch der unvergesslichste aller sollte der letzte Abend des Clubs werden.

Schon im Vorfeld kündigten sich zahllose ehemalige Weggefährten und noch heute gute Freunde an, die das Indochine ebenso während Jahren ihr Wohnzimmer nannten. Viele feierten hier mehrmals pro Woche und viele gingen, so wie auch ich, irgendwann andere Wege. Doch behielten sie den Club, der ihre Jugend und die jungen Erwachsenenjahre so geprägt hatte, stets in guter Erinnerung. 

So fanden sich tatsächlich hunderte Gäste aus vergangenen Zeiten noch einmal zusammen, um die alten Zeiten zu zelebrieren. Das taten wir standesgemäss feuchtfröhlich und ausschliesslich mit Clubtunes aus den Jahren, in denen ich dort aufgelegt habe. Worte für diese Nacht zu finden, ist schwer. Eine Nacht, die buchstäblich wie im Fluge verging, in der sich alte Bekannte in den Armen lagen und man in Erinnerungen schwelgte. Es wurde getanzt, als gäbe es kein Morgen und am Ende musste nicht nur ich die eine oder andere Träne vergiessen. Um diesen Abend zu beschreiben, bräuchte man Superlative. Aber selbst die würden nicht ausreichen. Und wir alle waren uns einig: Diesen Abend und diesen Club würden wir nie vergessen! Da soll noch einmal jemand sagen, das Nachtleben sei schnelllebig oder sogar oberflächlich. Goodbye, Indochine!

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