Saturday Night Fever

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Trends und Tücken im Nachtleben - scharf beobachtet von DJ TapTap.

Facebook zeigt, wo die Massen hinpilgern

Nightlife-Blogger Ramon Joss alias DJ Ray Douglas ist aufgefallen, dass immer mehr Facebook-Veranstaltungen plötzlich Abertausende Anmeldungen bekommen. Er fragt sich, was es mit dem Phänomen auf sich hat und wer die Menschen sind, die diese Partys besuchen.
Nightlife-Blog DJ Ray Douglas Ramon Joss Facebook-Veranstaltungen
© via Facebook

Veranstaltungen wie «Tanz dich glücklich» erfreuen sich auf Facebook grosser Beliebtheit.

Das grösste soziale Netzwerk ändert oft und gerne seine Datenschutzbestimmungen und Funktionen. Kürzlich traf es ein Detail betreffend Facebook-Veranstaltungen. Diejenigen, die viele Teilnehmer im Verhältnis zu den eingeladenen Personen haben, werden im Feed häufiger angezeigt. Eine harmlose Anpassung, aber nicht ohne Folgen. Denn plötzlich haben gewisse Anlässe Abertausende von Gästen zu erwarten.

So nehmen laut Facebook zum Beispiel an einem Zürcher Klassiker plötzlich tausend Menschen teil - an der Sanapa, an der am späten Samstagnachmittag im, vor allem aber rund ums Valmann mehr oder weniger sinnfrei herumgestanden (oder anders gesagt, sehen und gesehen werden zelebriert) wird. Einige hundert waren es ja schon immer, aber über tausend finden im Hinterhof an der Talstrasse dann wohl doch nicht Platz.

Aber auch abwegige Geschichten wie «Zürichs XXL Pool-Party», die feuchtfröhliches Feiern für über 4000 Leute verspricht, oder das «Beach Food Fest - Open Air - Zürich», von dem niemand weiss, wer dahintersteht und wo diese Leute einen Austragungsort für derlei Spässe aus dem Boden stampfen wollen, werden so innert kurzer Zeit berühmt.

Sogar der «NZZ» war ein Anlass namens «Tanz dich glücklich» einen Artikel wert, über den nicht mehr bekannt ist, als dass er während zwölf Stunden in einem Zürcher Wald abgehalten werden soll. Ob die Organisatoren eigentlich einen Anlass mit weniger als 400 Teilnehmern planten - denn nur bis zu dieser Anzahl Gäste ist es gemäss «NZZ»-Meldung überhaupt möglich, eine entsprechende Bewilligung einzuholen -, ist nicht bekannt. Auch weiss ich nicht, ob die Veranstalter angesichts der fast 10'000 Teilnehmer nicht lieber darauf verzichten wollen den Facebook-Event abzuhalten.

Wer sind denn all diese Leute, die Feuer und Flamme für solche Menschenansammlungen sind? Ich habe mir die Zeit genommen, mal wieder eine meiner kompetenten und profunden Analysen durchzuführen und (wie immer bierernst gemeinte) Profile dieser Facebook-Nutzer erstellt:

Der Szeni
Gehört stets zu den Ersten, die sich anmelden. Nimmt an vielen Events dieser Art teil, meldet sich aber im Laufe der Zeit wieder ab, wenn ein Anlass zu viele Teilnehmer aufweist und taucht so oder so selten vor Ort auf. Der Szeni würde von Fachleuten in vielen Fällen als «abhängig von Social Media» eingestuft werden.

Der Skeptiker
Trägt sich ebenfalls früh für solche Anlässe ein, nimmt aber meist nur «vielleicht» teil. Der Beweggrund ist meist, um zu verfolgen, wie sich die Veranstaltungen entwickeln und ob sie überhaupt stattfinden. Der Skeptiker ist häufig in der Medienbranche zu Hause.

Der Normalo
Findet viele dieser Partys tatsächlich spannend und schreibt gerne Kommentare wie «Freue mich», «Wo kann man Tickets kaufen» oder «Hey Jasmin Keller, gömmer au?» auf die Pinnwand.

Das Herdentier
Sieht, dass sich seine coolen Facebook-Freunde für die Party eintragen und klickt sofort auf den «Teilnehmen»-Button. Hat aber oft keine Absicht, hinzugehen. Diese Spezies ist weit verbreitet und verantwortlich dafür, dass solche Events überhaupt viral gehen.

Der Spätzünder
Besucht Facebook nur sporadisch. Nimmt teil, nachdem ein Eintrag bereits massive Teilnehmerzahlen aufweist - primär, da er nur auf diese Art und Weise auf die Anlässe aufmerksam wird. Der Spätzünder ist bekannt dafür, auch ein Leben ausserhalb des Netzes zu haben.

Ich hoffe, dass Facebook diese Art der Verbreitung von Veranstaltungen nicht zeitnah aus Geldgier bremst. Sie fängt nämlich gerade erst an, Spass zu machen.

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