Saturday Night Fever

Saturday Night Fever

Trends und Tücken im Nachtleben - scharf beobachtet von DJ TapTap.

Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen

Entweder oder, schwarz oder weiss: DJ Ray Douglas sinniert darüber, wie einseitig die Dinge oft betrachtet werden. Und wie schnell schubladisiert wird.
Nightlife Blog, Ramon Joss über Schwarz-Weiss-Denken
© Getty Images

Körperkult statt Ausgang: Blogger DJ Ray Douglas stellt fest, dass es vielen schwer fällt, die Welt nicht in schwarz-weiss zu sehen.

«Ich gehe nicht mehr in den Ausgang, wegen meinem Fitnesstraining.» Diese Aussage hörte ich kürzlich gleich von zwei Bekannten, die aus ganz unterschiedlichen Kreisen stammen. Das machte mich nachdenklich. Nicht wegen der Motivation der beiden Ladys: Sei es, dass sie den Fokus auf ihre Gesundheit legen, was der richtige Antrieb wäre, oder sei es, dass sie einfach dem momentan grassierenden Körperkult erliegen und möglichst bald Selfies von ihrem Bauch posten können möchten. Selbst wenn: Der Zweck heiligt hier durchaus den Gedanken, oder so.

Nein, was mich beschäftigt, ist das Pauschale an der Aussage, das konsequent Einseitige. Dabei geht es im Grunde wohl gar nicht ums Nachtschwärmen. Ich stelle immer wieder fest, dass es den meisten Menschen generell schwer zu fallen scheint, nicht permanent zu schubladisieren, sei es in ihrem eigenen Leben oder bezüglich anderen.

Ein Mann beginnt einen neuen Job, verschreibt sich diesem komplett, arbeitet 55 Stunden die Woche - und merkt nach ein paar Jahren, dass die Tätigkeit doch nicht so lohnend war, und meckert bis zum Tage seines Abschieds nur noch darüber. Eine Frau verliebt sich, verbringt Tag und Nacht mit dem Angebeteten, vernachlässigt ihren Freundeskreis, ihre sozialen Kontakte - und eine Weile später haben sich die Gefühle verflüchtigt, und sie steht alleine da. (Es könnte übrigens meiner Meinung nach genau so gut umgekehrt sein, keine Sorge, liebe Feministinnen.)

Auch Meinungsführer sind vor diesem Mechanismus nicht gefeit. Wie oft kommt es vor, dass ein Politiker zu einer Sache klar Position bezieht, die nicht jener seiner Partei entspricht? Praktisch nie. Wie viele Topmanager sehen nicht mehr nur Wachstum in ihrem Betrieb als Hauptziel, sondern ziehen in Betracht, dass das vielleicht langfristig nicht unbedingt gesund sein könnte? Wenige.

Was treibt uns dazu, Menschen allein aufgrund ihrer Hautfarbe oder Herkunft gewisse Charakterzüge zuzuschreiben oder Ihr Verhalten zu prognostizieren? Warum lassen wir uns so einfach von den Medien beeinflussen und tendieren dazu, einfach mal zu fressen, was sie uns servieren? Warum muss möglichst alles immer ja oder nein, richtig oder falsch, schwarz oder weiss sein?

Vielleicht weil es einfacher ist. Aber viel öfter liegt die Wahrheit irgendwo dazwischen. Wenn der Schöpfer gewollt hätte, dass wir die Welt in schwarz-weiss sehen, hätte er sie nicht farbig gemacht.

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