Saturday Night Fever

Saturday Night Fever

Trends und Tücken im Nachtleben - scharf beobachtet von DJ TapTap.

Es muss nicht immer Clubbing sein

Nightlife-Expertin Virginia Gomez alias DJ TapTap hat für einmal die Clubs links liegen lassen und sich zwei interessanten Outdoor-Events gewidmet. Sie war am «Live at Sunset» in Zürich. Und sie sah «My Fair Lady» in Walenstadt.

Weil der Sommer dieses Jahr unberechenbar ist, machen die warmen Tage umso mehr Lust, unter freiem Himmel zu sein. Die Auswahl an Aktivitäten ist so gross wie sonst nie im Jahr und verführt sogar eingefleischte Clubgänger dazu, ein alternatives Programm auszuprobieren. Auch ich habe mich letzte Woche ein neues Terrain begeben und gleich zwei spannende Events erlebt.

  • «Live at Sunset»

Zum 19. Mal fand dieses Zürcher Festival statt. Mit rund 20'000 Besuchern gehört es zwar nicht zu den grössten, dafür aber mit Sicherheit zu den exklusivsten der Schweiz. Hier gibt es kein stundenlanges Anstehen, sondern eine herzliche Begrüssung, danach optional ein exklusives Nachtessen in gediegener Atmosphäre im Dolder und pünktlich zum Sonnenuntergang begibt man sich auf seine Sitzplätze, um aus nächster Nähe dem jeweiligen Act des Abend zu lauschen. Alles ganz entspannt. Zumindest für die Gäste. An dem Abend von James Arthur durfte ich einen Blick hinter die Kulissen werfen und sah eine etwas andere Seite.

Ambiente: «Live at Sunset» wurde seinem Namen absolut gerecht, denn pünktlich zum Sonnenuntergang startete das Konzert und das war, bei strahlend schönem Wetter, ein ganz spezielles Erlebnis. Auf der Bühne stand James Arthur mit seiner rauchigen Stimme und rundherum gabs ein sanft wechselndes Himmelsbild, das langsam die Nacht ankündigte.

Licht und Ton: Das A und O eines Konzertes nimmt der Zuschauer normalerweise nur unbewusst wahr. Vor allem, wenn es keine Pannen gibt. Ohne Licht- und Ton-Technik jedoch würde kein einziges Openair auf der ganzen Welt funktionieren. Beim «Live at Sunset» war es die Firma «AudioRent Clair», die mir einen Blick hinter die Kulissen gewährte. So erfuhr ich Dinge wie: Jeden Tag kommt am Morgen das Equipment der jeweiligen Bands an, das umgehend installiert werden muss. Sprich: Die «Live At Sunset»-Crew arbeitet rund um die Uhr, damit der Künstler einen entspannten Soundcheck absolvieren und dann ohne jeglichen Stress sein Konzert präsentieren kann. Das «AudioRent Clair»-Team ist aber auch während des Konzerts präsent, denn am Abend muss natürlich das Licht bedient und die Musik abgemischt werden. Das allgemein lobende Feedback des Abends - «Wow, James Arthur klingt tatsächlich wie auf seinen CDs» - gebührt ihm also nicht ganz allein!

Backstage: Einen weiteren Grund, warum die Musiker jeweils begeistert von diesem Festival sind, habe ich auch noch herausgefunden: Das Artist-Catering wird direkt vom Grand Hotel Dolder geliefert und ist sehr exklusiv. Wenn die Künstler eigene Köche mit auf Tour haben, stehen die zusammen mit dem Dolder-Team hinter dem Herd. Der ein oder andere Tourkoch bekommt am «Live at Sunset» auch mal den Abend frei, denn der gute Ruf des Essens hat sich inzwischen herumgesprochen. Noch ein Geheimtipp: Es ist de facto so, dass sich viele Artisten vor dem Auftritt jeweils eine Abkühlung im öffentlichen Dolder-Wellenbad genehmigen…

Auftritt: James Arthur überzeugte mit seiner natürlichen Art, seiner einmaligen Stimme und vielen symphatischen Interaktionen mit dem Publikum. Selten durfte ich einen Musiker erleben, der schlicht mit seinem Talent das Publikum wortwörtlich von den Sitzen riss. Zudem war ich tief beeindruckt, dass er spontan sein Konzept umgestellt und - dem Publikum entsprechend - mehr auf unplugged Versionen seiner Lieder setzte.

Stimmung: Das Publikum an diesem Abend war bunt gemischt und durchaus musikinteressiert. Jedoch gab es eher wenige «Hardcore»-James-Arthur-Fans. Mit seiner tollen Art und seiner musikalischen Leistung zog er die Masse allerdings schnell auf seine Seite und kreierte eine ganz tolle Stimmung. Am Anfang des Konzerts meinte er noch, dass es für ihn sehr ungewöhnlich sei, dass das ganze Publikum sitze - am Ende schaffte er dann tatsächlich, auch noch den Letzten vom Stuhl zu reissen. Ein absolut gelungener Abend! Und dieses Festival wird bestimmt auch im Sommer 2015 wieder auf meinem Radar sein.
 

  • My Fair Lady

Normalerweise bin ich etwas kritisch, wenn es um Musicals in deutschen Versionen geht. «My Fair Lady» ist eine ganz tolle, humorvolle Geschichte und die Walensee-Openair-Bühne gehört seit 2005 zu den unumstritten schönsten Musical-Kulissen überhaupt. Also wagte ich den Versuch. Immerhin ist nur schon die Reise ins malerische Walenstadt ist für ein City-Girl eine attraktive Abwechslung.

Die Bühne: In den vergangenen neun Jahren hat sich die Walenseebühne einen Namen gemacht. Nach Musical-Versionen von nationalen Geschichten wie «Heidi», «Die schwarzen Brüder» und «Tell» entscheiden sich die Macher, dieses Jahr eine Neuinszenierung des Klassikers «My Fair Lady» zu präsentieren und sich auf internationales Terrain zu begeben. Das Ganze findet auf einer Drehbühne vor spektakulärer Naturkulisse statt. Bei schönem Wetter ein Traum, bei ganz schlechter Witterung werden die Aufführungen verschoben.

Die Geschichte: London im Jahre 1912. Die Oberschicht lebt isoliert von der Arbeiterklasse. Der weltweit angesehene Sprachprofessor Higgins wettet mit seinem Fachkollegen Oberst Pickering, dass er ein beliebiges Blumenmädchen zur feinen Dame umpolen kann. Hier kommt Eliza Doolittle ins Spiel: Sie ist besonders schrill und ihre Sprache machmal gar ordinär. Wenn dann auch noch ihr trinkfreudiger Vater auftaucht, wird das Chaos perfekt. Meistens humorvoll, manchmal aber auch kritisch, ist diese Geschichte im Jahr 2014 wieder topaktuell. Das Musical, 1956 in New York uraufgeführt, bleibt auch in der deutschen Neufassung ein Meisterwerk.

Schauspieler & Musiker: Vor allem die Hauptdarsteller Eveline Suter und Alexander Franzen waren phänomenal, aber auch das restliche Ensemble war ausgezeichnet und gesanglich überzeugend. Ebenfalls leistete das Live-Orchester bravouröse Arbeit. So entstand eine Magie, die nur live aufkommen kann. Nebenbei verliebte ich mich in die Kostüme, die auch ein Highlight der Aufführung waren.

Stimmung: Es war eine Bilderbuch-Premiere! Die Gäste, mehrheitlich in Schale geworfen, kamen gutgelaunt. Das Wetter war toll und alles lief wie am Schnürchen. Man konnte spüren, wie das Publikum in der Geschichte versank - und bei einigen spannenden Szenen hätte man sprichwörtlich Stecknadel zu Boden fallen hören können. Am Ende gab es die verdiente Standing Ovation und der Applaus wollte kein Ende mehr nehmen. Mein Tipp: Das Musical ist noch bis zum 23. August zu sehen und ist auf jeden Fall einen Besuch wert.

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