Saturday Night Fever

Saturday Night Fever

Trends und Tücken im Nachtleben - scharf beobachtet von DJ TapTap.

Securitys

Wann müssen Türsteher durchgreifen? Wann sollten sie sich besser zurückhalten? Nightlife-Bloggerin Virginia Gomez, auch bekannt als DJ Tap Tap, versucht die Fragen zu beantworten.
Nightlife-Blog: Virginia Gomez über Türsteher in Clubs
© Getty Images

Freundliche Türsteher sind das A und O in einem Club.

Ach, mein Verhältnis zu ihnen ist gespalten... In den letzten Wochen hatte ich einige Diskussionen rund um und mit Securitys. Die Medaille hat definitiv zwei Seiten. Jeder Partyabend beginnt und endet mit dem Kontakt zur «Nightlife-Polizei», und somit spielen sie unumstritten eine wichtige Rolle. Wenn man schon beim Eingang unfreundlich behandelt wird, beginnt man den Abend natürlich mit einem negativen Gefühl. Kommt man erst gar nicht rein, ist das ärgerlich - und der Abend vielleicht sogar ruiniert. Wird man jedoch mit ein paar freundlichen Worten angesprochen und einem Lächeln hereingebeten, beginnt die Nacht mit einer grossen Portion Vorfreude.

Fakt ist, dass es früher noch viel schwieriger war, in angesagte Clubs überhaupt erst reinzukommen. Im legendären «Studio 54» zum Beispiel hatte man als Outsider praktisch keine Chance, jemals das Innere des Clubs zu Gesicht zu bekommen. Stundenlange Wartezeiten waren ganz normal. Stammgäste und gute Kunden hingegen wurden, ohne in der Schlange warten zu müssen, direkt nach vorne gewunken, damit sie eintreten konnten.

Im Endeffekt ist der Security ein Angestellter des Clubs, wie auch die Barleute oder die DJs, und er muss sich ebenfalls an die vorgegeben Richtlinien halten. In Genf gibt es zum Beispiel einen Club, in dem Frauen ohne High Heels keinen Einlass gewährt wird. Finde ich persönlich absoluter Quatsch, aber dann muss ich halt diesen Ort meiden, wenn ich Lust auf einen Tanzmarathon habe. Die halbe Nacht den Türsteher zu beschimpfen macht nicht viel Sinn.

Prinzipiell habe ich viel Respekt vor der Arbeit, die Türsteher verrichten. Denn gerade als DJ bin ich ihnen zu Dank verpflichtet, wenn sie mir aufdringliche, übermässig alkoholisierte Partygäste vom Leib halten und auch sonst für Sicherheit und Ruhe sorgen. Wo der Alkohol in grossen Mengen fliesst, erhitzen sich die Gemüter halt auch schneller. Respekt ist hier das grosse Schlüsselwort. Als Gast muss ich mir bewusst sein, dass jeder Club seine eigenen Regeln hat, ich mich anpassen und anständig verhalten muss. Die Türsteher aber müssen ihrerseits den Job richtig ausführen und den Gast auch als solchen behandeln. Machtspiele und sinnloses warten lassen verärgert den Kunden verständlicherweise, schliesslich gibt er Geld aus und erwartet auch etwas dafür. Erklärt der Security jedoch in einem freundlichen Ton, dass es einfach schon zu viele Leute hat und es leider 30 Minuten dauern kann, ist der Gast informiert und kann seine Entscheidung selber treffen. Es gibt keinen Grund, einen Streit anzufangen!

Passiert jedoch ein unrechtmässiger Vorfall, würde ich raten, erst einmal cool zu bleiben - schliesslich ist der Ausgang da, um Spass zu haben! Eine Nacht darüber schlafen - und dann die Zeit aufbringen, um sachlich den Club zu informieren. Nur so können Veränderungen stattfinden.

In meinen bald zehn Jahren als DJ gab es logischerweise auch Erlebnisse, die mich lehrten, dass es auch unter den Türstehern schwarze Schafe gibt. Ganz legendär war eine bestimmte Nacht vor einigen Jahren: Alle Tische waren ausverkauft, es war zu erwarten, dass der Club aus allen Nähten platzen wird. Als ich um 1 Uhr mein Set beginnen wollte, standen gerade mal zehn Nasen auf der Tanzfläche rum. Kein Tisch besetzt. Keiner meiner Freunde war auszumachen. Gähnende Leere. Wir waren alle ratlos und konnten es nicht glauben. Was war passiert? Der Türsteher - selber nicht ganz nüchtern - hatte einen persönlichen Streit mit einem Gast gehabt und daraufhin beschlossen, keinem Menschen mehr Eintritt zu gewähren - so hat er alle Gäste verscheucht!

Klar, verlor er seinen Job. Aber besagter Partyabend war dann nur noch bedingt zu retten. Heute können wir über diesen Vorfall schmunzeln, aber er hat mir gezeigt, dass es leider wirklich auch ungeeignete Leute im Türsteher-Job gibt.

Offensichtlich, egal aus welcher Perspektive betrachtet, gilt auch im Clubbusiness: «C'est le ton qui fait la musique» - davon sollten sich alle Parteien eine Scheibe abschneiden.

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