Saturday Night Fever

Saturday Night Fever

Trends und Tücken im Nachtleben - scharf beobachtet von DJ TapTap.

Zehn Jahre - und alles ist anders

Mit Flyer zugepappte Autos, verbotene Red-Bull-Dosen und Mixtapes: Zum ihrem 10-Jahr-Jubiläum als DJ erinnert sich Virginia Gomez alias TapTap an die guten alten Zeiten zurück.
Blog Saturday Night Fever Themenbild Mixtapes
© iStockphoto

Es ist noch gar nicht so lange her, da hatte fast jeder DJ eigene Mixtapes dabei...

Vor Kurzem feierte ich mein 10-Jahr-Jubiläum als DJ! Die Zeit verging wie im Flug. Und trotzdem: Rückblickend ist sehr viel passiert, und es hat sich so einiges verändert. Erinnert Ihr Euch noch?

1. Werbung
Fast unvorstellbar - aber es gab eine Zeit vor Facebook & Co.! Früher bekam man massenweise Flyer in die Hand gedrückt. Parkierte man das Auto in der Umgebung eines Clubs, war es anschliessend voll von Partyeinladungen. Man schaute tatsächlich in der Zeitung nach Inseraten, wenn man nicht wusste, wohin man ausgehen soll. Das wichtigste war aber war die Mund-zu-Mund Propaganda. Als Tilllate, das Nightlife-Portal, ins Leben gerufen wurde und man plötzlich Partyfotos von überall anschauen konnten, war das eine Revolution!

2. Plattenläden
Vor zehn Jahren war der wöchentliche Gang zum Plattenladen ein fester Bestandteil des DJ-Alltags. Man hörte sich die neue Musik genau an, kaufte dann ein paar ausgesuchte Vinyls und konnte es kaum abwarten, bis man sie am Wochenende im Club spielen konnte. Zudem traf man ständig andere DJs im Plattenladen an. Es wurde getratscht, intensiv über neue Künstler oder Werke diskutiert und ab und zu auch gleich ein wenig trainiert. Nur wer sich in der Szene engagierte, bekam die raren Stücke zugeschoben und wurde mit lautem Hallo begrüsst. Was für lustige Zeiten. Das vermisse ich tatsächlich!

3. Red Bull
Ganz ganz schwach erinnere ich mich noch an die Zeiten, in denen sich Red Bull als neues In-Getränk mauserte - in der Schweiz vor allem dank angesagten Sportlern und später durch die Clubszene. Ganz anders war das aber in Frankreich: Bei meinem ersten Auftritt bestellte ich eine kleine blaue Dose - aber niemand wusste, was es war, und alle schüttelten nur den Kopf. Red Bull war verboten - und das bis zum Sommer 2008. Mein DJ-Mentor ist aus Paris, und ich verbrachte früher viel Zeit dort, um zu trainieren. Einen Abend werde ich nie vergessen: Als wir uns bei einem zwielichtigen Typen in Paris vier Dosen, zu horrenden Preisen, besorgt haben. Heute absolut nicht mehr vorstellbar.

4. Mixtapes
Früher hatte fast jeder DJ eigene Mixtapes dabei, die wir verkauft haben und jeden Abend so die Gage noch etwas aufpeppen konnten. Die Leute kamen tewilweise extra in den Club, um den neuen Mix zu holen. Vor zehn Jahren gab es noch kein Streaming, und vor allem in den Autos war es ganz normal, sich CDs anzuhören. An die neue Musik kamen Clungänger auch nicht so einfach ran, deswegen waren die CDs der DJs unglaublich beliebt. Heutzutage ist das Internet überschwemmt mit schlechten Mixes, und sehr viele DJs von früher wollen den Aufwand nicht mehr auf sich nehmen, denn es wird nicht mehr so geschätzt und finanziell lohnt es sich schon gar nicht mehr. Letzte Woche fand ich eine Kiste mit Mixtapes von früher und habe mir einige angehört. Es sind tolle Erinnerungen. Und eine CD ist halt nach wie vor langlebiger als ein MP3. Auch wenn die PS4 das CD-Format nicht mal mehr erkennt...

5. Rauchverbot
Seit Mai 2010 ist das Rauchen in geschlossenen öffentlichen Räumen verboten, somit auch in den Clubs. Es erscheint mir, als wäre es gerade erst gestern gewesen. Wenn ich heute in Ländern wie zum Beispiel Dubai arbeite, wo es nach wie vor erlaubt ist, kommt mir das unterdessen seltsam vor.

6. Skillz & Frauen
Vor zehn Jahren war ich als Frau eine Exotin als DJ. Jeden Abend musste ich mich beweisen, und viele Clubbesucher waren mir gegenüber skeptisch. Heute ist eine Frau am Mixer nicht mehr speziell. Allerdings werden DJs auch nicht mehr primär wegen ihres Könnens gebucht. Früher war das Niveau der Plattenleger viel ausgeglichener, man fand selten einen schlechten DJ im Club. Heute gibt es leider unzählige davon. Im Gegenzug dazu finden sich dafür aber auch viel mehr richtig gute und innovative junge Leute. Der Unterschied zwischen den einzelnen Künstlern ist gravierend.

7. Tanzverbot
Zur Zeit meiner Anfänge gab es noch einige Kantone in der Schweiz, die regelmässige Tanzverbote an Feiertagen hatten. Ich erinnere mich noch gut, als 2009 das Tanzverbot in Luzern gelockert wurde. Das war ein Fest! Aber auch im fernen Osten gibt es Grund zur Freude: In Japan fanden sich bis anhin nur ein paar Läden mit einer Tanzlizenz, und auch dort durften die Gäste nur bis Mitternacht die Hüften schwingen. Ansonsten drohte ihnen ein Rausschmiss oder gar eine Busse. Vor Kurzem wurde die Frist immerhin bis um ein Uhr verlängert, und es sieht gut aus, dass dieses doch etwas veraltete Gesetz überarbeitet und schliesslich ganz aufgehoben werden könnte. Spätestens bis zu den Sommerspielen 2020, wenn noch mehr Touristen aus der ganzen Welt nach Japan pilgern werden.

Bis dahin wird sich sicher noch einiges ändern, was wir uns zur Zeit noch nicht ausmalen können. Spannend bleibt es definitiv.

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