Saturday Night Fever

Saturday Night Fever

Trends und Tücken im Nachtleben - scharf beobachtet von DJ TapTap.

Schweizer im Ausland

Es gibt - besonders in der DJ-Szene - viele Schweizer, die im Ausland sehr erfolgreich sind. Doch hierzulande kennt man sie gar nicht so gut. Woran das liegt? Virginia Gomez, besser bekannt als DJ Tap Tap, geht der Frage auf den Grund.
Teures Auto, schicke Klamotten: DJ Antoine mag es extravagant.
© ZVG

DJ Antoine wird im Ausland viel mehr gefeiert, als in der Schweiz.

Letzte Woche stiess ich auf eine interessante Aussage von DJ Antoine: Leute, die erfolgreich seien - namentlich im Ausland, so wie er - würden hier mit Missachtung bestraft.

Wahrheit oder Übersensibilität? Aus eigener Erfahrung kann ich seine Aussage tatsächlich bestätigen. Es gibt Monate, in denen ich vier Auftritte pro Woche habe, jedoch keinen davon in der Schweiz. Und prompt schon fragen mich Leute, ob ich denn noch als DJ tätig sei, weil sie gar nichts mehr von mir gehört oder gesehen hätten.

Ein anderes Beispiel (nur eines von vielen) ist DJ EDX! Er scheint ganz zufrieden zu sein, obwohl er theoretisch mehr Grund hätte, sich zu beklagen. Dieser DJ gehört nicht nur in Amerika zu den ganz Grossen und spielt in den exklusivsten Clubs auf der ganzen Welt. Seine Produktionen werden von unzähligen DJ-Kollegen weltweit bewundert und selber aufgelegt. Von San Salvador über Chicago bis wahrscheinlich hin zum Nordpol... Nicht ganz so kommerziell wie Antoine, aber in seiner Szene genau so gefeiert. Trotzdem ist sein Name den nicht so Club-affinen Schweizern weitgehend kein Begriff. Allerdings ist dies auch in anderen Sparten des Showbusiness der Fall, wie auch bei weniger populären Sportarten. (Oder weiss jemand wie die aktuellen Schweizermeister der Breakdance-Crews heisst? Oder vielleicht aus welchem Kanton die meist gekürte Baseball-Mannschaft stammt?)

Fakt ist, dass in den meisten anderen Ländern die Fankultur viel grösser ist als hier bei uns in der Schweiz. So gibt es Künstler, die dadurch genug «entschädigt» werden oder es sogar geniessen, dass sie zu Hause unerkannt durch die Strassen flanieren können.

Natürlich ist es ein bisschen bitter, wenn man in der Schweiz weniger Anerkennung erhält, als die ausländischen Star DJs, um die ja regelmässig ein riesiger Rummel veranstaltet wird. Aber schliesslich macht man ja internationale Musik, mit englischsprachigen Sängern - inklusive Hollywood-Lifestyle, um einen möglichst weiten Radius zu erreichen. Eigentlich das, wovon heimlich alle Nachwuchstalente träumen. Sonst könnte sich Antoine aber immer noch mit Bligg zusammenschliessen, zukünftig Schweizerdeutsche Texte verwenden und vielleicht ein paar Alphorn-Lektionen besuchen.

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