Saturday Night Fever

Saturday Night Fever

Trends und Tücken im Nachtleben - scharf beobachtet von DJ TapTap.

Old School, New School, True School…

Was für die einen total angesagt ist, ist für die anderen voll out. Oder umgekehrt: Was für die einen bereits ein Klassiker ist, ist für die anderen neumodischer Quatsch. Wohl in keinem anderen Gebiet driften die Generationen so weit auseinander wie in der Musik - ein Problem für Bloggerin und DJ Virginia Gomez.
DJ TapTap (Virginia Gomez) Nightlife Blog Tanzen Club Publikum Bewegung
© Getty Images

Ob jung oder alt - tanzen mögen die meisten. Aber nicht zu jeder Musik.

Letztes Wochenende führte ich mal wieder eine altbekannte Diskussion: Wie viel alte Musik sollte im Club gespielt werden und wie viel unbekannte Lieder verträgt ein Set? Die Meinungen gehen hier extrem auseinander und hängen natürlich auch vom Publikum und vom Thema der Party ab. Prinzipiell ist meine Meinung, dass es in einem Club nie so klingen sollte wie im Radio. Im Club werden Trends gesetzt. Neue und aktuelle Musik dominiert in meinen Sets, selbstverständlich dürfen auch Hits nicht fehlen. Davon gibt es aber unzählige Remixes, neue Interpretationen oder diverse Möglichkeiten, ein Lied zu inszenieren. Dies ist die Aufgabe eines DJs - und macht schlussendlich seinen Stil aus. Ansonsten könnte man uns ja einfach durch iTunes ersetzen...

Während meines Sets kam kürzlich ein junger Mann zu mir (ich erwähne es immer wieder gerne: Stört doch den DJ nicht bei der Arbeit, er hat normalerweise kein Ohr frei, um euren Inputs zuzuhören!) und meinte: «Ey, DJ, kannst du nicht bitte mal richtigen Hip-Hop spielen?» Ich war etwas perplex, denn es lief gerade ein Rap-Klassiker aus den 90er-Jahren. «Was verstehst du denn unter ‹richtigem Hip-Hop?›» Er: «Ja, sowas wie ‹Yeah› von Usher». Ich glaube, mein Gesichtsausdruck schreckte ihn ab... Nach dem Gig traf ich ihn nochmals, und wir kamen ins Gespräch. Es war interessant wie auch lehrreich. Durch ihn realisierte ich, dass die Musik, die für mich total out ist, für die ganz jungen Clubgänger teilweise als Klassiker gelten. Musste ihm aber auch erklären, dass ich schon über zehn Jahre auflege und es noch miterlebte, als gewisse Lieder tatsächlich neu waren, und dass ich sie seit dieser Zeit schon gefühlte hundert Millionen mal gehört habe. Wenn jemand zu mir kommt und «Old School» wünscht, dann denke ich an die 90er, 80er oder gar 70er und nicht an das Jahr 2004.

Heutzutage basieren enorm viele Hits auf Samples von Liedern, die unsere Eltern noch als Originale kannten. Musikgeschichte ist enorm faszinierend. Viele Werke sind in der ursprünglichen Form besser, andere wiederum wurden genial neu verpackt. Oftmals bringt ein aktuelles Lied einen in Vergessenheit geratenen Künstler ins Rampenlicht zurück.

Diese Diskussionen und Überlegungen inspirierten mich, einen Mix zu machen - eine Hommage an die Pioniere des Hip-Hop. Die älteren Semester werden hier Samples aus alten Funk oder Disco Classics erkennen, bei anderen werden Jugend-Erinnerungen geweckt, und die junge Generation wird überrascht feststellen, dass auch sie einige Elemente aus neueren Liedern wieder erkennen.

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