Saturday Night Fever

Saturday Night Fever

Trends und Tücken im Nachtleben - scharf beobachtet von DJ TapTap.

Totgesagte leben länger…

Bloggerin Virginia Gomez alias DJ TapTap ist es wichtig, dass das ursprüngliche Handwerk eines DJs nicht in Vergessenheit gerät. Umso glücklicher ist sie jetzt, dass ein neuer Plattenspieler auf dem Markt ist. Einer, den eben nur DJs bedienen können, die die Kunst des Auflegens noch beherrschen.
Nightlife Blog: Virginia Gomez über Pioneer-Plattenspieler
© Youtube Screenshot

«Pioneer» stellt ihren neuen Plattenspieler vor. Sehr zur Freude von Nightlife-Bloggerin Virginia Gomez.

Zu meiner Freude ist momentan eine altbekannte Diskussion wieder entfacht. In den letzten Jahren war der technische Forschritt in der DJ-Welt enorm und fast monatlich gab es Neuerungen. Prinzipiell eine gute Sache. Jedoch ist das DJing dadurch zu einer Zirkusnummer verkommen. Die ursprüngliche Kunst des Mixens, Scratchens oder Blendens wurde für unwichtig erklärt - es sei nicht mehr interessant. Oder gar überflüssig, da das die Geräte dank gewissen Features selbst erledigen. Was ein DJ früher monatelang trainieren musste, können sich die Newcomer nicht mehr vorstellen..Ob das eine Rolle spielt oder nicht, sei dem Urteil jedes einzelnen überlassen.

Fakt ist: Im Radio werden die Lieder in der Original-Version vom Anfang bis zum Ende gespielt. Im Club jedoch sollte etwas Abwechslung geboten werden. Hier sollte die Musik wilder, die Versionen sollten überraschender und die Übergänge schneller sein. Da kommt die Kreativität des individuellen DJs ins Spiel.

Mit der forgeschrittenen Technik müsste doch eigentlich auch die musikalische Qualität in den Clubs entsprechend zugenommen haben. Das ist aber leider grösstenteils absolut nicht der Fall. Bei den meisten Dingen ist es so, dass man zuerst «A» beherrschen muss, bevor man zu «B» übergehen kann.

Der Ursprung des Auflegens liegt bei den Plattenspielern. Der berühmteste Hersteller war immer Technics. Mit dem Untergang des klassischen Vinyls sank logischerweise auch die Nachfrage nach den Abspielgeräten. Technics stellte die Herstellung der einst legendären Plattenspielern vor etwa vier Jahren ein. Für die Clubs wurde es mühsam, Ersatzgeräte zu beschaffen. Immer öfters trifft man als DJ auf defekte Geräte, was die Arbeit natürlich weitaus erschwert. Wurde ein Club saniert oder neu eröffnet, verzichtete man immer öfters ganz darauf und setzte auf die etwas günstigeren CD-Player. Aus diesem Grund wurde es vielen DJs zu blöd, sie beugten sich dem «Fortschritt» und stiegen komplett auf CD-Player um. Nachwuchstalente hatten also weitgehend keine Wahl und lernten das Instrument Plattenspieler nie richtig kennen. Somit schien der Ursprung des DJing weitgehend verloren. Bis vor Kurzem.

Die Firma «Pioneer» überraschte die Nightlife-Community mit einem neuen Plattenspieler, der diesen Monat auf den Markt kam. Und siehe da: Das gute Stück hat keinen unnötigen Firlefanz, es knüpft (mit ein paar ganz wenigen Veränderungen, die ich euch hier erspare) ziemlich nahtlos an den normalen, guten alten Turntable an! Zurück zur Analogie und dem selbstständigen Handwerk - bei den Hip-Hop-DJs wurde das gute Stück sogleich gefeiert. Wir dürfen nun gespannt sein, wie die elektronische EDM-Szene darauf reagiert. So oder so: Totgesagte leben länger! Auflegen darf wieder mehr zur Kunst werden und DJs, die wirklich etwas können, sind halt einfach cooler.

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