Saturday Night Fever

Saturday Night Fever

Trends und Tücken im Nachtleben - scharf beobachtet von DJ TapTap.

Aufgehende Sterne am DJ-Himmel

Star-DJs wie Remady oder Antoine kennt die ganze Welt. Nun ist es aber Zeit, andere ins Scheinwerferlicht zu rücken, findet Bloggerin und DJ TapTap. Sie stellt Schweizer Nachwuchstalente vor.
Twitch Jacob DJ
© Tilllate.com

Das nächste internationale DJ-Aushängeschild? Twitch Jacob aus Zürich.

Es überrascht mich nicht mehr, Musik von Schweizer DJs wie Remady, Antoine oder Mike Candys zu begegnen, wenn ich irgendwo in Asien, Kanada oder Marokko bin. Diese DJs sind - ohne Übertreibung - auf der ganzen Welt präsent, das kann ich immer wieder mit eigenen Ohren hören. Aber unser Land birgt noch mehr Talente, die ebenfalls das Zeug haben, ganz gross rauszukommen.

Heutzutage produzieren die meisten DJs auch selbst Musik, was natürlich Sinn macht: Wir müssen immer auf dem neusten Stand sein, unser Job ist es, die Hit-Trends von Morgen schon vorzeitig zu erkennen. Nachfolgend präsentiere ich ein paar der DJs und Produzenten, die mir in letzter Zeit aufgefallen sind und meiner Meinung nach mal genauer unter die Lupe genommen werden sollten.

Twitch Jacob
Der aus Zürich stammende DJ hat im letzten Sommer für viel Furore gesorgt! Ich wüsste niemanden sonst, der so viel Unterstützung aus der Szene bekommen hat - und zwar aus allen Musiksparten. Dies hat nicht zuletzt damit zu tun, dass seine letzten Releases von überragender Qualität sind und von jedem DJ bedenkenlos im Club gespielt werden können. Twitch Jacob erzählte mir die Geschichte folgendermassen:
«Als ich an meinem letzten Release arbeitete, sollte es ein Deep Track mit Hip-Hop-Flavour sein. Ich traf mich mit den Jungs der Ghosthall Studios, und wir machten uns gleich voller Elan an die Arbeit. Als wir dann mit dem Instrumental fertig waren, musste ein Acapella her. Wenige Tage später meinten sie aufgeregt, sie hätten was Passendes gefunden… Beim ersten Hinhören hats mich eiskalt erwischt, denn die Stimme war mir sehr bekannt, es war 2Pac mit ‹Do For Love›. Wir waren überrascht wie gut das Acapella über den Track passte. Wegen fehlenden Rechten konnte der Track nicht offiziell releast werden, weil er uns aber allen so sehr gefiel und wir nichts dran ändern wollten, haben wir den Track zum Download bereit gestellt.»

DJ Doobious/Bazooka
Unser junger DJ Doobious bringt nicht nur eine gehörige Portion Talent, sondern auch jede Menge Leidenschaft mit. Kaum älter als der durchschnittliche Clubgänger kann er bereits auf eine beachtliche Karriere zurückblicken. Seit zweieinhalb Jahren produziert er nun auch. Manchmal zusammen mit einem meiner persönlichen Lieblings-DJs und Vizeweltmeister des Red-Bull-3Style-Wettbewerbes, Bazooka aus Basel, werkelt er regelmässig im Studio rum. Eines ihrer letzten Stücke war ein Trap Remix von 50 Cents Hit «Candy Shop». Auch hier war der Support der Szene-DJs gross. Als dann jedoch ein unbekannter Fan den Track auf seinem Youtube-Chanel veröffentlichte und es innerhalb kürzester Zeit 6000 Plays gab, war die Sache klar. Doobious und Bazooka ist ein Underground-Hit gelungen, und das ist bestimmt erst der Anfang.

Creep (Freaky Boyz)
DJ Creep rockt schon seit Urzeiten unsere Clubs. Zusammen mit seinem DJ-Partner ManEak sind sie als FreakyBoyz und als DJs in der urban Szene absolut anerkannt. Trotzdem hatten sie es aber mit ihrer eigenen Musik nicht ganz leicht. Die im Kosovo geborenen Musiker wurden mit schweizerdeutscher Musik erst nicht ganz ernst genommen. Kein Label wollte sie unterstützen. Doch die Jungs gaben nicht auf, und nach einiger Zeit konnten sie erste Erfolge verbuchen. Als dann Deutschland auf den Plan kam und sie Lieder für Aggro Berlin produzieren konnten, ging es bergauf. Nach einiger Zeit beschlossen Creep und ManEak es in ihrem zweiten Heimatmarkt, dem Balkangebiet, zu probieren und plötzlich ging alles ganz schnell. Die Unterstützung war phänomenal und ihr Bekanntheitsgrad steigt tagtäglich. Dort sind sie zwar «die Schweizer», was dem Erfolg aber keinen Abbruch tut. Was auch noch erwähnt werden muss: Die beiden DJs/Produzenten machen von A bis Z alles selber! Produzieren, Videos, Regie…

Rockit
Rockit ist zwar ein Schweizer DJ, aber auch in Amerika sehr aktiv. Angefangen als Breakdancer wandte er sich Mitte der 90er-Jahre dem DJing zu. Zuerst spielte er strikt Hip-Hop, wurde dann mit den Jahren clubbiger. So klingt auch seine eigene Musik. Mit der richtigen Mischung aus Pop und Dance können Clubgänger auf der ganzen Welt dazu abfeiern. Gerade erst veröffentlichte Rockit seine zweite Single, wo er mit dem New Yorker Sänger Ryan Lane zusammen arbeitete. Dieser wird übrigens in seiner Stadt als heisser Geheimtip gehandelt und oft mit Ne-Yo verglichen. Das Video wurde dann auch in New York City gedreht. Als wäre das nicht schon genug, haben sich die Jungs hochkarätige Verstärkung geholt und zwar in Form des mexikanischen Models Pamela Burgos, die unter anderem auch schon im Video von Enrique Iglesias «Do You Know» zu sehen war. Rockit kennt das Model aus Miami, wo er schon einige Auftritte hatte.

J Anderson
Unser nächster DJ ist ein Weltenbummler! Geboren ist J Anderson in Holland, die Eltern kommen aber aus Surinam, und glücklicherweise hat es ihn unterdessen in die Schweiz verschlagen. Seit sechs Jahren ist J Anderson in der elektronischen DJ-Szene unterwegs, aber auch viel im Hintergrund tätig und hat auch an der Streetparade mit einem eigenen Love Mobile gerockt. J Anderson spielt donnerstags im Kaufleuten, freitags und samstags ist er an den Afterhours im Station Club und sonntags jeweils im Jade Club anzutreffen. Irgendwie findet er trotz allem noch die Zeit, um eigene Musik zu produzieren. Sein erster Song «Uplifter» schlug gleich wie eine Bombe ein, war auf grossen Compilations weltweit zu finden und wurde von Stars wie David Guetta oder Tom Novy gespielt. Daraufhin konnte er für Hed Kandi in Ibiza spielen, was einem Ritterschlag gleichkommt. Sein nächster Release ist für den Januar angesetzt.

TapTap
Weil ich keinen der erwähnten DJs ans Ende der Liste setzten wollte, mache ich das jetzt mit mir selber. Und natürlich, um die Gelegenheit zu nutzen, auf meine Musik hinzuweisen. Denn auch ich finde ab und zu Zeit für eigene Songs, wobei ich eher Texte schreibe oder auch mal selber singe.