Saturday Night Fever

Saturday Night Fever

Trends und Tücken im Nachtleben - scharf beobachtet von DJ TapTap.

Norwegen! Bergen!

Bloggerin Virginia Gomez alias DJ TapTap wurde in der norwegischen Stadt Bergen gebucht. Mit grosser Skepsis ist sie hingereist. Und hat sich am Ende verliebt.

Letzte Woche gab es mal wieder eine Premiere. Ich musste packen für einen Ort, wo es fast zehn Grad kälter ist als bei uns: Norwegen! Bergen!

Skandinavien ist eine Region, die ich zwar immer als spannend empfand (als Kind wollte ich Wikinger werden) - aber ich kam niemals auf die Idee, meine Ferien dort zu verbringen. Einen Unterschied zwischen Schweden, Norwegen oder Dänemark konnte ich mir auch nicht wirklich ausmalen. Blonde Leute. Blaue Augen. Rentier-Pullover. Kalt. Fisch. Kleine Nachforschungen im Internet über die Stadt Bergen, wo ich drei Auftritte in zwei Clubs hatte, ergaben spannende Informationen: Bergen ist mit rund 270'000 Einwohnern die zweitgrösste Stadt in Norwegen. Der Hafen von Bergen ist einer der geschäftigsten in ganz Europa. Durchschnittlich sind in Bergen 248 Tage im Jahr verregnet, somit ist es die «regenreichste Grossstadt Europas». Na toll.

Aber: Als ich aus dem Flugzeug stieg, strahlt mir die Sonne direkt ins Gesicht. Alle drei Tage herrschte strahlend blauer Himmel, und mit 18 Grad war es wirklich angenehm. Für die Einheimischen schien nochmals Sommerstimmung aufzukommen, viele trugen T-Shirts, man spürte, wie es die Leute nach draussen drängte. Die Luft war ungewohnt klar, die Landschaft wunderschön, sehr grün. Ein Mix aus Schwarzwald und Russland…

Norwegen ist flächenmässig fast zehn Mal grösser als die Schweiz und hat trotzdem nur fünf Millionen Einwohner. Deswegen empfand ich Bergen wahrscheinlich als ruhig und verträumt. Die Häuser sind bunt, beim Hafen gibt es diverse Märkte und für die Touristen ein «Berg-Tram», das zu einem atemberaubenden Aussichtspunkt führt.

Restaurants
Gleich am ersten Abend musste ich lernen, dass man in Norwegen auf wenig Verständnis stösst, wenn man Fisch nicht unbedingt mag. Aber da es in Bergen an jeder Ecke ein Restaurant hat, ist die Auswahl gross. Von eurasisch über mexikanisch bis hin zu Steak-Häusern lässt sich alles finden. Es war ausnehmend exquisit, der Service durchgehend perfekt und jedes Lokal sehenswert und interessant «designed». Allerdings hat auch alles seinen (eher hohen) Preis.

NOK, kein Euro
1 CHF sind etwa 6.5 norwegische Kronen - weswegen wir am Anfang die ganze Zeit mit Umrechnen beschäftigt waren und bald merkten, dass die Preise mindestens wie in der Schweiz angesiedelt sind. Norwegen zählt zu den reichsten Ländern überhaupt. Für das Land ist der Erdölexport bedeutend. Was ich allerdings interessant fand, ist die Tatsache, dass man auf den Strassen fast keine Luxus-Autos sieht. Die Leute scheinen allgemein weniger auf Statussymbole zu geben.

Sprache
Takk = Danke, Hjelp = Hilfe und Fredag = Freitag. Da kam ich ja gerade noch mit - aber ansonsten ist die gesprochene Sprache unmöglich zu verstehen. Vom Klang her empfand ich es manchmal ähnlich wie Mandarin, dann wieder wie Russisch. Allerdings kommt man ohne Problem mit Englisch durch, denn die Kinder lernen es schon in der Grundschule.

Trinkverhalten
Schon vorab hörte ich viele Geschichten über skandinavische Trinkgelage und kann das nur bestätigen. Die Norweger denken schon Mittags ans Trinken und vertragen Unmengen von Alkohol. Auf einem Spaziergang um neun Uhr abends begegneten wir zahlreichen Einheimischen, jeglichen Alters und Geschlechts, die bereits sturzbetrunken waren. Doch nirgendwo erlebte ich eine aggressive Stimmung.

Clubs & Partyvolk
Unterdessen ist die Musik auf der ganzen Welt ziemlich simultan: In den Charts findet man fast die gleichen Hits wie bei uns. Was mich aber positiv überraschte, war, wie offen das norwegische Partyvolk gegenüber Neuem ist. Sie gehen wirklich in die Clubs um

a)  zu trinken,
b) Spass zu haben und zu tanzen. Und:
c) siehe a.

Die Stimmung war an allen drei Abenden  ausgelassen und fröhlich. Die wildeste Party aber war am Sonntag. Ich werde diese Nacht nicht mehr so schnell vergessen… Um drei Uhr müssen die Clubs schliessen. Aber bei uns war es um drei noch brechend voll. Selbt, als die Putzbeleuchtung eingeschaltet wurde, feierten die Leute weiter. Ich hatte selber so viel Spass - also legte ich weiter und weiter auf… Bis die Polizei auftauchte, um dem ganzen ein Ende zu setzen. Als die letzten Töne verklangen, applaudierte das Publikum noch minutenlang und einer der Polizisten meinte: «Nächstes Mal solltest du uns auch zur Party einladen.»

Wie könnte man anders, als Norwegen ins Herz zu schliessen?

Sehen Sie Bilder von Virginia Gomez' Ausflug nach Bergen in der SI-onine-Galerie.