Saturday Night Fever

Saturday Night Fever

Trends und Tücken im Nachtleben - scharf beobachtet von DJ TapTap.

Handwerk sucht Gleichberechtigung

Bloggerin Virginia Gomez erlebt als DJ TapTap in den Clubs, in denen sie auflegt nicht nur schöne Momente. In Deutschland traf sie auf einen DJ, der der Meinung ist, dass Frauen hinter einem Mischpult nichts verloren hätten.
DJ TapTap über Gleichberechtigung hinter Plattentellern
© Getty Images

Frauen haben hinter den Plattentellern nichts verloren? Von wegen!

Auf die Liste toller Erlebnisse, die ich meinem Job im Nightlife zu verdanken habe, muss ich manchmal auch einen Schock-Moment setzen. Vergangenes Wochenende legte ich bei unserem grossen Nachbarn in Deutschland auf. Der Abend begann mit einem recht lustigen Soundcheck, bis ein DJ hinter das Pult trat (ich kenne noch nicht einmal seinen Namen) und ohne zu grüssen als Erstes fragte: «Was macht das Mädel da? Raus, Frauen haben hier hinten nichts zu suchen.» Der Clubbetreiber antwortete ihm: «Ähm, sie ist der Main Act heute.» Darauf liess der DJ prompt eine Tirade vom Stapel, dass keine Frau etwas als DJ taugen würde und wir alle nur wegen gewisser Körperteile Beachtung finden würden. Ich war ein bisschen perplex, aber na gut, jedem seine Meinung. Und ausserdem würde ich später einfach zeigen, dass es auch anders geht.

Als ich dann aber mit meinem Set anfing, fummelte der Typ einfach ununterbrochen ins Mischpult rein und liess mich nicht arbeiten. Er verstellte mir sogar den Weg zum zweiten Plattenspieler. Obendrauf machte er ständig obszöne Gesten und gab frauenfeindlichen Schrott von sich, den ich hier lieber nicht wiederholen möchte. Da es nicht möglich ist, zu arbeiten, wenn man nicht an sein Equipment kommt, hatte ich die Wahl. Erstens: ihm eine Szene zu machen. Oder zweitens: das Beste daraus zu machen und den Saboteur zu ignorieren. Den Clubbesuchern zuliebe, die in grandioser Partystimmung waren, entschied ich mich für Letzteres - obwohl das nicht ganz meinem Temperament entsprach.

Das Erlebnis veranlasste mich, mir ein paar Fragen zu stellen, die Ihr gerne für Euch beantworten könnt:

Ist es tatsächlich so, dass gewisse Männer denken, wir Frauen wären für nichts ausserhalb des Haushalts zu gebrauchen? Oder war das einfach ein Geisteskranker? Wie kommen Leute darauf, dass eine Frau nicht auflegen kann? Wohl kaum, weil das Drehen der Knöpfe für uns zu anstrengend ist... Frauen können doch genauso gut Instrumente spielen wie Männer. Aber sobald es um Plattenspieler oder CD-Player geht - dann soll das ein Ding der Unmöglichkeit sein?

Ich bin ratlos. Beim Auflegen wie auch bei jedem anderen Job ist das, was zählt, doch schlicht und einfach die erbrachte Leistung. Und die kann man nicht anhand des Geschlechts festlegen, meiner Meinung nach. Was soll mir dieses Schlüsselerlebnis nun sagen?

Der Abend bringt mich zu der Erkenntnis, dass es verflixt noch mal Zeit wird, der Männerwelt hinter den Plattentellern zu zeigen, dass eine Frau mehr Skills haben kann als jeder zweite männliche DJ. Nur weil es Frauen gibt, die bewusst ihre weiblichen Vorzüge einsetzen und damit ihr fehlendes Geschick überspielen, geht es doch nicht an, dass alle Frauen ungern hinter den Plattentellern gesehen werden. Unter den Frauen gibt es eben genau so viele schwarze Schafe wie unter den Männern!

Ich hoffe, in Zukunft noch viele Talente zu erleben, die sich trauen auszubrechen und das zu tun, was ihre Leidenschaft ist. Ganz egal, ob es jemandem nicht passt! Denn vielen anderen wird es gefallen...