Saturday Night Fever

Saturday Night Fever

Trends und Tücken im Nachtleben - scharf beobachtet von DJ TapTap.

Der jüngste DJ der Welt

Bloggerin Virginia Gomez alias DJ TapTap ist gerade auf Reisen und nutzt die Zeit, einem Youtube-Phänomen auf den Grund zu gehen: Kinder, die als DJs das Netz erobern. Und sie fragt sich: Muss das wirklich sein?
DJ Taptap Virginia Gomez über Arch Jnr Youtube Video DJ
© Screenshot

Arch Jnr - der jüngste DJ der Welt.

Nein das Thema ist nicht neu, wahrscheinlich haben die meisten von euch schon lustige Youtube Videos von DJ Arch Jnr gesehen. Aber da ich auf Reisen war und sie mir zwar amüsiert angeschaut, aber nicht viel mehr dazu gedacht habe, fand ich erst jetzt raus, dass ein regelrechter Hype um den (zugegeben!) süssen Fratz entstanden ist.

Als ich vor einigen Monaten zum ersten mal zufälligerweise über Videos des jüngsten DJs der Welt gestolpert bin, fand ich es süss und vor allem witzig. Auch die afrikanischen Beats fand ich stylisch. Aber viel mehr dachte ich mir nicht dabei. Es gibt ja auch lustige Videos von Katzen-DJs und ähnlichem.

Unterdessen aber ist der nun dreijährige Arch Jnr so richtig berühmt geworden wegen seines Auftritts bei «South Africa's Got Talent». Er spielte sogar schon international an mehreren Openairs in Afrika, und hat Sponsoring-Verträge mit Guess, Mini (ja, die Automarke) oder Beats by Dre Kopfhörer. Bald auch 72'000 Fans auf Facebook und Verehrerinnen aus der ganzen Welt.



Nun, diese Entwicklung finde ich etwas seltsam. Denn leider muss ich sagen: Was der kleine so treibt, hat nicht sehr viel mit DJing zu tun. Gewisse Tierchen wären auch dazu fähig und wahrscheinlich nicht minder niedlich. Viele andere kleine Kinder könnten das ohne Problem übrigens auch. Dies ist keine Vermutung, sondern eine simple Tatsache. Ohne allzu technisch ins Detail zu gehen, aber: ein paar Hebel zu drehen ist nicht wahnsinnig schwer. Logisch ist das Mini-DJ-Pult von Arch Jnr ultra süss, seine Attitüde und witzigen Kleider nur allzu knuffig. Aber leider, leider ist es (noch) keine Kunst, was er leistet. Sein Vater, der natürlich sehr stolz ist und ihn mit der DJ-App überhaupt erst in Kontakt brachte, ist selber auch kein richtiger DJ. Also stehen ja schon die Grundvoraussetzungen schlecht, dieses Handwerk zu lernen. Es ist eher eine kleine Theateraufführung.

Nun kommt aber der in meinen Augen schlimmste Punkt an der Geschichte. Weil Arch und sein Vater nun berühmt sind und Geld verdienen, kommen viele Eltern auf die Idee, ihre Kinder nun ebenfalls in diese Richtung zu drillen. Das Internet boomt regelrecht vor Kinder DJs. Klar ist es nur ein Trend, aber es geht hier immerhin um kleine Menschen. Laute Musik aus Kopfhörern ist nicht gerade gesund. In ihrem zarten Alter wohl noch weniger. Nicht jedes Kind ist talentiert in diese Richtung, also ist es doch fies sie unter Druck zu setzen. Zudem gibt es genug gute Gründe, warum Clubs erst ab einem gewissen Alter sind, Babys haben dort einfach nichts verloren. Zudem sollten Kinder die Chance haben, zu spielen, auszuprobieren, Spass zu haben und dabei nicht gleich einem Publikum vorgeführt zu werden. Deshalb erscheint mir dies alles irgendwie als billiges Entertainment. Sie haben noch so viel Zeit in ihrem Leben, um zu arbeiten...

Im Dossier: Alle Nightlife-Blogs von Virginia Gomez