Saturday Night Fever

Saturday Night Fever

Trends und Tücken im Nachtleben - scharf beobachtet von DJ TapTap.

Was abseits der Tanzfläche passiert

Ob eine Razzia, ein streunender Hund oder technische Probleme - was backstage im Club los ist, merken die Party-Gäste fast nie. Virginia Gomez alias DJ TapTap sagt, was sie bei der Arbeit schon alles erlebt hat.
Nightlife-Blog DJ TapTap Virginia Gomez hinter den Kulissen
© iStock

Auch wenn etwas schief geht im Club, müssen die DJs die Contenance wahren.

Hinter den Kulissen sieht es oft anders aus, als die Partygäste erahnen. Obwohl die meisten Leute denken, dass wir DJs ständig nur Party machen, sind wir meistens viel seriöser. Als Teil des Clubteams erreichen uns in der Nacht oft Informationen, die den Gästen verborgen bleiben. Wir gehören auch zu den ersten, die erfahren, dass ein hochkarätiger Star eingetroffen ist. Bereits diverse Male habe ich erlebt, wie berühmte Musiker ihre eigenen Lieder im Club NICHT hören wollten. Also muss das Programm konsequenterweise unauffällig angepasst werden.

Es gab auch Momente, in denen ich charmant darauf hingewiesen wurde, dass die Polizei gerade im Haus ist. In einem solchen Fall schalte ich die Musik tendenziell etwas leiser. Einmal in meinen mittlerweile zehn Jahren als DJ erlebte ich sogar eine waschechte Razzia. Da musste ich um drei Uhr morgens die Party beenden und den Sound komplett abdrehen. Natürlich gab es auch schon richtig schräge Situationen. Zum Beispiel befand sich plötzlich ein herrenloser Hund im Club, der wieder eingefangen werden musste. Natürlich möglichst so, dass die Gäste vom Zwischenfall nichts mitbekommen.

Manchmal schlagen wir uns während der Party auch mit unseren eigenen Problemen rum, die meistens mit der Technik zu tun haben. Ein Monitor, der ausgefallen ist, ein Mixer, der sich nicht bändigen lässt, oder ein hartnäckiger Wackelkontakt an der Anlage.

Hinter den Kulissen tauschen wir DJs uns auch über lustige, kreative und nervige Gäste und deren kuriose Wünsche aus. Wir lachen darüber, dass immer wieder Getränke beim Lichtmischer bestellt werden. Leider muss er jeweils dankend ablehnen, obwohl ihm grosszügige Trinkgelder angeboten werden - er ist nun mal KEINE Bar.

Manchmal ist der Job auch bloss ein Job und dann versteckt sich hinter den Plattentellern und dem aufgesetzten Lächeln ein Mensch, der «nicht wirklich in Partylaune ist». Bei einem Afterhour-Gig kann es sein, dass man mitten in der Nacht aus den warmen Laken steigen und um vier Uhr morgens in einem Club voller angetrunkener Gäste sein Set beginnen muss. Gefühl: «Ich bin im falschen Film». Ich möchte dann am liebsten die Musik viel viel leiser drehen und die laute Meute umgehend nach Hause schicken.

«Hinter den Kulissen», eine Redewendung, die der Bühnensprache Frankreichs im 18. Jahrhundert entspringt, bringt es auf den Punkt: Genau deshalb lieben wir doch unseren Job. Was für ein Theater!

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