Saturday Night Fever

Saturday Night Fever

Trends und Tücken im Nachtleben - scharf beobachtet von DJ TapTap.

Das DJ-Einmaleins

Immer wieder wird Virginia Gomez gefragt, wie sie als DJ TapTap den Durchbruch geschafft hat. Jetzt liefert sie ihre Tipps für DJ-Anfänger.
Street Parade 2014 Stimmung Menschen DJs
© Usgang.ch

Stimmung an der Street Parade - dazu brauchts mehr als einen DJ.

In letzter Zeit bekomme ich sehr viele Nachrichten von jungen DJs, die sich etablieren wollen und mich fragen, wie sie an Bookings kommen. Natürlich gibt es hier keine allgemeingültige Formel - jedoch einen springenden Punkt, der am ehesten zum Ziel führt: HARD WORK.

DJs gibt es wie Sand am Meer, aber die meisten verschwinden in der Masse. Kurzfristig kann man dies vielleicht ändern, indem man sich etwas aussergewöhnliches einfallen lässt. Allerdings ist dieser ganze Zirkus schon ziemlich ausgeschöpft. Auf ganz grossen Bühnen macht eine Show irgendwie Sinn. Im Club jedoch ist ein wild hüpfender DJ, der mit Torten schmeisst, Luftgitarre spielt und sein Shirt auszieht, irgendwie Fehl am Platz. Bei all diesen verzweifelten Versuchen speziell zu sein, wird ein wichtiges Element oft vergessen: DJing! Ursprünglich eine künstlerische Form des Musik machens (ein Beweis, dass es sowas gibt, folgt später noch). Drei elementare Punkte dazu:

1. MUSIK
Die Musikauswahl ist das A und O! Mit den ganzen technischen Fortschritten im Jahre 2014 kann sich jeder Depp die neuste Musik besorgen. Trotzdem hat die Qualität enorm gelitten. Wenn ein DJ mit minderwertigen, oder gar gerippten MP3 daher kommt, hat er schon fast verloren. Egal wie betrunken die Clubbesucher sind, die schlechte Qualität der Musik macht sich bemerkbar. Früher haben wir DJs um die 20 Franken bezahlt für eine Vinyl-Platte, heute scheint den DJs ein Lied nicht mal mehr zwei Franken Wert zu sein. Nicht gut.
Weiter sollte sich ein DJ mit Musik befassen, Trends erkennen, alte Stücke finden oder sich von anderen Kulturen inspirieren lassen. Dies ist zeitaufwändig, klar. Aber ein DJ sollte hauptsächlich von der Liebe zur Musik angespornt werden und somit seine Freizeit sowieso damit verbringen. Damit meine ich nicht die aktuellen Charts studieren. Wer eigene Remixe und Versionen spielt, hebt sich automatisch von anderen DJs ab. Zudem hat es noch nie geschadet, wenn der DJ unkommerzielle Lieder in seine Sets einbaut.

2. PUBLIKUM
Ein Club-DJ hat in erster Linie den Auftrag, die Party zu führen und auf sein Publikum einzugehen. Manchmal muss man sie pushen, manchmal überraschen, manchmal beruhigen. Sogar mir fällt es ab und zu schwer, auf die Leute einzugehen - aber das gehört definitiv zum Job. Deswegen: Vergesst vorbereitete Sets und checkt lieber zwischendurch die Stimmung der Gäste.
Jede Partynacht hat drei Abschnitte: Warm-up - Maintime - Ausklang. Je nachdem zu welcher Zeit man spielt, sollte der Sound angepasst werden. Alle drei haben Ihre Vorteile und ihre Tücken. Leider habe ich es schon oft erlebt, dass ich in einen Club gekommen bin und die Musik gänzlich unpassend war. So gehts:

Warm-up: Der wichtigste Teil des Abends! Hier sollte zuerst eine entspannte, angenehme Stimmung kreiert werden. Mit Hits sparsam umgehen, zum Wohle der Party. Der Club ist glücklich, wenn die Besucher ankommen und zuerst einmal etwas trinken. Alle Kracher um 23 Uhr spielen ist ein absolutes No-Go. Es gibt so viele tolle andere Musik.
Maintime: Hier ist nun der Zeitpunkt, an dem die Hits gespielt werden sollten. Der DJ muss Stimmung machen und die Tanzfläche füllen. Experimente sind nur gefragt, wenn sie auf hohem Niveau passieren.
Ausklang: Der unberechenbarste Teil des Abends. Zu diesem Zeitpunkt ist die Stimmung einer Party schon gesetzt. Der DJ muss herausfinden, was es braucht. Nochmals richtig Gas geben, oder vielleicht einen Gang runter schalten. Schätzt er die Stimmung falsch ein, kann es leider passieren, dass der Club sich zu früh leert. Normalerweise ist das Publikum um diese Zeit nicht mehr so anspruchsvoll und man kann gut neue Dinge ausprobieren und sich kreativ austoben.

3. SKILLS
Auch wenn die Verlockung in der heutigen Zeit gross ist…ein DJ muss die Elemente beherrschen. In meiner Szene, Hip Hop, ganz eindeutig und auch bei allen anderen schadet es keinesfalls.
Mixen: Die Grundvoraussetzung. Um das Gehör so weit zu haben, dass man die Übergänge richtig hinbekommt dauert es etwa ein Jahr. Vor diesem Zeitpunkt, hat ein DJ noch nichts hinter dem Mischpult im Club verloren.
Scratchen: Meiner Meinung nach sollte jeder DJ gewisse Grundkenntnisse darin haben. Hierzu gehört sehr viel Training. Ich erinnere mich an Zeiten, als alle meine Finger voller Pflaster waren. Aber es hat sich gelohnt :)
Blenden: Der Umgang mit Acapellas über andere Beats sollte in jedem Repertoire verankert sein. Man kann unglaublich viele kreative Dinge damit anstellen und jedes Set aufpeppen.
Juggling: Dieses Element ist Hip-Hop-spezifisch. Das schnelle Wiederholen gewisser Passagen und Beats in einem Lied ist anspruchsvoll, macht aber unglaublich viel Spass.

Hierzu möchte ich nicht mehr viele Worte verlieren. Schaut euch das neue Video von DJ Craze an, er hat den Nagel auf den Kopf getroffen und zeigt alle Techniken auf:



Wenn ein junger DJ alle diese Dinge befolgt, zuverlässig ist, sich professionell verhält, Leidenschaft sowie Eigeninitiative mitbringt (coole Mixtapes und Remixes sind nicht zu verachten) und etwas Geduld hat, dann wird das Nightlife ihn mit offenen Armen empfangen.

Im Dossier: Mehr Nightlife-Blogs von DJ TapTap und DJ Ray Douglas.