Saturday Night Fever

Saturday Night Fever

Trends und Tücken im Nachtleben - scharf beobachtet von DJ TapTap.

Schlechter DJ oder schlechte Party?

Es gibt fantastische Abende. Und es gibt langweilige. Da gehts den DJs genau gleich wie ihrem Partyvolk. Bloggerin Virginia Gomez alias DJ TapTap über die Bedeutung eines guten Line-ups und guter PR.
Nightlife Blog: Virginia Gomez über Karriere als DJ
© Getty Images

Eine tobende Menge: Klar, ist ein DJ dafür verantwortlich. Aber nicht nur...

Nicht nur die Gäste haben manchmal mehr und manchmal weniger Spass im Club. Uns DJs gehts genauso. Wenn wir uns nach dem Wochenende treffen, loben und lästern wir, was das Zeug hält. Es gibt tolles Publikum. Und es gibt langweilige Abende. Selbstverständlich trägt der DJ wesentlich dazu bei. Aber es spielen auch andere Faktoren mit.

Früher mussten sich die Plattenaufleger bei den Partygängern immer wieder in Erinnerung rufen, in den letzten fünf Jahren sind die DJs jedoch richtig populär geworden. Die Kehrseite ist, dass man den DJs heute gerne mal die komplette Schuld in die Schuhe schiebt, wenn ein Abend nicht erfolgreich verläuft wie erhofft. Aber so einfach ist das natürlich nicht!

DIE SACHE MIT DER MUSIK…
Für das Line-up einer Party kann der DJ nichts - das liegt in den Händen der Booker. Zum Glück ist der Trend «so viele DJs wie möglich an einem Abend» wieder out. Denn hat man zehn DJs hinter den Decks, kann man davon ausgehen, dass gewisse Hits zehn Mal pro Abend gespielt werden. Zum Leidwesen der Gäste. Zu viele Köche verderben nun mal den Brei - oder in diesem Falle verderben zu viele DJs einen musikalisch guten Aufbau des Abends.

Genauso ist es, wenn DJs, die so gar nicht zueinander passen, nacheinander eingeteilt werden. Der eine spielt Tech-House, dann kommt der nächste mit Charts und danach einer mit Gangster-Rap… An solchen Abenden wird einer der DJs zwangsläufig schlechter ankommen als seine Kollegen. Aber deswegen kann man doch nicht gleich den DJ beschimpfen! Einem Freund von mir, der auf seinem Gebiet unglaublich versiert ist, ist das kürzlich tatsächlich passiert. Egal, wie lange jemand auflegt, keiner möchte, dass sich bei seinem Set die Tanzfläche leert…

Es gibt so viele verschiedene DJs, jeder mit seinem Spezialgebiet. Also müsste es in der Verantwortung des Clubs oder des Veranstalters sein, einen DJ zu buchen, der seinem Klientel entspricht. Was mich zum zweiten Punkt bringt:

DIE SACHE MIT DER WERBUNG…
Bei der Gestaltung der Flyer hat ein DJ seine Finger nicht im Spiel. Auch hat er keinen Einfluss darauf, wie das Motto oder wie der Abend kommuniziert wird. Natürlich muss ein professioneller DJ auf die Stimmung und die Leute eingehen können, was aber nicht heisst, dass er plötzlich ein Musikgenre «bedienen» soll, das ihm nicht entspricht. Da sind die Welten einfach zu unterschiedlich und auch die Technik des Auflegens eine ganz andere.

Das Urban-Publikum möchte tanzen, die Lieder sollen schnell wechseln, und der DJ soll zeigen, dass er Skills wie scratchen oder juggeln beherrscht. Das elektronische Publikum möchte in eine Stimmung versetzt werden und die Musik hauptsächlich fühlen, hier soll der DJ mit schön langen Übergängen und eigenen Remixen punkten. Bei Charts-lastigen Veranstaltungen will das Publikum mitsingen, und der DJ soll die Lieder möglichst so belassen wie sie im Original sind.

Jedem das seine. Aber vielleicht sollten die Clubgäste in Zukunft etwas mehr auf das Programm achten, genauer nachfragen und sich selber informieren. Während eines Sets einen DJ zu belästigen oder gar zu beschimpfen, kann nicht die Lösung sein. Die Veranstalter sind gezwungen, sich selber wieder etwas mehr Mühe zu geben. Damit wären am Ende die Gäste und auch die DJs glücklicher.

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