Saturday Night Fever

Saturday Night Fever

Trends und Tücken im Nachtleben - scharf beobachtet von DJ TapTap.

Theorie bestätigt

Während die meisten DJs den Sonntag verschlafen, amüsierte sich unsere Nightlife-Bloggerin Virginia Gomez alias DJ Tap Tap an der «Freestyle Session» in Basel. Und ist einmal mehr begeistert, wie tanzfreudig die Jugend ist.

Das Thema meines letzten Blogs verfolgt mich noch immer. Meine Aussage, dass Tanzen wieder wichtiger wird, bestätigte sich gestern gleich nochmals. Der Tanzevent «Freestyle Session» ging in Basel über die Bühne und war wirklich gut besucht.

Bei uns DJs beginnt das Wochenende ja meistens erst am Sonntag und deswegen verschlafen viele von uns diesen Tag regelmässig. Bei mir zu Hause ist das irgendwie nie möglich, weil immer etwas Wichtigeres als Schlafen ansteht. Gestern war das zum Beispiel die «Freestyle Session». Solche Events stehen auf der Prioritätenliste so hoch oben, weil ich seit über sechs Jahren mit einem Tänzer liiert bin. Natürlich aber auch, weil das Tanzen genau so ein Hip-Hop-Element ist wie das DJing - also schlussendlich in die gleiche Szene gehört.

Die «Freestyle Session» ist ein Breakdance-Wettbewerb, der seit 1998 jährlich stattfindet. Es treten jeweils drei Tänzer gegen drei andere Tänzer an. Ursprünglich stammt der Event aus Kalifornien, inzwischen finden die Vorausscheidungen aber auf der ganzen Welt statt. Die Gewinner qualifizieren sich für das Finale in San Diego im November, wo es abgesehen von viel Ehre, auch 50'000 Dollar zu gewinnen gibt.

Gestern in Basel bekam das Publikum wahnsinnig viel geboten! 54 Crews aus ganz Europa traten gegeneinander an, von England über Deutschland bis hin zur Ukraine. Und natürlich waren da auch einige Schweizer-Teams (die sich absolut sehen lassen können!). Zu meiner grossen Freude waren auch einige B-Girls am Start. Die Stimmung kann man schwerlich beschreiben, sowas muss man erlebt haben. Auf jeden Fall war dieses Sonntags-Programm absolut friedlich, locker und sogar familientauglich. Der grösste Teil des Publikums war bereits Teil der Szene, jedoch sind immer auch interessierte und unerfahrene Besucher willkommen. Wenn soviel Talent in einem Wettbewerb aufeinander trifft, kann es natürlich etwas laut und wild werden - die Unterhaltung ist jedoch garantiert.

Neben den unglaublichen, akrobatischen Darbietungen, war das wirkliche Highlight der Beitrag von zwei kleinen Tänzerinnen aus England. Im zarten Alter von sieben und zehn Jahren standen sie ihren Kontrahenten in nichts nach und mauserten sich eindeutig zu den Publikumslieblingen. Ganz zufällig kommt das allerdings nicht. Viele Crews sind Vollprofis - und so auch die beiden Kleinen: Eddie und Terra aus der «Soul Mavericks»-Crew. Sehr weit gekommen bei «Britain's Got Talent» - dem englischen Pendant zu «Die grössten Schweizer Talente» - standen sie auch schon in den USA auf den grössten Bühnen und waren Gäste in etlichen Talkshows.

Das wirklich Faszinierende an der Breakdance-Welt ist, dass sich auch gestandene Leute nicht einfach auf ihrem Erfolg ausruhen, sondern sich der Kultur entsprechend immer wieder neu beweisen wollen. Deswegen trifft man an solchen Events nach wie vor viele Superstars der Tanzszene und kann sie live bestaunen. Meine Jungs eliminierten dieses Jahr souverän alle bis ins Finale. Dort trafen sie auf eine Crew aus Holland, die schlussendlich das Ganze gewann. (Trotzdem mächtig stolz auf euch: Janik & T-Ko!) Aber es ist noch nicht aller Tage Abend! Noch 364 Mal Schlafen und es gibt die nächste Chance - und wieder einen unterhaltsamen Sonntag für mich.

Weitere «Saturday Night Fever»-Blogs finden Sie im SI-online-Dossier.