Saturday Night Fever

Saturday Night Fever

Trends und Tücken im Nachtleben - scharf beobachtet von DJ TapTap.

God is a DJ

Paris Hilton will jetzt auch als DJ die Welt erobern, können tut sie aber leider nicht viel. Warum nur tut sie sich und der Welt das an?

GOD is a DJ. Der Song schlug 1998 ein wie eine Bombe und kletterte (damals recht ungewöhlich für einen Dance-Track) bis auf Platz 6 der UK-Charts. Warum ich das erzähle? Achtung, jetzt wirds philosophisch: Weil DJs in der Welt des Clubbings tatsächlich so was wie Götter sind. Sie geben den Rhythmus der Nacht vor, sind oft Herr über die Stimmung und wenn sie es wollen, können sie die ganze kleine Welt, um die sich so ein Clubabend dreht, durch einfaches Betätigen des «Stop»-Knopfs zunichte machen. Und hey, habt ihr mal Auftritte von David Guetta oder der Swedish House Mafia gesehen? Die werden verehrt wie die Götzen.

Natürlich ist das toll. Wenn ich singen könnte, wäre ich auch eine zweite - oder besser die erste - Mariah Carey. Leider kann ich es nicht und lass es darum wohlweislich bleiben. Dieses Finger-von-Dingen-lassen-die-man-nicht-kann liegt aber nicht allen. DJ ist DER Traumberuf schlechthin geworden und das nicht nur bei Jungs, die auf Groupies scharf sind. Paris Hilton zum Beispiel hat gerade eines der lustigsten DJ-Videos der jüngeren Geschichte veröffentlicht - scheinbar hat sie aus ihrer unglaublich peinlichen und extrem erfolglosen DJ-Premiere in Brasilien nix gelernt. Vielleicht hat sie auch einen Knebelvertrag oder eine Wette abgeschlossen, anders ist ihr Gig in Indien nicht zu erklären. Sie stöckelt auf die Bühne, MODERIERT sich selber an (Hallo? Wir sind hier nicht in Hinterzarten aufm Bierfest!) und startet mit den Worten «Alright, let’s rock this shit!» Und sorry, nix anderes als Shit ist es denn auch. Ihr Set beginnt sie mit einem Track, den man vor drei Uhr morgens auf keinen Fall spielen sollte und zappelt seltsam hinter dem DJ-Pult rum. Die armen Inder schauen total konsterniert aus der Wäsche und machen nicht viel Anderes als fotografieren.

Ich frage mich: Warum tut man etwas, das man nicht kann und das erst noch vor Zehntausenden? Das Geld wird Paris wohl kaum nötig haben.

In der Schweiz haben wir auch so einen Fall: Xenia Tchoumitcheva, heieiei... An dieser Stelle sei gesagt, dass ich sie wunderschön finde, als Model top, als starke Frau hat sie meinen Respekt verdient, und ich weiss auch, dass die fünfsprachige Tessinerin eine studierte Ökonomin und intelligente Frau ist. Soviel mal dazu. Aber warum in aller Welt will ein Mädel, das zig Werbeverträge hat, studiert ist und anderweitig Talent besitzt, unbedingt etwas tun, was ihr nicht liegt und wofür sie nur Spott und Häme erntet? (Man beachte die Comments und Dislikes unter Paris’ Video) Ich habe mal einen Auftritt Xenias im Hallenstadion miterlebt, wo sie vor tausenden Leuten das Warm-up für David Guetta übernommen hatte. Sie sah atemberaubend aus, gelocktes Haar, ein kleines Hütchen auf dem Kopf - schöner geht fast nicht. Einige aus dem Publikum schrien auch so was wie «Xenia ich will ein Kind von dir» rauf. Aber der Typ, den sie dabei hatte, musste immer wieder einspringen um irgendwas einzustellen oder zu korrigieren, das Ganze sah irgendwie nach Playback aus...

In GOD is a DJ heissts: «This is my church, this is where I heal my hurt» - in meiner Kirche möchte ich aber auch einen Pfarrer, der richtig gut predigt. Deshalb mein Appell: Schuster, bleib bei deinen Leisten, alles andere ist Käse. Amen.