Saturday Night Fever

Saturday Night Fever

Trends und Tücken im Nachtleben - scharf beobachtet von DJ TapTap.

Macht mal Platz, Leute!

Es gibt den optimalen Zeitpunkt, um nach Hause zu gehen - das weiss auch Zoe Torinesi. Dennoch lässt sich die Bloggerin gerne mal von ihren Freunden überreden, weiter um die Häuser zu ziehen. Bis sie sich, völlig entnervt und nach ihrem Handy suchend, in einer Menschenmasse wiederfindet. Das löst bei ihr dann schnell mal Panik aus.

Kennt ihr den Moment, in dem man einfach heimgehen sollte? Es war ein schöner Abend, man hat gut gegessen, ist müde und happy und möchte nur noch ins Bett? Selber doof, wenn man sich überreden lässt doch noch mitzugehen - meist endet das nicht wirklich toll. So wars bei mir am vergangenen Weekend. Himmlisches Sushi im Bauch, zwei Gläsli Weisswein intus, da wollten Freunde uuunbedingt noch in einen Club, also landeten wir an dieser Party, die zwar lustig war, aber eben, ich war müde. Wir tanzten ein wenig, tranken noch ein Gläsli und gingen dann Richtung Ausgang.

Draussen wollte ich ein Foto vom Ansturm machen, als ich merkte, dass mein Handy weg war. Shit! Wie sollte ich jetzt durch diese riesige Menschentraube wieder reinkommen, um es zu suchen? Ich, mutig wie Jeanne d'Arc, versuchte mich durch die Leute durchzukämpfen mit «Entschuldigung, mis iPhone isch wäg, i mues ine!». Netterweise wurde ich vorgelassen, jedenfalls bis in die Hälfte, als ein Vollidiot, ich habs genau gehört, ganz hinten grölte: «Chum, versuechemers, vilicht schaffemers ine!» Hallo? Vor dir sind 100 Leute, die schon nicht ohne Superkräfte reinkommen - schwierige Sache! Dieser Typ und seine Freunde begannen von hinten zu schieben, und die Masse bewegte sich kurz wie eine Welle nach rechts und links und ich mittendrin. Ich hätte dem wohl besoffenen Typen den Kopf abreissen können. Das Ganze dauerte nur einen ganz kurzen Moment, aber ich hab echt kurz Panik gekriegt. Dank dem netten Türsteher schaffte ich es irgendwann doch rein.

Ich fühlte mich wie im Krieg, meine Mission: Ohne Telefon geh ich hier nicht mehr raus! Meine Gegner: 2000 Feierwütige, die mir den Weg versperrten. Ich kämpfte mich ganz nach vorne zur Garderobiere durch, bei der die Fundgegenstände abgegeben werden, als so eine kleine, angeschickerte Brünette zu mir sagt: «Hey, chasch nöd hinde astaa, Mann! Was söll das?» Ich: «Sorry, sueche mis Telefon, nur churz!» Sie: «Isch mir scheiss egal, chasch hinde astaa!» Da merkte ich, ich muss schnell raus, sonst verteil' ich bald Ohrfeigen.

Also wieder zurück, der Club hatte super reagiert und die Masse zerstreut, indem sie den Menschen versicherten, es gäbe echt keine Chance mehr reinzukommen. Ich muss ausgesehen haben wie nach einem Boxkampf: Das Haar zerzaust, Aggression im Gesicht und Klopfen im Herzen. Ich verstehe die Menschen, die an Enochlophobie - der Angst vor Menschenmassen - leiden. Ich fands überhaupt nicht lustig und hätten die Verantwortlichen nicht so gut reagiert, wär das Gedränge wohl noch weiter gegangen. Zu viele Menschen auf einem Haufen sind etwas Unangenehmes, und man fühlt sich darin klein und hilflos wie ein Wurm. By the way: Mein Telefon ist Geschichte. 

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