Saturday Night Fever

Saturday Night Fever

Trends und Tücken im Nachtleben - scharf beobachtet von DJ TapTap.

Make love, not war

Von Jungs, die sich krankenhausreif prügeln, einem Freund mit Platzwunden am Kopf und einer Welt, in der irgendwas schief läuft.

Ich bin stinksauer. Ich weiss, das Thema dieses Blogs ist vielleicht nicht gerade das, was man zur Weihnachtszeit erwartet, anderseits regt es vielleicht gerade jetzt etwas zum Nachdenken an. Wobei, mit Nachdenken alleine ist nicht geholfen und vor allem sind die, die nicht nachdenken ja wahrscheinlich auch nicht die, die überhaupt irgendwas lesen ausser Aktionstäfeli in der Migros.
Es geht um Folgendes: Ein sehr guter Freund von mir, von Beruf Model und Eventveranstalter, kurdischer Herkunft, 25 Jahre alt, Herz gross, Wesen liebenswürdig und friedlich, war kürzlich im Ausgang. Er ist einer, der immer viel tanzt und lacht und er trägt einen grossen Afro auf dem Kopf. Im Club geht er an einem Typen vorbei, der wohl denkt, der Afro sei eine Perücke und zieht meinem Freund mit voller Kraft an den Haaren. Der erschrickt, dreht sich um und sagt etwas wie: «Hey, was soll das?! Spinnst du?» Ohne Vorwarnung beginnt dieser Typ daraufhin auf meinen Freund einzuprügeln, seine drei Begleiter «unterstützen» ihn tatkräftig. Sie hören nicht auf, auf den Kopf des Opfers einzuschlagen, auch mein Freund teilt ein, zwei kräftige Schläge aus - er versucht sich schliesslich mit Händen und Füssen zu wehren. Bilanz: Kopf und Gesicht meines Freundes sind mit Blutergüssen übersät, seit Tagen leidet er unter starken Kopfschmerzen und er musste viele Modeljobs absagen.

Gott sei Dank ist nichts Schlimmeres passiert - jüngste Geschehnisse haben gezeigt, was passieren kann, wenn Menschen die Kontrolle total verlieren: Unvergessen bleibt die sinnlose Tat Ende Oktober, als einige betrunkene Vollidioten einen 20-jährigen Vietnamesen auf dem Berliner Alexanderplatz grundlos zu Tode prügeln. Oder der junge Mann, der letzten Sommer vor einem Zürcher Club erstochen wurde... Verschiedene Stellen versichern immer wieder, die Gewalt im Nachtleben habe gegenüber früheren Jahren nicht markant zugenommen... Vielleicht kommen einfach mehr Taten ans Licht. Ich persönlich zum Beispiel, habe noch keine schlimme Erfahrung gemacht - und ich bewege mich seit 15 Jahren beruflich und privat in den Clubs des Landes.

Anyway, was ich eigentlich sagen will ist, dass ich einfach nicht verstehen kann, was da passiert. Ich fühle mich ohnmächtig, wenn ich darüber nachdenke. Es wäre wahnsinnig interessant, einmal mit solchen Männern zu reden, um herauszufinden was bei ihnen im Kopf passiert wenn es „klick“ macht und sie nicht mehr aufhören zu prügeln.
Bereuen sie? Waren sie dabei wie in einem Rausch? Sind sie vielleicht sogar stolz auf ihre Tat? Die Frage ist auch: Kann man als Normalsterblicher etwas tun? Ich glaube das Einzige, was in unserer Macht liegt ist, den eigenen Kindern Grenzen zu setzen, Werte und Liebe mitzugeben. Oder?

Ich hätte viele Wünsche fürs 2013, den Runnig Gag über die Missen, die sich Weltfrieden wünschen, hab' ich nie so recht verstanden. Klar, es hört sich pathetisch an, aber ich wünsche mir verflucht nochmal eine friedliche Welt in der solche Sachen undenkbar sind. Und jetzt geh' ich Weihnachten feiern und bin dankbar, dass es meiner Famile gut geht und singe Lieder und gucke schöne Lichter an. Make love not war. Merry X-Mas.