Saturday Night Fever

Saturday Night Fever

Trends und Tücken im Nachtleben - scharf beobachtet von DJ TapTap.

Männer müssen nicht, Frauen dürfen nicht...

In der Geschichte der Menschheit war man heute wahrscheinlich noch nie so tolerant, was die Regeln und Verschmelzungen der Geschlechter angeht - könnte man meinen. Trotzdem ist Bloggerin Virginia Gomez alias DJ TapTap gerade in letzter Zeit vermehrt auf etwas verwirrende Umstände in der Welt des Showbusiness' gestossen.
Mariah Carey Zürich 2016 Konzert Tour Blog DJ Tap Tap Virginia Gomez
© Getty Images

Mariah Carey verzichtete bei ihrem Konzert in Zürich auf grosse Leinwandbilder, damit auch das Publikum in den hintersten Reihen hätte sehen können, was vorne geschah. Aus Angst, man könnte ihre Falten sehen?

Beispiel 1 - Mariah Carey oder älter werden verboten

Vor kurzem trat die Diva im Rahmen ihrer aktuellen Welttournee im gut besuchten Zürcher Hallenstadion auf. Das Publikum bestand hauptsächlich aus treuen Fans, darunter ein paar nett gesinnte Neugierige (wie ich und ein guter Freund). Zu Konzertbeginn liess sich Frau Carey auf einer goldenen Sänfte auf die Bühne tragen - im sehr knappen Glitzer-Outfit.

Schnell wurde klar: Diese Frau ist nach wie vor unbestritten eine der besten Sängerinnen der Welt. Jeder Ton sass zu hundert Prozent. Allerdings mussten mein Freund und ich bald feststellen, dass es kein Grossbild vom Geschehen auf der Bühne gab. Das hatte ich noch nie zuvor an einem Konzert erlebt. Bald ertappte ich mich dabei, wie meine Gedanken abschweiften. Es klang zwar alles perfekt, aber die kleinen Figuren auf der Bühne waren aus der Ferne einfach sehr emotionslos. Dies war wohl auch den Machern der Show bewusst und so spielten sie nach ein paar Liedern einfach die Original-Videos ihrer Songs auf Grossleinwand ab. Zu sehen war darin die junge Mariah Carey. Wirklich schade. 

Es kann ja sein, dass Mariah Carey unterdessen ein paar Fältchen im Gesicht hat und nicht mehr genauso aussieht wie vor 20 Jahren. Aber spielt das eine Rolle? Ihr aussergewöhnliches Talent sollte doch genug und ihr Look mehr als zweitrangig sein. Schade! Bei einem männlichen Sänger von diesem Format wäre das Aussehen bestimmt kein Thema gewesen. 

Beispiel 2 - DJs vs DJs oder warum man sich eine Glatze rasiert

Frauen haben es wirklich nicht leicht. Sie sind entweder zu hässlich oder zu schön. Denn auch zu gutes Aussehen kann bestraft werden. Natürlich (darüber habe ich mich schon oft ausgelassen) gibt es viele weibliche DJs, die unseren Ruf in den Dreck ziehen. Sie beherrschen das Handwerk kein bisschen und tun nichts weiter, als auf einer Bühne wild herumzutanzen oder sich auszuziehen, um vom fehlenden Talent abzulenken. Dieser Zirkus hat aber wenig mit Auflegen zu tun und interessiert schlussendlich auch keinen Nachtschwärmer, der auch nur im geringsten etwas mit der Nightlife-Kultur am Hut hat. 

Selbstverständlich gibt es Dutzende von Frauen, die wahnsinnig gut in ihrem DJ- oder Produzentenjob sind. Und ein Gast, würde er nicht wissen, wer auflegt oder das Lied produziert hat, könnte niemals mit Gewissheit sagen, ob ein Mann oder eine Frau am Werk ist. Dies sollte bei guter Leistung nun wirklich auch keine Rolle spielen. 

Trotzdem werden sehr oft alle Frauen in den gleichen Topf geworfen und hinter ihrem Talent alles mögliche, aber nie harte Arbeit vermutet. Um in ihrem Job ernst genommen zu werden, greifen gewisse Frauen zu drastischen Massnahmen. Dies geht soweit, dass sich manche als Männer ausgeben, sich eine Glatze rasieren oder sich jeglicher Weiblichkeit entziehen. Aber ist das wirklich eine Lösung?

Auch ich und einige meiner weiblichen DJ-Freundinnen müssen uns immer wieder abstruse Aussagen anhören wie: «Du wirst nur gebucht, weil du bekannt bist» (ähm, rate mal, wodurch wir bekannt geworden sind und schau dir mal unseren Werdegang an). Oder: «Du bist zu oft in Magazinen abgebildet» (hat man so etwas je über einen Mann gesagt?). Oder: «Du bist nur gebucht, weil du mit dem Clubbesitzer eine Affäre hast» (die meisten Clubbesitzer bekommt man gar nicht zu Gesicht und mit dem vielen wechselnden Personal wären wir 24 Stunden beschäftigt).

Da ich aber zum Glück noch über Freizeit verfüge, widme ich mich momentan dem Autorennsport, etwas Feuerwehr-Training und meine Ferien verbringe ich als Astronautin im Weltall. Carpe diem. 

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