Saturday Night Fever

Saturday Night Fever

Trends und Tücken im Nachtleben - scharf beobachtet von DJ TapTap.

Mehr Sound statt Sex!

Weibliche DJs sind gefragt wie nie. Darüber freut sich unsere Bloggerin Virginia Gomez alias DJ TapTap trotzdem nur bedingt. Sie hat die ernüchternde Erfahrung gemacht: Viele «Berufskolleginnen» haben mehr Silikon als gute Musik zu bieten.

Mittlerweile hat sich der Begriff She-DJ etabliert, und jeder weiss, was damit gemeint ist. Vor erst zehn Jahren noch war das aber keineswegs der Fall. Im Wörterbuch sucht man diese Bezeichnung (bis heute) vergebens, denn - genau betrachtet - ist es kein korrekter englischer Ausdruck. Doch die weiblichen DJs gibt es nicht nur in Amerika. In den letzten Jahren entstand ein regelrechter globaler Boom. Und deswegen darf eine verdeutschte Version nicht fehlen, die da lautet: DJane. Oder bei den Franzosen etwas süsser: DJette.

Tatsächlich stehen diese neuen Bezeichnungen unterdessen für eine ganze Szene, und diese bietet sehr vielen jungen Frauen eine ganz neue berufliche Plattform. Momentan gibt es sogar mehr neue weibliche als männliche DJs! Was in der Schweiz mit der legendären Tatana begann, seriös und handwerklich gut, hat sich in der grossen weiten Welt jedoch inzwischen sehr verändert. Da geht es - leider! - mehr um den Look als um den Sound... Und so kam es auch schon vor, dass mein ziemlich normaler Arbeitslook etwas kritisch begutachtet wurde, wenn ich in fernen Ländern zum Auflegen erschien. Aber das, ganz ehrlich, ist für mich ein Kompliment. Ich bleibe lieber als «die mit der guten Musik und Technik» in Erinnerung und nicht als «die mit den schönen Nippel-Aufklebern».

Denn die Centerfold-Mädels haben zu oft keine Ahnung vom Handwerk. Diese Girls werden meistens ja auch nicht wegen der Musik gebucht, sondern für eine nächtliche Show mit viel Erotik und nackter Haut. Einmal fragte mich eine solche Dame sogar ganz verzweifelt, wo sie denn ihre CD reintun müsse - beim Plattenspieler... Zahlreiche Girls touren um die Welt und haben oft mehr Silikon zu bieten als guten Sound.

Wie bei allen Trends gibt es auch bei dieser Entwicklung Befürworter und Gegner. Geschmäcker sind verschieden, und so soll es sein. Das dachte ich zumindest lange Zeit... Unterdessen entlockt mir das Thema immer öfters ein Augenrollen. Nicht wegen den She-DJs selber, sondern weil die Clubgänger gerne alle Frauen in einen Topf werfen und davon ausgehen, dass keine Frau hinter den Turntables dort ist, um tatsächlich Musik zu machen. Dümmliche Anmachsprüche und falsche Erwartungen nehmen zu später Stunde zu.

Natürlich hat dieser Trend auch eine Antibewegung hervorgerufen. Frauen mit sehr viel Know-how, die es mit jedem männlichen Kollegen aufnehmen können, sind in Clubs, wo Qualität dominiert, immer noch gefragt. Um dies zu verdeutlichen und ihr Talent in den Vordergrund zu stellen, legen diese Ladys oft sehr wenig Wert auf Styling, und der Clubgänger merkt oft gar nicht, dass eine Frau am Mixer steht.

Zwei Extreme also, die beide nicht ideal sind. Ich finde: Es muss weder Feminismus noch Sexismus praktiziert werden. Die Frauen sollten sich in erster Linie einfach darauf konzentrieren, einen guten Job zu machen. Wie ihre männlichen Kollegen das ja auch tun.

Wie alle Trends wird auch dieser eines Tages wieder uninteressant werden. Und dann wird ein DJ hoffentlich einfach wieder ein DJ sein und kann sich auf die wesentlichen Dinge seines Jobs konzentrieren. Ich tue das schon heute. Und wenn man sich selber treu bleibt, dann ist man immer auf dem richtigen Weg.

Mit High Heels. Das schon. Ein bisschen Spass wollen wir Mädels doch haben.

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