Saturday Night Fever

Saturday Night Fever

Trends und Tücken im Nachtleben - scharf beobachtet von DJ TapTap.

Die MTV EMAs aus Sicht eines DJs

Virigina Gomez hat sich vergangene Nacht die MTV Europe Music Awards angeschaut und die Auftritte und Songs auf Clubtauglichkeit geprüft. Ihre ganz persönliche Musik-Kritik.
MTV Europe Music Awards EMAs 2015 Justin Bieber
© Reuters

Der Abräumer des Abends: Für Justin Bieber gabs an den EMAs 2015 fünf Trophäen.

Was beeinflusst eigentlich die Musik in den Clubs? Aktuelle Trends entstehen meist in einer Untergrund-Szene und werden dann erst einige Zeit später, oft in abgeschwächter Form, im Radio gespielt. Trotzdem gibt es ein kommerzielles Medium, das Einfluss hat: MTV. Nicht mehr der Sender generell, denn Musik spielt keineswegs mehr die Hauptrolle auf dem Kanal. Wenn jedoch die MTV Music Awards verteilt werden und die Stars der Stunde mit ihren neuen Liedern auf der Bühne glänzen, kann man davon ausgehen das alles, was clubtauglich ist, am darauf folgenden Wochenende auf den Tanzflächen der Welt ankommt.

Letze Woche fand in Zürich zum ersten Mal eine offizielle Pre-Party zur Award-Show der «European Music Awards» in Mailand vom Sonntag statt. Wir DJs versuchten ein bisschen Wahrsager zu sein und die kommenden Hits voraus zu spielen. Vieles sah ich tatsächlich kommen, denn die meisten Künstler traten am Sonntag mit Liedern auf, die nicht mehr ganz taufrisch sind. Zudem ist die europäische Version der Preisverleihung immer etwas poplastiger als die amerikanische Version. Trotzdem sorgte die Show vergangene Nacht für einige spannende Überraschungen.

Hier eine kleine Zusammenfassung:
Die Eröffnung des Abends mit MACKLEMORE & RYAN LEWIS («Downtown»)
Dieser Song ist nun nicht mehr brandneu, trotzdem in den Clubs bis jetzt nie ganz angekommen. Eigentlich eine super Nummer, der Sound ist grossartig. Jedoch ist der Refrain etwas nervig. Die Performance im 80er-Jahre-Stil war äusserst energiegeladen und sehr an das Musikvideo angelehnt. Wahrscheinlich werden in nächster Zeit viele Remix-Versionen der Gewinner des «Best Video»-Awards in den Clubs ausprobiert werden.

JASON DERULO («Want To Want Me»)
Dieser junge Herr ist seit einigen Jahren nicht mehr aus der urbanen Clubszene wegzudenken und liefert regelmässige Ohrwürmer. Bei seinem EMA-Auftritt tanzte er mindestens gleich viel, wie er gesungen hat. Ein gutes Zeichen dafür, dass es ihm die Leute auf der Tanzfläche gleichtun werden. «Want To Want Me» ist eine solide, funky Popnummer, die sich aber trotzdem besser im Radio als im Club integrieren lässt.

ELLIE GOULDING («Love Me Like You Do»)
Sie trat in einem überdimensionalen Diamanten auf. Meiner Meinung nach ist sie eine tolle Mischung aus Star und «Mädchen von nebenan» - damit bei den Frauen mindestens gleich beliebt wie bei den Jungs. Auch sie lieferte schon einige Clubkracher. Diese aktuelle Nummer ist aber eine Ballade und wird, wenn überhaupt, nur als Remix funktionieren in den Clubs.

RUDIMENTAL feat. ED SHEERAN («Lay It All On Me»)
Ich bin eh ein grosser Fan von Rudimental und die Zusammenarbeit mit Ed Sheeran war definitiv eine grossartige Idee. Das Lied ist absolut top, der Auftritt erinnerte an gute alte Zeiten, als Musik noch live gemacht wurde. Und endlich gibts mal einen Track mit Club-Potential, den man aber auch im Auto aufdrehen und mitträllern kann.

JUSTIN BIEBER («What Do You Mean»)
Seit neustem muss ich sogar eingestehen, dass der aktuelle Bieber-Sound gar nicht soooo schlecht ist. Er hat devinitiv Club-Potential, diverse Versionen sind schon seit Längerem im Umlauf. Bei seinem EMA-Auftritt bot Justin viele Tänzer auf und hatte ein abgefahrenes Multimedia-Bühnenbild, das war ein schlauer Schachzug, denn sonst wäre es langweilig gewesen. Dafür gewann er dann noch fünf Awards an diesem Abend und freute sich wie ein kleines Kind. Oh, das ist er ja eigentlich auch noch...

JESSE GLYNNE (Medley von diversen Hits)
Sie ist momentan eine der talentiertesten Künstlerinnen. Tolle Texte, tolle Stimme und ein toller Auftritt an den EMAs. Mit einer kompletten Band als Begleitung war es einer der pursten Momente des Abends. Ihre Musik fand von Anfang an den Weg in die Clubs und dies wird wohl auch in Zukunft so bleiben. Sie ist übrigens nach Sherry Cole die zweite britische Sängerin, die fünf Nummer-1-Hits in den UK landen konnte. Und das mit gerade mal 21 Jahren.

TORI KELLY («Shoul've Been Us»)
Die Frauen waren allesamt sehr stark an den diesjährigen EMAs. Tori performte, inmitten ihrer aktuellen Single, ein Medley aus 90s-RnB-Klassikern. Das würde ich gleich so in den Club importieren. Sie habe ich nun definitiv neu auf meinem Radar!

PHARRELL WILLIAMS («Freedom»)
Der Song war ja eigentlich schon ein Sommerhit. Damals fragte ich mich schon, ob es das auch so gewesen wäre, wenn ein unbekannter Künstler damit angekommen wäre... Wohl eher nicht. Das Instrumental ist aber unumstritten gut. Über Pharrells «Geschrei» kann man sich streiten. Clubtauglich ist das nur bedingt. Dafür war sein Auftritt, der Letzte des Abends, äusserst charismatisch. Und wenn man mehr auf ihn als auf seine Töne achtet, dann macht das Lied tatsächlich Spass.

Hier gibts weitere Stars und Auftritte er diesjährigen MTV Europe Music Awards.

Im Dossier: Alle «Saturday Night Fever»-Blogs