Saturday Night Fever

Saturday Night Fever

Trends und Tücken im Nachtleben - scharf beobachtet von DJ TapTap.

Was DJs und Stars backstage verlangen

Prominente haben oft Sonderwünsche, was ihre Garderoben angeht. Das gilt auch für DJs, wie Blogger DJ Ray Douglas alias Ramon Joss feststellen muss. Da bleibt er selbst doch eher bescheiden...
Nightlife Blog: Ramon Joss über Sonderwünsche (Martin Garrix)
© Getty Images

Star-DJ Martin Garrix, der mit seinem Hit «Animals» die Clubs im Sturm erobert hat, verlangt bei seinen Gigs 100 Tiermasken.

Kürzlich kam mir zu Ohren, dass Calvin Harris die Angewohnheit hat, sich den Weg zu seinem Backstage-Bereich jeweils durch Pfeile am Boden der Gänge kennzeichnen zu lassen. Klingt komisch, macht aber irgendwie Sinn, was längst nicht bei allen Wünschen von Star-DJs der Fall ist.

Dass Steve Aoki ein Gummiboot und eine Torte benötigt, ist ein alter Hut. Aber wusstet Ihr, dass der Elektroclown auch auf drei Tuben Zahnpasta, sechs - mit jeweils 50 Euro geladenen - Prepaid-SIM-Karten und sechs paar Männersocken besteht? So zumindest am Creamfields-Festival, das vergangenes Weekend in Halton, England, über die Bühne ging.

Dem renommierten «Mixmag»-Magazin sind noch mehr Wunschlisten - also sogenannte «Riders» - in die Hände gefallen. EDM-Youngster Martin Garrix beispielsweise braucht nicht allzu viel. Er möchte nur für die Zuschauer sichtbar sein - und hundert (!) Tiermasken zur Hand haben.

Andere legen lediglich Wert auf eine bestimmte Ernährung, oder einen Ersatz dafür: Labelboss Claude Vonstroke wünscht eine Dose Multivitamintabletten, drei Proteinriegel und zwei Proteinpulver-Pakete, die jeweils eine volle Mahlzeit ersetzen.

Wer so lange im Geschäft ist wie Fatboy Slim, entwickelt offensichtlich einen gewissen Humor, was die Wunschliste angeht. Am Creamfields wollte er unter anderem einen Laib Pumpernickel-Brot, «oder ein ähnliches, weizenfreies Brot, das nicht aus Karton hergestellt ist» und «einen Eimer selbstgerechte Erdnussbutter aus einem Reformhaus». Mein persönlicher Favorit unter seinen Wünschen ist aber definitiv: «Richtige Teller, Besteck, Servietten und echte Gläser. Das ist keine Justin-Bieber-Show, wir sind alle wohlerzogen - zu einem gewissen Grad.»

Etwas problematischer dürfte sich die Beschaffung der Nahrung für den eingangs erwähnten Calvin Harris gestaltet haben. Ich zumindest habe keinen Schimmer, was die Goji-Beeren sind, die er verlangt, oder was er mit «Chia-Samen für sein Kombucha» meint. Auch der gewünschte Manuka-Honig mutet eher exotisch an, und man kann für denjenigen, der für Harris verantwortlich war, nur hoffen, dass ein Starbucks in der Nähe des Geländes war - an einem kalten, frisch gebrauten Americano-Kaffee hätte der Superstar wohl keine Freude gehabt.

Auf das wirklich Wichtige konzentriert sich Altmeister Tiesto. Ihm genügen jede Menge Jägermeister, Grey Goose, Plastikbecher - und eine Umkleidekabine, die in Kerzenschein gehüllt ist.

Sind diese Wünsche schräg, übertrieben und grössenwahnsinnig? Keineswegs, denn DJs sind noch heilig im Vergleich zu Pop- und Rockstars. Justin Timberlake soll bei seinem Aufenthalt in Zürich verlangt haben, dass das Personal des Dolder Grand ihn nicht anspricht. Madonna nimmt ihre eigenen Möbel mit auf Tour. Die Bloodhound Gang verlangte einmal einen Rhesusaffen, Mötley Crüe eine Maschinenpistole und Marilyn Manson eine glatzköpfige, zahnlose Prostituierte. Letzteres war laut seinem Management ein Scherz - wobei, man weiss bei ihm ja nie.

Ich für meinen Teil lerne von den Grossen, bleibe aber bescheiden. Zu meiner Inspiration und für meine innere Ruhe stelle man mir ab sofort einen Raum der Schwerelosigkeit, einen Dodo und Emma Watson zur Verfügung. Lang lebe der Wahnsinn.

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