Saturday Night Fever

Saturday Night Fever

Trends und Tücken im Nachtleben - scharf beobachtet von DJ TapTap.

Gut gesampelt ist halb gewonnen

Einfach so beim Kollegen die Melodie abkupfern? Im Musikbusiness weit verbreitet. Auch Ramon Joss alias DJ Ray Douglas findet Sampling nicht schlimm - immerhin sind so schon Welthits entstanden. In seinem neusten Blogbeitrag fasst er fünf Beispiele zusammen.
Pharell Williams, Daft Punk und Nile Rogers «Get Lucky» Grammy Awards
© Getty Images

Alles nur geklaut? Für ihren Überhit «Get Lucky» mit Pharrell Williams und Nile Rodgers kupferten Daft Punk bei Edwin Birdsong ab.

Sich bei anderen zu bedienen ist im Musikbusiness gang und gäbe. Viele tun es, die einen fair, andere, wie Kanye West, ziehen den Urheber der verwendeten Klänge gern mal über den Tisch. So oder so sind schon unzählige Hits dank Inspiration durch einen schon veröffentlichten Song oder die Kopie dessen, wie immer man will, entstanden. Bei vielen würde man es nicht auf Anhieb vermuten - so erging es mir zumindest bei den folgenden fünf:

OLIVER $ & JIMI JULES - «PUSHING ON»
Man nehme den Gesang von dem einen und die Melodie von dem anderen Song, lege einen knackigen Beat drunter - und fertig ist DER House-Hit dieses Sommers. Klingt ein bisschen sehr einfach, war aber bestimmt viel Arbeit - die sich gelohnt hat. Die Kollaboration des Hamburgers mit unserem Schweizer Sympatico hat eingeschlagen wie eine Bombe, zu Recht. Die beiden Originalsongs, einer davon übrigens von der legendären Grace Jones, sind an sich schon toll. Wie die beiden sie zusammengeschustert haben, grenzt ans Geniale. Anhören und vergleichen kann man hier.

DAFT PUNK - «HARDER, BETTER, FASTER, STRONGER»
Das kongeniale Duo ist kreativ wie kaum ein anderes, keine Frage. Und kennt sich bestens aus mit der Disco-Ära, offensichtlich, denn fast alle ihre früheren Songs, man höre und staune, sind «geklaut», «Harder, Better, Faster, Stronger» aus dem Jahre 2001 sogar 1:1. Die beiden Franzosen haben die Melodie von Edwin Birdsongs «Cola Bottle Baby» einfach ein bisschen verschnellert - wers nicht glauben mag kann sich hier davon überzeugen. Ihrem Flair für Disco blieben die zwei auch bei ihrem Monsterhit «Get Lucky» treu - die Gitarre spielt Chics Nile Rodgers. Übrigens, es lohnt sich, sich die Werke mal anzuhören, bei denen sich Daft Punk bedient haben, darunter sind einige kaum bekannte Perlen der Musikgeschichte.

MODJO - «LADY (HEAR ME TONIGHT)»
Bleiben wir bei den Franzosen, bei Duos, bei Disco und bei Chic. Modjo landeten 2001 mit ihrem einzigen Album einen Grosserfolg und schufen mit «Lady» einen meiner absoluten Lieblings-Sommerhits. Auch sie kramten eine Melodie aus den späten Siebzigern hervor - sie bedienten sich bei Chics «Soup For One». Reinhören und die Sonne reinlassen!

MARRS - «PUMP UP THE VOLUME»
Wer hats erfunden? Für einmal nicht wir Schweizer. Einer der ersten populären Vorreiter in Sachen Sampling war «Pump Up The Volume» des britischen House-Projekts MARRS. Der Charthit von 1987 enthält Elemente von sage und schreibe 26 anderen Songs, und ohne ihn hätte es viele Hits wohl nie gegeben. Ab in die 80er gehts hier.

FATBOY SLIM - «PRAISE YOU»
Eine Melodie für die Ewigkeit, genial komponiert von einem der Godfathers der elektronischen Musik... nicht ganz. Die enorm eingängigen Klänge vom Welthit aus dem Jahre 1998 stammen von einer völlig unbekannten Test-LP, der Mann aus Brighton filterte die fünf Töne aus dem Stimmengewirr heraus und verewigte sie. Und auch der Gesang entstammt nicht seiner Feder. Fatboy Slim kombinierte die Elemente zu einem grossartigen Song, wurde damit zum Weltstar und bewies: besser gut gesampelt als schlecht selbst gemacht!

Weitere «Saturday Night Fever»-Blogs finden Sie im SI-online-Dossier.