Saturday Night Fever

Saturday Night Fever

Trends und Tücken im Nachtleben - scharf beobachtet von DJ TapTap.

Party mit der High Society

Es gibt Clubs für ein gehobenes Klientel. Es gibt sehr exklusive Member-Clubs. Und zu guter Letzt gibt es das Jimmy'z in Monaco. Genau da arbeitete Bloggerin Virginia Gomez alias DJ TapTap am Wochenende. 

Rauschende Partynächte, in denen der Champagner in Strömen fliesst, die Schönen und Reichen hemmungslos feiern, Geld keine Rolle spielt und nur das Beste gut genug ist… Manch einer denkt hier an das dekadente Saint-Tropez - die Bilder sieht man ja oft genug im Fernsehen oder den Medien. Dies ist in Wahrheit jedoch nicht der Ort, an dem sich die High Society im Sommer trifft. Nein. Der wahre Ort des Geschehens heisst Monte Carlo und dort gibt es seit 40 Jahren nur eine Adresse. Dort werden seit vier Jahrzehnten Geschichten geschrieben, die sich unter Ausschluss der Öffentlichkeit abspielen: Im sagenumwobenen Jimmy'z. Umgeben von Milliardären, A-List-Celebritys, Aristokraten und Models, hatte ich letzte Woche meinen Arbeitsplatz.

Das erste Highlight erwartete mich schon am Flughafen in Nizza, denn mein Taxi war ein Helikopter - nicht ganz verwunderlich bei einem Club mit eigenem Heli-Landeplatz, aber trotzdem ziemlich cool. Dann ging es zum Soundcheck. Gefolgt vom ersten Betreten des Clubs, welcher eine offene Front mit Aussicht aufs Meer hat und einen verspielten Garten inklusive Brücke, über die man zum hinteren Teil gelangen kann. Drinnen wird also getanzt, draussen entspannt.

Ein paar Dinge mussten noch besprochen werden, denn ich war Teil des Kick-offs für Hip-Hop- und R'n'B-Musik im Jimmy'z. Das gab es in den letzten vierzig Jahren tatsächlich noch nie! Zudem musste ich mich darauf einstellen, dass mein Set jeweils unterbrochen werden könnte - beim Verkauf der grossen Magnum Flaschen werden verschiedene Melodien gespielt. Das ist so Brauch und alle DJs - egal ob Calvin Harris oder Bob Sinclar - müssen da durch. Zu dem Zeitpunkt dachte ich mir noch nicht viel dabei.

Ein paar Stunden später. Der Club war rappelvoll (und dies trotz Konkurrenz von David Guetta nebenan in Cannes) und wir alle gespannt, wie die musikalischen Neuerungen im Jimmy'z ankommen würden. Doch schon bevor ich starten konnte, waren die ersten Magnum-Jingles gefragt.

Wir Schweizer sind uns ja einiges gewohnt, wenn es um Preise in den Clubs geht. Vor allem in Zürich oder Genf gibt man locker hundert Franken aus, bloss um den Eintritt, die Garderobe, das Taxi und die erste kleine Runde Drinks abzudecken. In vielen anderen Ländern entspricht dies einem Vermögen und die Menschen schütteln fassungslos die Köpfe ob einer solchen Summe. In Monaco ist dies ebenfalls unvorstellbar. Hundert Euro sind höchstens ein angemessenes Trinkgeld…

Ich startete guten Mutes mein Set und versuchte nebenbei auszurechnen, was diese paar riesigen Flaschen wohl gekostet haben, wurde aber in meinen Überlegungen gestört - denn schon war es Zeit für den nächsten Jingle. Echt jetzt?

Nach etwa einer Stunde Spielzeit hatte sich das Ganze dann eingependelt, die Musik funktionierte bei dem Publikum. Es machte Spass und alle waren soweit happy. Natürlich aber war der Abend noch lange nicht vorbei, die nächste Überraschung wartete schon. Bono von U2 und sein Freund Michael Stipe (der Sänger von R.E.M.) waren eingetroffen und Bono hätte gerne etwas «Irish Folk» gehört. Aber leider waren zuerst die Jingles wieder dran.

Als die Morgendämmerung nahte, war ich dann fertig mit dem Auflegen - aber keinen Schritt weitergekommen beim Ausrechnen des Champagner-Umsatzes. Allerdings gab es unterdessen auch Wichtigeres, nämlich die Aussicht auf ein paar wenige Stunden Schlaf... Gerade wollte ich vor dem Club noch ein paar Maybachs und Bentleys bestaunen, als plötzlich der Resident DJ rausgerannt kam und rief, ich hätte was vergessen. Erstaunt schaute ich ihn an, da schwenkte er grinsend eine CD und meinte: «Du möchtest doch bestimmt die Jingles mit nach Hause nehmen?!» Wir brachen in schallendes Gelächter aus. Ein Prinz aus Kuwait schaute uns perplex an.

Oh Monaco, du hast dir einen Platz in meinem Herzen verdient.

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