Saturday Night Fever

Saturday Night Fever

Trends und Tücken im Nachtleben - scharf beobachtet von DJ TapTap.

Im Openair-Getümmel statt im Club-Zelt

Für einmal war Virginia Gomez nicht als Act gebucht, sondern hat für zwei Openairs die Seite gewechselt. In der Meute statt hinter den Plattentellern - eine völlig neue Erfahrung für DJ TapTap.

Über Dinge schreiben, die man selber nicht erlebt hat, ist irgendwie uncool. Dachte ich mir letzte Woche und beschloss spontan, die ersten zwei Openairs auf meiner Liste des letzten Blogs zu besuchen. Dank Zwangsferien wegen eines verpatzen Arbeitsvisums in Asien hatte ich Zeit, mir alles ohne Hektik anzuschauen. Und es hat sich gelohnt! Ein paar Momente werde ich wohl nicht so schnell wieder vergessen.


ROCK THE RING
Eine eher kleine und übersichtliche Veranstaltung. Drei Dinge fielen sogleich auf: 1. Das Festival war top organisiert. Von den Wegweisern bis hin zum Personal auf dem Gelände. 2. Das Gelände befand sich auf einem Fahrtrainings-Zentrum, weshalb es Betonboden und keine Wiese hatte (was sich bei Regenwetter auszahlte) 3. Es gab kein Camping auf dem Gelände und somit auch hauptsächlich «saubere» Konzert-Besucher.

Vom Parkplatz direkt in den VIP-Bereich hinein, ohne grossartiges Anstehen oder sonstige Umstände. Schon mal eine Überraschung an einem Openair. Den Auftakt des Abends verpasste ich, weil wir damit beschäftigt waren, den wirklich komfortablen VIP-Bereich zu erkunden. Hier war alles blitzblank sauber und besser ausgestattet als manch ein Künstler-Backstage-Bereich an anderen Openairs. Wunderbares Essen, Live-Unterhaltung (eigens für diesen Bereich) plus Tribünenplätze mit bester Sicht auf die Bühne.

Die meisten Gäste freuten sich hauptsächlich auf Limp Bizkit, wie ich nach einigen Unterhaltungen feststellte. Nun war aber zuerst Papa Roach dran. Von ihnen kannte ich nur die alten Musiktitel und wusste nicht einmal, dass sie noch immer sehr aktiv sind. Langer Rede kurzer Sinn: Das Konzert riss uns alle von den Socken! Unglaublich energetisch, top professionell und mit alten wie neuen Hits, die definitiv rocken. Das Publikum tobte und irgendwie waren die schönen Tribünen-Plätze nun nicht mehr so verlockend, weil man so etwas in der Menge miterleben sollte. Dieses Konzert überzeugte in jeder Hinsicht.

Nach einer kurzen Pause dann Limp Bizkit. Gleich zu Beginn war es etwas verwirrend: Der einst freche Fred Durst hatte sich anscheinend über die Jahre in einen bärtigen, ganz in weiss gekleideten «Messias» verwandelt, der auch noch fast das Intro verpasst hat und etwas zu spät auf die Bühne getorkelt kam. Ich rechnete fest damit, dass das Teil des Konzepts sein musste. Alle seine Texte konnte er perfekt und rockte jeden Song. Dazwischen jedoch benahm er sich wirklich seltsam, sprach über Drohnen über seinem Kopf, bat das Publikum sich zu küssen oder betrachtete fasziniert sein Gesicht auf der Grossleinwand... Zu guter Letzt entfernte er sich relativ abrupt von der Bühne und hinterliess uns staunend zu «Staying Alive» von den Bee Gees... Bin mir nicht sicher, ob ich jemals in meinem Leben eine seltsamere Performance gesehen habe. Das Publikum jedoch war so friedlich, fröhlich und tolerant, dass die Party trotzdem weiterging. Bestimmt bis in die frühen Morgenstunden.

TOUCH THE AIR
Am nächsten Tag ging es in Richtung Wohlen. Hier hörte ich schon vorab Geschichten von Schlammschlachten und drohenden Unwettern. Jedoch blieb am Ende zum Glück alles trocken. Sogleich stellte sich hier das Openair-Feeling ein. Überall Zelte, überall Musik und viel Gelächter.

Den VIP-Bereich konnten wir nirgends wirklich ausmachen, aber das war auch egal, denn ich wollte das Gelände erkunden: von den kleineren Partyzelten, zu den Verpflegungsständen, zum elektronischen Bereich, bis hin zur Hip-Hop-Bühne. Bei der letzten Station verweilte ich dann auch, schaute mir die Konzerte von Kool Savas (sehr motiviert und symphatisch), Mobb Deep (energetisch und gaben sich richtig Mühe) und Common (er hat sie alle weggefegt) an. Hier war bei den ersten beiden Konzerten aber das Problem, dass die Akustik nicht ganz so top war und man teilweise gleichzeitig den Sound des «Electric Ballroom» hörte. Wahrscheinlich ist dies für DJ-Ohren allerdings schlimmer als für normale. Bei Common, der mit Live-Band spielte, war die Akustik jedoch perfekt und das Konzert ein Highlight.

An diesem Openair war das Publikum sehr gemischt. Wahrscheinlich hätte man eine Studie über alle Arten von Teenagern und Jugendlichen durchführen können. Trotzdem war die Stimmung auch hier entspannt und friedlich. Angenehm auch die Weitläufigkeit des Geländesl. Und trotzdem wars nicht zu gross.

Nach einigen Stunden in der wilden Meute beschloss ich dann gegen Ende des Abends doch noch im Backstage-Bereich vorbeizuschauen und mir eine kleine Pause zu gönnen. Hier war natürlich alles perfekt und sauber gehalten, so dass man sich gar nicht mehr bewusst war, eigentlich auf einem Festivalgelände zu sein. Zudem war es sehr ruhig und abgesehen von mir lümmelte fast niemand herum. Ausser Prodigy von Mobb Deep (hier muss ich anmerken, dass diese Rap-Crew zu den absoluten Helden meiner Kindheit gehört). Ich versuchte natürlich, mir nichts anmerken zu lassen, aber das gelang mir nur bedingt. Sehr zum Amüsement meiner Freunde...

So oder so war es interessant, einmal ein Openair Wochenende als Gast und nicht als Act zu erleben. Es macht schon wahnsinnig Spass, und ich verstehe es absolut, wenn jemand im Sommer lieber an ein Openair pilgert und nicht in einen Club. Meinen Segen habt Ihr...

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