Saturday Night Fever

Saturday Night Fever

Trends und Tücken im Nachtleben - scharf beobachtet von DJ TapTap.

Blick zurück: So feierten unsere Grosseltern

Machten unsere Grosseltern am Wochenende eigentlich Party? Ja! Und wie! Bloggerin Virginia Gomez alias DJ TapTap hat sich mit der 87-jährigen Selina unterhalten und verblüffende Ähnlichkeiten zum heutigen Ausgeh-Verhalten festgestellt.
Blog Saturday Night Fever Virginia Gomez mit Rentnerin Selina
© Virginia Gomez

Im Interview mit Virginia Gomez plaudert Rentnerin Selina aus dem Nähkästchen.

Manchmal ist es schwer vorstellbar, dass unsere Grosseltern auch mal jung waren. Noch weit entfernt davon, weise zu sein, dafür mit jeder Menge Flausen im Kopf. Habt Ihr Euch auch schon gefragt, wie es anno dazumal wohl zu- und hergegangen ist? Nach einer kleinen Umfrage in meinem Freundeskreis, fand ich heraus, dass niemand so wirklich wusste, wie die Grosseltern die Wochenenden verbrachten. Feierten sie damals überhaupt?

Ich hatte das grosse Glück, mich mit der 87-jährigen Selina unterhalten zu dürfen, die sich noch haarscharf an Einzelheiten erinnert und mich gleichermassen zum Staunen wie zum Lachen gebracht hat.

Wie und wo wart Ihr im Ausgang?
Es gab in der ganzen Umgebung Tanzlokale, die wir je nach Lust und Laune besucht haben. Den Zug in andere Dörfer konnten wir uns nicht leisten, auch in der Schweiz ging es den Menschen finanziell nicht rosig nach dem Krieg. Deswegen gingen wir auch weite Strecken zu Fuss. Aber das war nicht schlimm, wir hatten sehr viel Spass, waren in Gruppen unterwegs, und es wurde viel gelacht. Vor allem den Heimweg verkürzten wir uns gerne mit Liedern, die wir laut sangen.

Gab es Einlasskontrollen?
Ja, hauptsächlich wegen des Alters. Man musste 18 oder älter sein.

Wann seid Ihr denn in den Ausgang gegangen?
Da wirst du jetzt staunen: Auch wir waren immer am Wochenende aus. Oftmals sogar schon unter der Woche oder auch am Sonntag. Die Abende waren wahrscheinlich länger als bei Euch. Wir starteten etwa um 21 und kamen trotzdem meistens erst im Morgengrauen nach Hause. Ich erinnere mich an viele Tage, an denen ich ohne Schlaf zur Arbeit oder ab und zu sogar in die Kirche ging. Da ticken junge Leute wahrscheinlich schon seit Urzeiten gleich.

Wie habt Ihr Euch gekleidet?
Das Aussehen war natürlich auch zu unserer ein wichtiger Punkt. Jedoch hatten wir weder das Geld, noch eine grosse Auswahl an Kleiderläden. Deswegen nähten wir unsere Outfits selber. Dafür war jede von uns individuell und massgeschneidert angezogen. Wir verliessen das Haus in anständigen Röcken, die anschliessend natürlich nicht so blieben. In dieser Hinsicht waren wir Mädels nicht anders als die von heute.

Habt Ihr geflirtert?
Aber natürlich! Auch rumgeschmust haben wir nächtelang. Einzig bis zum Geschlechtsverkehr kam es nicht. Dies hatte aber weniger mit Religion oder Scham zu tun, sondern viel mehr mit fehlenden Möglichkeiten zur Verhütung.

Was habt Ihr getrunken?
Viel Wasser oder Kaffee, ab und zu auch Süssgetränke. Alkohol war zu unserer Zeit kein Thema. Deswegen hatten wir wahrscheinlich auch die Energie, nächtelang zu tanzen und danach noch nach Hause zu marschieren.

Welche Musik war angesagt?
Ganz unterschiedliche Paartänze und die entsprechenden Lieder dazu. Immer von Live-Musikern gespielt. DJs oder Sound von Bands gab es noch nicht. Auch bei uns änderten sich die Trends und Vorlieben, es gab neue Musik und dazu auch neue Tanzschritte. Einmal, ich muss noch immer grinsen wenn ich daran denke, war der «Spiru» total angesagt. Ich war aber noch nicht damit vertraut, trotzdem überredeten mich meine Freunde, es auszuprobieren. Bei diesem Tanz gab es Stellen, wo man in die Knie gehen musste und dann wieder aufstehen. Ich tat natürlich die ganze Zeit das falsche und war nicht im Takt. Schlussendlich tanzten alle um mich herum.

Vielen Dank liebe Selina für das Gespräch! Du bist eine Granate und hast mir deutlich vor Augen geführt, dass man mit der richtigen Einstellung in jedem Alter Spass haben kann und sollte.

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