Saturday Night Fever

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Trends und Tücken im Nachtleben - scharf beobachtet von DJ TapTap.

Zwei neue Clubs für Zürich West

Das «Les Amis» und das «Wow» könnten eine Wiederbelebung des Förrlibuck-Quartiers bedeuten. Doch die Vorzeichen der beiden neuen Clubs stimmen DJ und Blogger Ramon Joss eher pessimistisch.
Zürich-West Förrlibuck-Quartier
© Getty Images

Blogger und DJ Ramon Joss weiss: Zürich ist ein hartes Pflaster, was Nachtclubs angeht. 

Clubopenings waren in diesem Jahr in Zürich eher rar. Gleich zwei neue Lokale öffnen nun im Dezember ihre Türen - die zwei Minuten Fussmarsch voneinander entfernt liegen. Sie könnten die Wiederbelebung des Förrlibuck-Quartiers bedeuten, welches einst mit der «Dachkantine», der «Tonimolkerei» und dem «Q» das Epizentrum durchtanzter Nächte darstellte. Könnten - doch die Vorzeichen stimmen pessimistisch. Schauen wir uns zuerst das «Les Amis» an, dass dieses Wochenende Eröffnung feierte. Die Räumlichkeiten der ehemaligen Flop-Clubs «Sky Society», «Crystal Lounge» und «Club Zürich» wurden komplett umgebaut und kommen chic daher. Das Konzept des Betriebes dürften Optimisten mutig nennen, Skeptiker würden es als konfus betiteln: Das «Les Amis» soll gleichzeitig Edelclub und 24-Stunden-Take-Away sein, das passende Schild im New-Point-Stil ist auch schon vor Ort. Egal zu welchem Typ Mensch man sich zählt - speziell ists auf jeden Fall. Das Programm verspricht fürs erste einiges an Qualität: Mit Sonny Fodera wurde fürs Opening ein hype Act aus dem House-Bereich geholt, tags darauf stand mit Jamie Lewis ein Mann mit verdientem Legendenstatus an den Decks. Auch der eine oder andere kompetente und erfolgreiche Fremdveranstalter ist im «Les Amis» an Bord.

Der zweite neue Club bezieht Quartier in den Hallen des ehemaligen Club «Q» und heisst schlicht «Wow». Der Name entlockt Dir ein Schmunzeln? You are not alone. Wie auch immer. Dort werden künftig die Betreiber des ehemaligen «Opera» und jetzigen «Princesse» in Luzern am Werk sein. Wie bereits in Luzern setzen sie bei den meisten Anlässen auf freien Eintritt. Ob damit die Rechnung aufgeht in einem Lokal, dass Gerüchten zufolge pro Monat an die 40'000 Franken Miete kostet und für das man bei full house wohl gut und gerne 25 Türsteher pro Nacht aufbieten muss, um die Sicherheit zu gewährleisten - das sei den Verantwortlichen überlassen. Unter diesen Voraussetzungen dürfte es auf jeden Fall eine Herausforderung sein, auch noch ein konkurrenzfähiges und anspruchsvolles Programm auf die Beine zu stellen. Wenn das nicht gelingt, haben sie aber wenigstens schon Mal ein DJ Pult in Ufoform, das ich so ähnlich vor etwa 15 Jahren mal in einer deutschen Grossraumdiscothek gesehen habe. 

Ob die beiden Clubs sich auf Dauer auf dem bekanntlich harten Zürich-Pflaster behaupten können, bleibt abzuwarten. Es dürfte alles andere als einfach werden. Aber über die Jahre hat es sich immer wieder gezeigt, dass das Nightlife nach ganz eigenen Gesetzen funktioniert. Selbst die erfahrensten Profis sind schon mit den durchdachtesten Plänen auf die Nase gefallen, während Hobbyclowns mit Chaos reüssierten, und Konzepte, auf die keiner einen Pfifferling gab, gingen auf einmal auf - siehe Mausefalle.

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