Saturday Night Fever

Saturday Night Fever

Trends und Tücken im Nachtleben - scharf beobachtet von DJ TapTap.

Schweiz vs. England

Silvester war ich für 24 Stunden in England. Am lustigsten fand ichs auf dem WC, wo das Urlaubs-Klischee bestätigt wurde: Die Frauen hatten alle Extensions, quetschten sich in die engsten Röckli und waren sturzbetrunken. Eine Nacht voller Lacher, Hairspray und schlussendlich - einem blauen Auge.

Ja, ja, ja - nach meinem letzten Blog fragen mich jetzt alle: Uuuund, war dein Silvester wieder ein Reinfall? Die Frage ist nicht so leicht zu beantworten. Bis um 4 Uhr morgens war alles toll. Friede, Freude, Pustekuchen. Danach gabs eins aufs Auge. Aber konzentrieren wir uns erst mal auf den lustigen Teil des Abends. 

Kennt ihr Jersey Shore? Die Sendung, die trashiger ist als alle Bachelors und Dschungelcamps zusammen? Acht solariumbraunrote Twens sitzen irgendwo an der Küste von Jersey, lassen sich vollaufen, prügeln, betatschen sich abwechslungsweise und werden dabei von MTV begleitet. Genau wie diese Ladys sehen auch die Frauen in Maidstone aus. Jedenfalls die, die wir gesehen haben. An Silvester erlitten wir in der Kleinstadt im Süden Englands einen kleinen Kulturschock.
 Ich und meine Freundin hatten uns schön zurechtgemacht für den Abend. Weil Silvester war, durfte noch bizzli mehr Schminke auf die Visage, und das Outfit war für unsere Verhältnisse eher auf der gewagten Seite. Aber nach dem ersten Toilettenbesuch kamen wir uns vor wie zwei Naturburschen, die sich nicht mal die Achselhöhlen rasieren. Vermutlich haben alle Ladys dieser 75'000-Seelenstadt Extensions - mehrheitlich blonde -, und alle lassen sich die Wimpern verlängern, und alle, aber wirklich alle, tragen ganz kurze Röckli mit grossem Ausschnitt. Auch die, die bei uns ihre Figur eher kaschieren würden. Das fand ich wiederum cool - die lassen sich nix vorschreiben, nur weil sie ein paar Kilo mehr auf den Rippen haben. In Maidstone wird gequetscht, bis es passt.

Jedenfalls gibts dort in den Clubs Streckeisen auf den WCs, es wird geschminkt, rumgebrüllt, und spätestens, als eine anfing, uns ins Ohr zu schreien «Have you got hairspray?, fuck, I forgot my haaaaairspray!» wären wir am liebsten da geblieben, um uns diese private Reality-Show weiter reinzuziehen. Um etwa 22.30 Uhr, nach unseren ersten 10 Minuten auf dem Dancefloor, sahen wir die erste im Vollrausch zu Boden gehen. Wir total schockiert: «Heisch gseh, ui, mega piinlech!» Die Leute um sie herum fandens glaub eher normal, sie halfen ihr auf und tanzten weiter. Es war, wie wenn man betrunkene Engländer den Ferien sieht - nur dass man sich mitten unter ihnen befindet.

Später fuhren wir nach London in eine andere Location... Ich war wohl die einzige unserer Truppe, dies dort cool fand. Die Mädels sahen aus wie wir, Haareisen gabs hier auch nicht auf dem WC, ich fühlte mich wohl. Bis meine Freundin ständig von einem Typen angemacht wurde, sie sich belästigt fühlte, ihr Freund dazwischen ging und dem Anmacher verklickerte, er solle gefälligst das Weite suchen. Der Anmacher fühlte sich wohl in seiner Ehre verletzt, verpasste ein blaues Auge und zerstörte die Sehbrille des Dazwischengehers. Mein Freund  der am Auflegen war, musste seinen Gig zwei Stunden zu früh abbrechen, und der Abend endete, wie es bei mir Silvestertradition hat: in einem Desaster. Aber das hatte ich mir ja schon gedacht.

Maidstone kann ich trotzdem empfehlen. Klappstühle und Drinks aufs WC mitnehmen, Popcorn bereithalten und sich die Ladys reinziehen. Lohnt sich allemal.