Saturday Night Fever

Saturday Night Fever

Trends und Tücken im Nachtleben - scharf beobachtet von DJ TapTap.

Quo vadis, Schweizer Jugend?

In welche Richtung bewegt sich unsere Jugend? Diese Frage stellt sich Blogger Ramon Joss. Statt eine Antwort findet er noch mehr Fragen.
Teenager Jugend kiffen Folgen Smartphone Computer
© Getty Images

Laut einer Untersuchung kiffen Jugendliche weniger, weil sie mehr Zeit vor dem Computer verbringen.

Vergangene Woche war in der Presse zu lesen, dass die Schweizer Jugendlichen so wenig trinken, kiffen und rauchen wie nie zuvor. Eine gute Nachricht. Weiter war zu lesen, dass sie die Freizeit mehr zu Hause vor dem Computer und mit dem Smartphone verbringen. Und ein Experte meinte, dass es nicht mehr so oft vorkomme, dass sich Junge spontan treffen und beispielsweise am See zusammen ein Bier trinken oder einen Joint rauchten. Das stimmte mich nachdenklich.

Viele junge Menschen, die ich treffe, nennen als vorrangige Ziele eine solide Ausbildung und einen sicheren Job, mit dem sie anständig verdienen. An dieser Haltung ist nichts falsch. Grundsätzlich. Denn ich wüsste nicht, wann mir das letzte Mal jemand als Ziel beispielsweise die Gründung einer Band genannt hätte.

Leben wir in einer Zeit, in der wir uns unbewusst mehr denn je daran orientieren, was uns medial als erstrebenswert präsentiert wird? Wäre es möglich, dass stundenlanges, einsames Rumpröbeln für das perfekte Selfie und die daraus resultierenden «likes» sinnbildlich dafür sind, was im Jahr 2015 zählt? Eine Form von Status, der weder aus Leistung noch aus Charakter entsteht?

In dem Artikel war ebenfalls die Rede davon, dass Jugendliche die Konsequenzen von Suchtmittelkonsum durchaus kennen. Was geschieht, wenn sich der eine oder andere irgendwann einmal bewusst macht, was es bedeutet, gewisse Dinge in der Jugend zu unterlassen?

Killt Sicherheitsdenken Kreativität? Lebt es sich ohne Rausch bewusster? Laufen wir Gefahr, zu einer Generation zu werden, die konsumiert, was ihr hingestellt wird? Die sich und der Welt nur noch von ihren Überstunden und Fitnessprogrammen zu erzählen hat? Die konform gekleidet durch diese wunderbare Welt wandelt, ohne sie wirklich wahrzunehmen? Der Ausbruch ein Fremdwort ist, weil sie nicht wüsste, woraus sie ausbrechen sollte? Die in Betonklötzen lebt, die vor wenigen Jahren noch Sinnbild für alles waren, was die Jugend damals hasste? Haben jene, die damals als Spiesser und Konformisten verschrien waren, obsiegt? Ist es besser, ein Leben lang in einer Art Wachkoma zu verbringen, als sich gelegentlich Richtung Koma zu saufen?

Ich weiss es nicht. Aber ich finde es nicht verkehrt, sich diese Fragen zu stellen.

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