Saturday Night Fever

Saturday Night Fever

Trends und Tücken im Nachtleben - scharf beobachtet von DJ TapTap.

Silvester? Für 'n Arsch!

Der 31. ist bei mir traditionell ein Reinfall. Entweder ist die Party miserabel, es gibt Streit oder das Allerschlimmste: Ich hocke alleine zu Hause.

Mit 16 war ich zum ersten Mal an einer Silvesterparty. Ich habe mich so gefreut und mir extra ein Glitzerkleid gekauft (damals atemberaubend, heute das schlimmste Outfit, das ich mir vorstellen kann. Und ja, ich habe weisse Handschuhe und Buffalo’s dazu getragen und wenn ich ganz ehrlich bin, hatte ich auch - Schande über mich - einen Nuggi um den Hals hängen. Aber hey, damals war der Rave-Style das Nonplusultra...). Jedenfalls sind wir mit unserer Clique nach Bern gefahren und konnten den Countdown kaum erwarten. Dann: 24.00 Uhr! Hurra, juhee und trallalla, alle gaben sich ein Küssli, es war vorbei, das Jahr 1998 hatte begonnen, ich war enttäuscht. Ich hatte etwas Grosses erwartet: grosse Gefühle, grosse Veränderung - aber nicht nichts dergleichen. 98 begann genau so, wie 97 geendet hatte.

Als wirkliches Highlight ist mir kein Silvester in Erinnerung geblieben, ein paar dafür als absolute Tiefpunkte. Für immer eine Narbe in meiner zarten Seele hinterliess der Jahreswechsel 07/08. Ich hatte eigentlich ausgemacht, dass ich mich mit Freunden zum Dinner treffen würde, leider legte mich eine fiese Grippe flach. Es muss einem echt beschissen gehen, wenn man sich am 31. nicht aufraffen kann, für zwei Stunden das Haus zu verlassen. Deprimiert lag ich auf dem Sofa, tröstete mich mit dem Gedanken an den Schämpis im Kühlschrank, den ich um Viertel vor 12 dann auch köpfte. Mann, war das trostlos: Um Mitternacht stellte ich mich mutterseelenallein auf den Balkon, hörte die Menschen in meiner Nachbarschaft lachen und anstossen und «Happy New Year» rufen, und ich hätte mich, wäre der Selbstmord vom Balkon im ersten Stock nicht aussichtslos gewesen, auf der Stelle in die Tiefe gestürzt. 

Die letzten beiden Jahre waren auch nicht rosig: Da mein Freund Musiker ist und am 31. immer arbeiten muss, begleite ich ihn jeweils, damit wir wenigstens zusammen sein können. Vorletztes Jahr war er total gestresst, und wir kriegten uns um 23.00 Uhr dermassen in die Haare, dass wir uns erst nach 01.00 wieder versöhnten. Letztes Jahr hatte ich die glorreiche Idee, zwei Mädels zu einem Gig meines Freundes mitzunehmen, die ich beide wahnsinnig mag, die aber nicht wirklich gut miteinander können. Wir betranken uns schon vor der Party ordentlich, vielleicht hatte ich deshalb das Gefühl, dass an dem Abend die Chemie aber so was von stimmte zwischen ihnen.

Nooot! Irgendwann wurde die Eine wegen irgendwas sauer auf die Andere, ich mischte mich ein, der Streit breitete sich auf alle aus, die Eine lief davon, die Andere sass mit einem riesigen Sombrero, den sie sich im pre-Drama-Stadium aufgesetzt hatte, sauer in der Ecke. Jedenfalls waren um 24.00 Uhr die Fronten total verhärtet, wir drei Frauen alle genervt, die Männer nannten uns Zicken, und der Alkohol tat sein Übriges. Das einzig Lustige war der Moment, als die Freundin mit dem Sombrero mir die Leviten lesen wollte, den Hut auf ihrem Kopf aber total vergessen hatte. Stell dir vor, jemand ist stinksauer und hat einen überdimensionalen Mexikanerdeckel auf dem Kopf, hahaha! Dass ich anfing zu lachen, kam nicht wirklich gut an, und so endete auch der Jahreswechsel 11/12 definitiv in einem Fiasko.

Dieses Jahr fahre ich eine total neue Taktik: Ich gehe von Anfang an davon aus, dass es trostlos wird. Wir feiern mit ein paar Leuten in London, mein Freund muss arbeiten, es gibt bestimmt Streit oder eine Autopanne oder die langweiligste Feier meines Lebens. So what, schlimmer gehts nimmer.