Saturday Night Fever

Saturday Night Fever

Trends und Tücken im Nachtleben - scharf beobachtet von DJ TapTap.

Meine Street Parade 2014

Eine Bootsfahrt mit Paul Van Dyk, bekannte Gesichter auf dem Partysan-Boot und ein Auftritt vor 50'000 Menschen: Ramon Joss alias DJ Ray Douglas ist überwältigt von der diesjährigen Street Parade.
Blog Saturday Night Fever DJ Ray Douglas Street Parade 2014
© via Instagram.com

TV-Interview in der Menschenmasse: DJ Ray Douglas im Gespräch mit einsplus.

Ich könnte jetzt an dieser Stelle die Diskussionen um Oliver Pochers Lovemobile-Auftritt kommentieren, mich über Medien echauffieren, die Bagatellen hochstilisieren, damit sie irgendeinen Skandal rund um den Grossanlass servieren können, statt zu würdigen, dass bei fast einer Million Menschen auf einem Haufen eigentlich gar nichts passiert ist, oder mich fragen, warum die Stadtregierung immer noch auf Verhinderungskurs gegenüber dem grössten Stadtrave der Welt ist, insbesondere, wenn dieser stets derart reibungslos abläuft. Tu ich aber nicht - dafür gabs viel zu viel Schönes an meinem Paradentag.

Meinem Auftritt auf der Kongresshaus-Bühne sah ich bis tags davor noch gelassen entgegen. Am Samstagmittag sahs dann anders aus. Und spätestens als ich die Bühne um kurz vor 16 Uhr betrat war ich, zugegeben, nervös. Denn so an die 50'000 Menschen vor sich zu haben, das ist einfach nicht business as usual. Was folgte, muss man erlebt haben, Erzählungen geben das Gefühl nicht wieder, wie es ist, wenn der Beat einsetzt und die Menschenmasse jubelt. Und das bei strahlendem Sonnenschein, entgegen aller Prognosen.

Immer noch weggeblasen vom Adrenalin begaben mein Kumpel Martin und ich uns zum Baur au Lac, wo der Böötli-Transfer zu einem Interviewtermin anstand. Kurz nach 18 Uhr gings ab auf den See. Mit an Bord: der Headliner der Parade, Paul Van Dyk! Ein ausnehmend sympathischer Typ. Gut gelaunt trug er trotz Entourage von vier Leuten sein offensichtlich schweres Gepäck selbst, genoss die Bootsfahrt und winkte den zahlreichen Bootsbesitzern zu, die auf ihren Gefährten feierten.

Eskortiert von beeindrucken entspannten Street-Parade-Mitarbeitern, die uns durch die Massen rund ums Bellevue manövrierten, gings zur einsplus-Bühne. Der deutsche, öffentlich-rechtliche Sender übertrug die Parade. Es würden mich also locker mal so ein paar Hunderttausend, vielleicht mehr, live und ungekürzt sehen, was mir genügend Respekt abrang, um bis 19 Uhr nüchtern zu bleiben. Es lohnte sich, der Talk mit meinem Buddy Jontsch und seinem Kollegen Fred Peters war entspannt und witzig, während hinter uns die Lovemobiles durch die Menge rollten und vor uns Hard Rock Sofa die grosse Menge begeisterte.

Weiter gings zur Opera Stage, um den Set-Start von Paul Van Dyk von der Bühne aus zu sehen (grossen Dank an dieser Stelle an die Paradenmacher hierfür). Vor uns weit und breit nur Menschen - dagegen war meine Crowd am Nachmittag direkt familiär gewesen. Paule genoss es in vollen Zügen und trieb seine Raver wild hüpfend an - sie goutierten es und gingen ab wie bisher selten an diesem Tag.

Nun war es Zeit, sich zu entspannen. Louis vom Bellevue lud auf ein paar Drinks in seinen Club, dann machten wir uns auf den Weg zu der Party, die früher das Partysan-Boot hiess, dieser Tage schlicht und ergreifend «The Boat». Auf der Quaibrücke lagen die ersten Alkleichen, einige verrückte erklommen Lichtsignalmasten, wir wateten durch die Müllmengen - alles so ein bisschen das Übliche.

Der Gang vom Steg aufs Boot dauerte, man traf bekannte Gesichter, herzte und scherzte, allen voran Energy-Mann Sascha Wanner, der übrigens eine tolle Hausi-Leutenegger-Imitation beherrscht. Es folgten Drinks von Seigi, das Treffen mit lieben Freunden - und gegen 23 Uhr ein kurzes Timeout zu Hause, bevor es weiter ins Plaza ging. Die Resident-DJs und der Gast, Defected-Frau Sam Divine, liessen eine tolle Party für ein tolles Publikum steigen.

Irgendwann verabschiedete ich mich französisch, letzte Station Abflug Berlin in der alten Kaserne. Man winkte mich und meine Freundin Sarah einfach durch, die Gästeliste wurde nicht überprüft, locker wie die Berliner halt sind. Drinnen, bei gefühlten 60 Grad, umarmte einer einen Stützbalken innigst, ein anderer fuhr uns liebevoll durchs Haar, Koletzki liess es krachen, und wir besorgten letzte Drinks.

Gegen vier gings nach Hause, müde, glücklich und dankbar, für einen Tag, der in Erinnerung bleiben wird, für eine Menschenmasse, die denkbar friedlich feierte, und dafür, dass es Idealisten wie die Helfer und die Verantwortlichen der Parade gibt, die viel von ihrer Zeit opfern, damit Menschen aus aller Welt in Zürich feiern können. Bis nächstes Jahr!

Weitere Bilder von Ramon Joss' Street Parade gibts hier.

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