Saturday Night Fever

Saturday Night Fever

Trends und Tücken im Nachtleben - scharf beobachtet von DJ TapTap.

Swiss Nightlife Award: Sieger, Storys & Skurriles

Am Samstag war es wieder so weit: Das helvetische Nachtleben kürte seine besten Events, DJs und Clubs des vergangenen Jahres - und feierte sich selbst. Blogger und DJ Ramon Joss fasst die Highligths der Swiss Nightlife Awards zusammen.

Zuerst durften Animal Trainer auf die Bühne, um den Preis für die beste Eventreihe entgegenzunehmen, ihre «Rakete»-Party hat abgeräumt. Die eine Hälfte des Duos, Samy, war erst kurz zuvor von einem Gig in Köln zurückgekommen und erwischte einen Kaltstart, hatte er doch zum Zeitpunkt der Preisübergabe noch nicht mal den reichlich vorhandenen Wodka auf den Tischen entdeckt.

Der Award für den besten Event ging nach Lausanne für einen Anlass am 1. August. Ebenso wie der Preis für den besten «Big Club», den der seit vielen Jahren für  hochkarätige Bookings bekannte «D! Club» einheimste. Wie schon in den vergangenen Jahren war den Gewinnern aus der Westschweiz enorme und ehrliche Freude über die Auszeichnungen anzusehen, womit sie einigen anderen Preisträgern etwas voraushatten.

Insbesondere ein Teil der Dankesrede von Joel Meier, dem Präsidenten der Street Parade, die als «Best Big Event» ausgezeichnet wurde, irritierte - er verkündete sein Unverständnis über die Nomination des Montreux Jazz Festivals und des Paléo in derselben Kategorie, die ja keine Nightlife-Anlässe seien. Dass beide Festivals wesentlich länger in die Nacht hinein dauern als die Street Parade, schien ihm entgangen zu sein. Hochverdient ist der Award allemal, hat die Parade vergangenes Jahr doch so seidenfein wie noch nie die Verschmelzung von Underground und Mainstream erreicht.

Als dann DJ Antoine als bester House-DJ ausgezeichnet wurde, schwieg der Saal. Unschwer war festzustellen, dass die Sympathien der Gäste für den Sieger eher bescheiden vorhanden waren. Und sie dürften ob der an Arroganz schwer zu überbietenden Videobotschaft des Baslers nicht grösser geworden sein.

Sympathiepunkte sammelte Basel aber dank Andrea Oliva, der als «Best Electronica DJ» geehrt wurde. Der sympathische und bodenständige Künstler wandte sich vor einigen Jahren von seinem DJ-Pseudynom «Andrew» und dem Mainstream komplett ab und widmete sich ganz der Musik, für die sein Herz schlug. Unterdessen gehört er zu den Shooting-Stars der internationalen Szene und sorgte vergangenes Jahr mit seiner Residency im «Ushuaïa» auf Ibiza (dessen Boss übrigens ebenfalls anwesend war) für Furore.

Nicht minder grosse Jubelstürme wurden der Zürcher «Zukunft» für den Titel «Best Club» entgegengebracht, ohne Zweifel ebenfalls ein hochverdienter Preis. Erstaunlich war auf den ersten Blick der Sieg vom Tessiner DJ Jay-K als bester Open-Format-DJ, wurden doch im Vorfeld Schnüggel-DJ Acee und Vollblutaufleger Johnny Roxx favorisiert. Jay K dürfte von der massiven Fanbase seines Homies Guè Pequeno, Rapper und Platinum-Plattenseller aus Italien mit einer Viertelmillion Follower auf Twitter, profitiert haben, hat in Anbetracht seiner über zwanzigjährigen erfolgreichen DJ-Karriere seine Eule - die Trophäe - aber ebenfalls zurecht erhalten. Bei der Laudatio zur Kategorie bewies Radiostar Jontsch Wagemut: Unverfroren pries er zwei Minuten lang seine am kommenden Samstag im «Hiltl Club» stattfindende Party an.

Die Kürung des «Café Gold» als beste neue Location und die Ehrung von Paul Kalkbrenner für die beste Performance eines internationalen Künstlers in der Schweiz sind aus meiner Sicht als Randnotiz zu vermerken. Erstere ist das Resultat des Mangels an neuen, wirklich bahnbrechenden Clubs, Letztere der Dummheit der Wählenden zu verdanken, die in dieser Kategorie das alleinige Sagen hatten.

Mein persönliches Highlight zum Schluss: «Mr. Ibiza» Ulises Braun erhielt den Lifetime-Award überreicht. Dass Herr und Frau Schweizer seit den 80ern jahrein, jahraus auf das Eiland pilgern, ist zu einem grossen Teil der Verdienst des sympathischen Partyhengstes, der den Spirit der Insel mit seinen Partys nach ganz Europa getragen hat. Sein Lebenswerk dürfte allerdings noch längst nicht beendet sein - so wird auch meine Wenigkeit wie so viele dieses Jahr den Grandseigneur besuchen.

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