Saturday Night Fever

Saturday Night Fever

Trends und Tücken im Nachtleben - scharf beobachtet von DJ TapTap.

Alter Trend im Aufwind

Virginia Gomez alias DJ TapTap stand nicht immer nur auf Hip-Hop. Es gab eine Zeit, in der sie zu anderer Musik abtanzte. Jetzt erlebt ausgerechnet ihre alte Liebe eine Wiedergeburt.
Nightlife Blog Virginia Gomez Artful Dodger Rewind
© Screenshot

Artful Dodger war um die Jahrtausendwende voll im Trend.

Vor vielen vielen Jahren, bevor ich selber als DJ tätig war, wurde ich meiner Hip-Hop-Szene untreu und entdeckte eine zweite Liebe, die jetzt vielleicht wieder ein Revival erlebt.

England hatte schon immer eine sehr eigenständige Musikszene mit unglaublich vielen begnadeten Künstlern. Deswegen ist es wenig verwunderlich, dass sie im Laufe der Jahre des Öfteren mit eigenen Musikstilen aufwarten konnten. Vor rund 15 Jahren war gabs einen Trend namens «UK Garage» und «2Step». Eine eigenständige Subkultur, mit internen Stars und Hits. Sehr früh schwappte dieser Trend aus London auch in die Schweiz, mit anfänglicher Hochburg in Bern, bald wurden UK Garage sogar schweizweit massentauglich. Um die Jahrtausendwende waren die Mittwochabende im Zürcher Kaufleuten legendär, kein anderer Club war unter der Woche so voll.

Irgendwann entstand ein regelrechter Hype, und sogar in den Charts fand man plötzlich einige Vertreter dieser Musikrichtung, wie zum Beispiel Artful Dodger...

...oder Daniel Bedingfield

Die trendigen Nachteulen verbrachten ihre Sommernächte fortan auf der griechischen Insel Ayia Napa, die zeitweise Ibiza den Partythron streitig machte - ich war natürlich viel zu jung, meine Eltern haben mich nicht dorthin gelassen.

Aber auch hierzulande ging die Post ab. Unsere Schweizer Crews konnten sich definitiv blicken lassen, allen voraus ein Label namens «Sweet & Sexy», das mit seinen Mix-CDs, Eigenproduktionen und Partys auch über die Landesgrenzen hinaus bekannt wurde. Eines der Zugpferde war der damals noch sehr junge DJ Remady. Zusammen mit seinem DJ-Partner «Player» und vielen weiteren Helden meiner Teenager-Jahren, brachten sie mich und meine Mädels regelmässig dazu, bis zum Morgengrauen durchzutanzen.

Ein anderer Wunderknabe hiess Craig David - noch minderjährig schrieb er Texte und sang wie ein richtiger Weltstar. Ich persönlich habe nie ganz verstanden, warum er es schlussendlich nicht wurde. Der Durchbruch in den USA gelang ihm aus unerfindlichen Gründen nie. Die Frage nach dem Warum wird wohl als eines der grossen Mysterien der Musikwelt abgestempelt werden müssen. Zu der Zeit des UK Garage wurde Craig David aber zumindest in Europa gebührend gefeiert. Als 19-Jährier war er sogar der jüngste Künstler, dem ein Nummer-1- Hit in England gelang. Mit dem Untergang der Szene, die ihn gross gemacht hatte, liess jedoch auch sein Erfolg wieder nach, und plötzlich war er ganz von der Bildfläche verschwunden.

In den letzten Wochen stellte ich verwundert wie erfreut fest, dass wieder UK-Garage-Remixe von aktuellen Liedern auftauchten. Beim BBC Radio in England gibts vermehrt Jam Sessions mit alten, nach wie vor energiegeladenen UK-Garage-Ikonen. Tatsächlich tauchte auch Craig David wieder aus der Versenkung auf und zeigte allen, wie talentiert er nach wie vor auf den Putz hauen kann:


Kurz nach seinem Radioauftritt kursiert nun ein neues UK-Garage-Lied von Craig David.

Fragen nach der definitiven Veröffentlichung überschwemmen zurzeit das Internet. Und vielleicht erlebt diese Musikrichtung ja tatsächlich nochmals eine Wiederauferstehung.

Im Dossier: Mehr «Saturday Night Fever»-Blogs