Saturday Night Fever

Saturday Night Fever

Trends und Tücken im Nachtleben - scharf beobachtet von DJ TapTap.

Schuster, bleib bei deinen Leisten

Eigentlich schreibt Virginia Gomez gerne über Positives und konzentriert sich auf die freudigen Dinge im Leben. Aber momentan ist sie von so viel «Idiotie umgeben», wie sie sagt, dass sie die nur schwer ignorieren kann.  

Das DJ-ing ist schon lange nicht mehr das, was es mal war - dank vieler Menschen, welche eigentlich gar nichts im Nachtleben verloren haben, kein Verständnis dafür und, noch schlimmer, keinen Respekt davor haben. Deswegen gibt es tonnenweise schlechte Partys, ungeschultes Personal, unfreundliche Gastgeber, sich nicht bewegende Tänzer und natürlich lächerliche Gestalten hinter dem DJ-Pult, welche null Ahnung haben.

So kann es passieren, dass ein grosses Unternehmen in Europa eine Werbekampagne startet, für welche ich beim besten Willen keine Worte finde...

Blog Virginia Gomez DJ Tap Tap auflegen Party P1
© ZVG.

Fehler gefunden? Okay, abgsehen davon, dass es keinen Mixer gibt, an dem vier Leute gleichzeitig auflegen können und der Herr links im Bild seinen Spass mit einem leeren Nichts hat... Schauen wir uns das Szenario aus der Nähe an...

Blog Virginia Gomez DJ Tap Tap
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Falls es jemandem noch nicht klar sein sollte: Bei den CD-Playern kann man nun wirklich keine Vinyl abspielen... 

Offensichtlich ist DJ-ing irgendwie cool - aber keiner macht sich die Mühe, auch nur das Geringste darüber zu wissen. Ein bisschen respektlos gegenüber denjenigen, welche Jahre lang daran gearbeitet haben, wirkliche DJ-Skills zu erlernen.

Dass dieser seltsame Trend langsam Überhand nimmt, zeigt sich auch hier: Der Club P1 in München hat auf einer Website eine Aktion aufgeschaltet, mit der man für knapp 200 Euro einmal «auflegen darf». Man muss nichts können, aber bezahlen. Darf sich dann als DJ bezeichnen, coole Fotos hinter dem Mixer schiessen und den P1-Club als Referenz nennen... Wow.

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Bei näherer Betrachtung ist das Angebot dann doch nicht ganz so glamourös. Mann darf lediglich drei Lieder abspielen, muss diese vorher einreichen und das ganze Spektakel findet nicht zur wirklichen Clubbingzeit statt, sondern eher so um sechs Uhr abends. Dafür bekommt man für sich und seine sechs Gäste, die man auf eine Liste setzen darf (der Eintritt ist zwar frühabends umsonst, aber man will ja auch mal Leute auf eine Liste schreiben können) eine Champagnerflasche «geschenkt». Deal des Jahres.

Man stelle sich vor, dieses Angebot würde es für andere Berufe geben. Juhui, ich darf mal einen Angeklagten verteidigen, auch wenn ich keine Ahnung vom Gesetz habe, irgendein cooler Spruch wird mir schon einfallen. Oder warum sich nicht mal als Tattoo-Artist versuchen? Oder beim Fernsehen arbeiten, ein paar Nachrichten verbreiten oder sowas... Kann ja alles nicht so schwer sein. Immerhin hat das P1 wahrscheinlich eingesehen, dass diese Aktion seinem Ruf nicht unbedingt gut tut, und das Angebot nach kurzer Zeit wieder eliminiert. Oder war die Nachfrage zu gross?

Hierzu muss ich noch anfügen, dass ganz bestimmt nicht nur denjenigen, welche seltsame Angebote erfinden, die Misere zugeschrieben werden kann. Die, die ein solches Angebot annehmen, sind viel eher die Übeltäter. Dies gilt auch für schlechte Partys. Würde keiner hingehen, würde die Blödheit automatisch irgendwann aussterben und jeder würde wieder mehr geboten bekommen für sein Geld.

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